Wie wichtig sind Kopfnoten für die Bewerbungen?

Die umstrittenen Zensuren sind laut einem Gericht rechtswidrig. Aber wäre deren Abschaffung gut? Auf der Plauener Jobmesse gingen die Meinungen dazu weit auseinander.

Plauen.

Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung. Vier Zensuren, die für viel Aufregung sorgen. Das Verwaltungsgericht Dresden entschied vor Kurzem, dass es für diese Kopfnoten keine Rechtsgrundlage gibt. Soll heißen: Sie müssen abgeschafft werden. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) ist dagegen aber in Berufung gegangen.

Geht es nach Volker Martin, dann handelt der Kultusminister richtig. Martin ist Betriebsleiter beim Kunststoffproduzenten Naue aus Adorf. Auf der Plauener Ausbildungsmesse vertrat er eins von 140 Unternehmen, die dort am Donnerstag nach Nachwuchs suchten. "Ich bin gegen eine Abschaffung", sagt der 54-Jährige. Denn die Kopfnoten seien eine wichtige Orientierungshilfe im Bewerbungsprozess. Außerdem sieht er die Gefahr, dass dadurch eine Entwicklung entsteht, an deren Ende alle Schulnoten abgeschafft werden.

Babett Baraniec vom Helios-Klinikum Plauen sieht das ganz anders. "Ich finde die Kopfnoten schwierig. Bei der Benotung spielen oft auch Vorurteile eine Rolle", meint sie. Als Beispiel nennt sie ihre eigenen zwei Kinder. Beide seien durchaus lebhaft, machen ab und an auch mal Ärger in der Schule. "Die Einträge ins Hausaufgabenheft bringt aber nur mein Sohn mit nach Hause", sagt sie. Mädchen, meint die Fortbildungsbeauftragte des Plauener Klinikums, würden von den Lehrern oft als unschuldig angesehen.

Und was meinen die Schüler selbst? Jasmin Frisch geht an der Oberschule in Oelsnitz in die 9. Klasse. Auf der Plauener Ausbildungsmesse informiert sie sich über mögliche Berufe. Ihre eigenen Kopfnoten seien gut, sagt sie. Diese Zensuren hält sie auch für sinnvoll. "Sie zeigen, wenn jemand zum Beispiel immer faul ist", meint die 14-Jährige. Und doch hält sie es für falsch, wenn die Kopfnoten bei der Bewerbung eine zu große Rolle spielen. "Es ist wichtig, dass auch auf alle anderen Zensuren geschaut wird", sagt sie.

Und doch sind für viele Firmenchefs Kopfnoten bei einer Neueinstellung eines Azubis ausschlaggebend. Bei einer Umfrage der IHK Chemnitz, an der sich im Frühjahr auch vogtländische Unternehmer beteiligt hatten, gaben 84 Prozent der Befragten an, dass sie anhand der Zeugnisangaben über die Eignung eines Bewerbers entscheiden. Erst als ein nächster Schritt stünden Praktikum oder Probearbeiten auf der Agenda. "Die Mehrzahl der Unternehmer legt Wert auf Kopfnoten", meint Siegmar Degenkolb, zuständig für das Thema Berufsausbildung bei der IHK Regionalkammer Plauen, der Interessensvertretung für Handel und Industrie im Vogtland.

Diese Einschätzung teilt auch Arbeitsagenturchefin Helga Lutz. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Arbeitgeber eher bereit sind, Hilfestellung zu leisten, wenn jemand fachlich Nachholbedarf hat. Bei sozialen Tugenden ist das schwieriger", meint Lutz. Bei eingetragenen Fehlzeiten oder Auffälligkeiten bei Kopfnoten sei die Toleranz der Chefs weit geringer, Entscheidungen schnell gefällt. "Wer nicht reinpasst ins Team, der hat es im Bewerbungsgespräch schwer."

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