Wie weiter auf dem Campus? Was Plauen dort bald blüht

Die Berufsakademie soll nach dem Umzug auf den Amtsberg wachsen. Sprießen wird dort künftig auch weiteres Grün. Manches wächst dabei nach historischem Vorbild.

Plauen.

Der Umzug der Staatlichen Studienakademie Plauen von der Melanchthonstraße auf den neuen Campus auf dem Schlossberg ist geschafft. Im Lehrgebäude, dem früheren Amtsgericht, tummeln sich seit voriger Woche Studenten und Lehrende. Doch was passiert außerhalb der Labore und Seminarräume? Diese Frage bewegt so manchen Plauener - eine "Freie Presse"-Leserin wollte jetzt etwa wissen, was künftig auf dem Campus blühen soll. Die Verantwortlichen verraten: Für rund 600.000 Euro ist auf dem Areal einiges geplant, das an die Geschichte des Geländes erinnert.

Zum Beispiel vor dem Haupteingang des Hauptgebäudes, direkt an der Stützmauer zum Wirtschaftshof: Dort liegt der frühere Zwingerbereich, erklärt Sachbearbeiter Tobias Lorenz vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), das insgesamt 25 Millionen Euro in den neuen Campus steckt. "Hier wird eine Grünfläche angelegt, die mit einer Pflanzung aus Präriestauden, Gräsern und Hecken den früheren Ziergarten neu interpretiert", stellt er in Aussicht. Das passiert seinen Worten zufolge noch dieses Jahr.

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Die moderne Version des Ziergartens ist aber nicht alles, was dieses Jahr fertig werden soll: "Die Fläche entlang der Hammerstraße wird zur Zeit angelegt", erklärt Lorenz. "Danach wird hier eine Rasenfläche angelegt, die von Bäumen und Sträuchern umgeben ist." So soll ein gartenartiger Raum entstehen, der öffentlich zugänglich ist, und durch den man zu Fuß, ganz ohne Stufen, die Schlossterrassen erreichen kann.

Die Fläche, auf der früher das Zellengebäude der Justizvollzugsanstalt (JVA) stand, ist noch durch die Gefängnismauer begrenzt: "Sie wird bis auf den Sockelbereich abgetragen und erhält eine neue Abdeckung", so Lorenz. Zwei Gedenktafeln an der JVA-Mauer sollen gesichert und später wieder auf dem Campus aufgestellt werden. Wo, ist offen. "Im Grunde ist der gesamte Campus eine Reminiszenz an die Geschichte. Jedoch an eine Zeit vor der Justizvollzugsanstalt", sagt SIB-Pressesprecher Alwin-Rainer Zipfl.

Den Flächen zwischen dem heutigen Lehrgebäude und dem noch zu errichtenden Multifunktionsgebäude wird ebenfalls zu Leibe gerückt, wenn auch nicht mehr dieses Jahr. "Die Flächen werden zu einem großzügigen Platz gestaltet", sagt Lorenz. Der soll mit Granitpflaster belegt werden - ein Wasserbecken wird an den ehemaligen Schlossbrunnen an gleicher Stelle erinnern.

Die Ruinenmauer des Schlosses wird nicht - wie eigentlich geplant - ins Multifunktionsgebäude integriert, sondern bleibt außen vor, sagt Zipfl: "Die Ruinenwand wird als Außenwandscheibe vor dem statisch wirksamen Tragwerk stehen." Das historische Mauerstück war zu porös und instabil, um den Neubau mitzutragen. Ursprünglich waren dafür sechs Millionen Euro eingeplant. Nachdem feststand, wie instabil die Ruinenwand ist, war klar: Das wird nicht reichen. Im November hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei einem Baustellenbesuch angekündigt, dass der Freistaat mehr lockermachen werde, um die Mehrkosten zu bezahlen. "Eine genaue Summe wurde nicht benannt", so Zipfl. Wie viel das Ganze nun kosten soll und wann dafür der Startschuss fällt, dazu könne aufgrund laufender Planung keine Auskunft erteilt werden, so der Sprecher. Der Nachtrag soll im Juni geprüft werden. Danach braucht es grünes Licht aus dem Finanzministerium.

Das vor wenigen Tagen neu gestellte Gerüst an der äußeren Umrandungsmauer dient der Sanierung ihrer Innenseite. Dort war ein Gerüst aufgrund von Anbauten nicht möglich. Zudem erhält die Mauerkrone eine Abdeckung aus Naturstein. Die Arbeiten sollen bis Mai abgeschlossen sein. Die Außenseite der Mauer war bereits 2011 mit einer Schlämme saniert worden - nach Vorgaben der Denkmalschutzbehörde. Im Laufe der Zeit werden die Mauersteine wieder sichtbar.


Kommentar: Grundzum Feiern

Was für ein großartiger Tag für Plauen! Und wie nahezu enttäuschend lautlos ging er vorüber. Dabei markiert der Umzug der Studienakademie in das ehemalige Amtsgericht einen bedeutenden Abschnitt in der Stadtgeschichte.

Klar, noch ist das Areal eine Baustelle. Doch nach Jahrzehnten hat das Gelände nun wieder eine öffentliche Nutzung. Die Investition des Freistaates in den Campus verdeutlicht seinen Willen, den Plauener Standort der Studienakademie nicht nur dauerhaft zu etablieren, sondern auch auszubauen. Beides hat es durchaus verdient, gewürdigt zu werden. Umso bedauerlicher, dass nichts aus dem Tag der offenen Tür geworden ist, den Verantwortliche des Staatsbetriebes SIB beim Baustart in Aussicht gestellt hatten. Auch beim Tag des offenen Denkmals 2018 versäumte es der Bauherr, Einblick in das Vorhaben und das bisher Geschaffene zu geben. Dabei haben sowohl das Schlossberg- Areal, das wieder zugänglich gemacht wird, als auch die Studienakademie selbst aktive Öffentlichkeitsarbeit verdient. Beide dürfen durchaus tiefer in Bewusstsein und Stolz der Plauener vordringen. Wenn es schon der Bauherr nicht schafft: Vielleicht packt es die Berufsakademie mit ihrem Förderverein - und lädt schon bald zum 1.Schlossberg-Fest ein? Grund zum Feiern - siehe oben - gibt es allemal.

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