Wo die Plauener früher gefeiert haben

Joachim Ott bringt dieser Tage seinen mittlerweile 24. Blickwinkel-Kalender mit alten Ansichtskarten heraus. Auch dieses Jahr kann der Betrachter Interessante entdecken.

Plauen.

In einem Salon bittet ein elegant gekleideter Herr eine ebenso elegant gekleidete Dame zum Tanz. Die Szene ist auf dem Oktoberblatt des Blickwinkel-Kalenders 2020 von Joachim Ott zu sehen. Darüber steht "Tanz-Lehr-Institut von Max Stiehler Plauen". Betrachtern könnte wie immer bei diesem Kalender der Gedanke kommen: Was es nicht alles gegeben hat in Plauen.

Und da gab es ja wirklich einiges. Die Postkarte vom Tanz-Lehr-Institut ist im März 1900 von Dorfstadt nach Plauen geschickt worden. Wer im Adressbuch des betreffenden Jahres nachschlägt, entdeckt die Tanzschule im Hause Annenstraße 4 im ersten Stock. Um das Tanzen allein geht es dem Herausgeber des beliebten Kalenders aber nicht, sondern um das Feiern - genauer gesagt: um die dafür einst vorhandenen Lokalitäten. Davon gab es viele. Dreizehn fanden Platz im Monatskalender. "Es ist ein versteckter Gaststätten-Kalender", sagt Joachim Ott. Für jeden Monat erzählen eine Große und eine klein dargestellte Karte, eine kleine Annonce und der zugehörige Text eine Episode.

An der Wielandstraße nahe dem Oberen Bahnhof stand einst das Hotel Zanke. Der Inhaber warb per Ansichtskarte: "Hausdiener am Bahnhof". Joachim Ott hat für den Januar einen Neujahrsgruß des Hoteliers dazu gestellt, den Zanke und seine Frau versandt haben.

Der Herausgeber hat darüber hinaus den Streits Berg für eine Hochzeit, die Deutsche Ecke an der Heubner Straße für den Osterbraten, die nach dem Inhaber Reinhard Wolf benannte Wolfsschlucht an der Neundorfer Straße für den Muttertag und den Nürnberger Hof an der Dürerstraße für den Pfingstschmaus ausgewählt. Und er hat Auszüge aus alten Adressbüchern herausgesucht: An der Heubnerstraße gab es mal eine Matratzenfabrik, an der Windmühlenstraße das Amerikanische Konsulat, an der Neundorfer Straße eine Schokoladenfabrik.

Der Blickwinkel 2020 kostet 13Euro und ist in "Freie-Presse-Shops" zu haben. Unterstützt wurde die Publikation vom Postkartenverein. Die Namen der Sammler sind auf dem letzten Blatt zu finden.

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