Wo der Teufel mit eisernen Karten spielte

Ausflugstipp Das Vogtland hat auch über Sachsens Grenzen hinaus viel zu bieten. Ein Blick über den Tellerrand. Heute: Der Rundweg Großer Waldstein im bayerischen Fichtelgebirge.

Sparneck.

Der heutige Ausflugstipp führt ins bayerische Fichtelgebirge auf den Rundweg Großer Waldstein. Dort lag mit der Ostburg im 12. und 13. Jahrhundert die weiteste Ausdehnung des vögtischen Einflussgebiets in Franken.

Der Große Waldstein liegt zwischen Sparneck, Weißenstadt und Zell. Den kurzen, aber sehenswerten Rundgang startet man am besten am Parkplatz des Waldsteinhauses. Das ist ein üblicherweise ganzjährig bewirtschaftetes Gast- und Unterkunftshaus des Fichtelgebirgsvereins (außer in Coronazeiten). Von hier aus sind alle Wanderwege sehr gut ausgeschildert.

Der Spaziergang über den Gipfelbereich des Großen Waldsteins startet linkerhand des Waldsteinhauses. Dort erhebt sich die erste mächtige Felswand, auf der Reste der Veste Waldstein thronen. Die Westburg wurde um 1350 von Rüdiger von Sparneck als Ersatz für die Ostburg erbaut, da diese nicht mehr den Ansprüchen der Zeit entsprach.

Seit der Zerstörung der Burg 1523 steht sie als Ruine auf dem Großen Waldstein. Ihren Beinamen Rotes Schloss verdankt sie einer kurzen Zwischennutzung im Spanischen Erbfolgekrieg zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Burg wurde während dieser Zeit als Lager genutzt. Das gut erhaltene Torhaus wurde dafür mit roten Ziegeln gedeckt. Auch jetzt noch kann man auf dem Weg zur Burg den einen oder anderen roten Ziegel auf dem Boden erkennen.

Heute gelangt man über die mächtige Burgpforte in den Innenbereich der einst stolzen Burg. Im Burghof erwarten den Besucher zwei Aussichtspunkte mit beeindruckenden Ausblicken auf die Landschaft. Und an einem sieht man auch schon das nächste Ziel: den Aussichtspunkt Schüssel.

Direkt vor der Westburg steht der sagenumwobene Teufelstisch. Es ist ein mächtiger, sich nach oben erweiternder Felsblock. Dort soll einer Sage nach der Teufel mit dem Feilenhauer aus Weißdorf, dem mächtigsten Geisterbanner seiner Zeit, Karten gespielt haben. Die Löcher am Tisch sollen von den eisernen Spielkarten herrühren, mit denen beide gespielt haben.

Der Weg führt weiter entlang gigantischer Felswände bis zur Ruine der Ostburg. Felsblöcke scheinen wellenartig aufgeschichtet zu sein. Die markanten Rundungen dieser sogenannten Wollsack- oder Matratzenbildungen der Granitfelsen entstanden durch Zersetzungen unter der Oberfläche und wurden im Laufe der Zeit durch Erosion freigelegt.

Vor dem Aufstieg zum Aussichtspunkt Schüssel kommt man an den Mauerresten der Ostburg sowie der Ruine der dazugehörigen Kapelle vorbei. Die Burg bestand von 1150 - 1375. Sie wurde von den Herren von Waldstein erbaut und gehörte danach den Herren von Sparnberg, die ihren Stammsitz zwischen Hirschberg und Blankenberg hatten.

Von Mauerresten der Burg aus geht es über Treppen hinauf zur Schüssel. Heute mag der Name Schüssel komisch anmuten, aber er hat seinen Ursprung tatsächlich in einer Art Schüssel. Dort, wo heute der Aussichtspunkt steht, gab es eine natürlich entstandene Verwitterungsmulde, in der sich Regenwasser sammelte. So kam der Ort zu seinem Namen.

Schon im 19. Jahrhundert war der Aussicht von dort spektakulär. Sie war so beliebt, dass sich 1851 Bayerns König Maximilian II. und seine Frau zu einem Besuch ankündigten. Für den Besuch besserte man in den umliegenden Orten Straßen und Wege aus und putzte alles heraus. Allerdings störte noch die Schüssel, die durch das darin stehenden Wasser oft auch unangenehm roch. Man fasste der Plan, die Ränder abzumeißeln. Nachdem das Wasser abgeflossen war, verfüllte man die Mulde. Auf den neu geschaffenen Fundamenten wurde ein Aussichtshaus erbaut, dass zu seiner Eröffnung auch in den Landesfarben weiß und blau gestrichen war. Auch wenn der König aus Zeitgründen dann seinen Besuch absagte, blieb den Bewohnern ein sehr schöner Aussichtspunkt, der heute zu einem der meistbesuchten Orte des fränkischen Fichtelgebirges zählt. Von der Schüssel hat man eine fantastische Rundumsicht über die Landschaft.

Der Rundweg führt unterhalb der Ostburg wieder zurück zum Waldsteinhaus. Westlich des Parkplatzes kann man noch einen Blick auf den einzigen in Deutschland erhaltenen historischen Bärenfang werfen. Es ist ein aus Granit erbautes Gebäude, in dem bis 1760 Bären gehalten wurden. Wer den Rundweg noch verlängern möchte, kann von hier aus zum einen Kilometer entfernten Aussichtspunkt Arnsteinfelsen oder zur 2,5 Kilometer entfernten Saalequelle wandern.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.