Wo die Dorfgemeinschaft die Arme öffnet

775 Jahre Röttis sind am Wochenende gefeiert worden. Die neue Chronik beleuchtet auch ein fast vergessenes, tragisches Kapitel der Ortsgeschichte.

Röttis.

Die grünen Dorfgemeinschafts-T-Shirts gab's zum Jubiläum in einer neuen Auflage, zusätzlich trugen viele Helfer beim 20. Röttiser Scheunenfest einen speziellen Röttis-Anstecker. "Ein Geschenk vom Karnevalsverein Wurgwitz aus Freital", erklärt Peter Hörning, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft. "Die sind vom Scheunenfest so begeistert, dass sie jedes Jahr in Gunzenberg Urlaub machen, um dann zu uns zu kommen." Mehr Gäste als je zuvor seien diesmal in Plauens kleinsten Stadtteil geströmt, sagt Hörning. Sie erlebten dreimal Live-Musik: Partyline und Jana Sammer am Samstag, am Sonntag dann die Schweizer Lausbuam zum Frühschoppen. Und viele Besucher erwarben die brandneue Chronik, die maßgeblich vom ehemaligen Staatsminister und Staatssekretär Rolf Schwanitz erarbeitet wurde. Er hat vor 25 Jahren ein Haus in Röttis gebaut und ist vom Zusammenhalt im Ort tief beeindruckt. "Hier macht die Dorfgemeinschaft tatsächlich für Neuankömmlinge die Arme auf", sagt Schwanitz. Das bestätigt Werner Beck, Jahrgang 1936: "Wir gehen auf die Leute zu, die neu hierher kommen." Er war Mitbegründer und erster Vorsitzender des Dorfgemeinschafts-Vereins. Besonders froh ist er, dass der Generationswechsel gelang und auch viele junge Leute im Verein mitmischen. Rund 50 Einwohner hat Röttis, 47 Mitglieder der Verein. "Da sind aber auch Jößnitzer dabei", sagt Beck.

Die Chronik bietet einen detailreichen Blick auf die 775 Jahre, die seit der Ersterwähnung von Röttis Anno Domini 1244 vergangen sind. Da gibt es einen Blick in die "Straftabelle" der Kaiserzeit, als Delikte wie das Rodeln auf einem öffentlichen Weg, die Fahrt auf einem von Hunden gezogenen Wagen oder unangemeldete Übernachtungen von Gästen geahndet wurden. Aufgearbeitet hat Schwanitz ein bisher weitgehend unbekanntes Kapitel, nämlich die Tragödie des Röttiser Rittergutes nach dem Zweiten Weltkrieg. Obwohl es die Kriterien der Bodenreform eigentlich nicht erfüllte, wurde es 1946 enteignet und zerschlagen. Die wertvollen Kunstschätze der Ritterguts-Besitzer kamen nach Plauen, ein Teil befindet sich bis heute im Vogtlandmuseum. Das Herrenhaus, ein architektonisches Kleinod, wurde dem Verfall preisgegeben und schließlich 1967 abgerissen. Alle Versuche der Einwohner von Röttis, das Gebäude zu retten und etwa als Kinderheim zu nutzen, waren zuvor gescheitert.


Bei seiner Arbeit konnte Schwanitz auf der Chronik aufbauen, die Werner Beck und Peter Hörning 1994 zur 750-Jahr-Feier des Ortes veröffentlichten. Informiert wird etwa über den Abbau von Kupfer und Eisen, später auch Nickel und Schwerspat, der ab dem 17. Jahrhundert und bis 1926 in Röttis betrieben wurde. Und natürlich über das Röttiser Eisenbahn-Viadukt (erbaut 1851), das als Logo heute die T-Shirts der Dorfgemeinschaft ziert.

www.röttiserdorfgemeinschaft.de

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