Wolf im Revier? Wildschweine verhalten sich ungewöhnlich

Ein Jäger hat im Vogtland ungewöhnliche Beobachtungen gemacht. Ähnliches kennen Experten vor allem aus der Lausitz.

Plauen/Markneukirchen.

Jäger Jörg Höland hegt einen Verdacht: Ein Wolf könnte im Vogtland unterwegs sein, konkret im Markneukirchner Raum. Es habe zwar bislang keine Wolfsbeobachtungen gegeben, das Verhalten der Wildschweine deute aber darauf hin, sagt der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Markneukirchen. Mehr als 60 Schweine hätten sich im November zusammengerottet. Das sei völlig ungewöhnlich. Meist seien um diese Jahreszeit die Wildschweine in kleinen Gruppen unterwegs. Solche großen Rotten kenne man lediglich aus den Wolfsgebieten der Lausitz. Das Ganze hat einen Grund: Zum Schutz vor Übergriffen bilden die Beutetiere des Wolfes große Herdenverbände, denen sich die Raubtiere weniger gern nähern als Einzel- tieren.

Doch Wildschweine im Vogtland beschäftigen nicht nur die Jäger: Die Schäden auf Feldern und Wiesen mehren sich jährlich, zunehmend wagen sich die Schwarzkittel auch in den Siedlungsbereich und zerwühlen Gärten. Die Tierzahlen steigen, die Afrikanische Schweinepest droht, während gleichzeitig die Jäger immer seltener zum Abschuss zu kommen. "Die Wildschweine sind lernfähig und werden immer schlauer. Bei Vollmond kommen sie gar nicht erst aus dem Wald", sagt Höland. Ohne ausreichende Sicht auf die Tiere ist Schießen aber ausgeschlossen. Nachtzielgeräte auf Jagdgewehren würden den Jägern helfen, im Dunklen die Tiere zu erkennen. Diese sind in Deutschland jedoch verboten. Aus Sicht Hölands wäre das aber ein hilfreiches Mittel, um die Schweinezahlen zu dezimieren. In anderen Ländern sei diese Art der Jagd inzwischen erlaubt. Deutschland genehmigte lediglich Mitte 2018 den Einsatz von Scheinwerfern. Aus Sicht Hölands ein wenig praxistaugliches Mittel. Das Licht verschrecke die Tiere augenblicklich. Farblich gedämpftes und für die Tiere nicht sichtbares Licht dagegen reiche nur etwa 30 Meter weit und sei somit nicht effektiv.

Von den Schäden der Schwarzkittel auf den Fluren kann Randy Roth, Schäfermeisterin aus Mühlwand, ein Lied singen. Sie sagt: "Es gibt Massen von Schweinen. Dieses Jahr gab es keine Eicheln, also suchen sie vermehrt auf Wiesen nach Futter. Es gibt mittlerweile keine einzige Fläche mehr ohne Wildschweinschäden. Ich habe in diesem Jahr erlebt, dass die Schweine eine einen Hektar große Wiese in einer Nacht komplett zerstörten." Wenn die Schweine auf Nahrungssuche die Grasnarbe umdrehen, ist das mehr als ein optisches Problem. "Es dauert ein Jahr, bis auf den zerstörten Stellen wieder etwas wächst. Erst nach zwei Jahren können solche Flächen auch wieder gemäht werden. Solange dauert es, bis sich die Grasnarbe ausreichend gefestigt hat", sagt die Landwirtin. Es gehe also auch um wirtschaftliche Schäden. Silieren, also die Gewinnung von Futter für den Winter, sei auf solchen geschädigten Flächen nicht möglich, weil die lose Erde auf der Wiese in die Silage geraten könnte und somit die Gefahr einer Fehlgärung besteht, ausgelöst durch in der Erde vorkommende Listerien. Listeriose heißt die für Mensch und Tier gefährliche und auch meldepflichtige Bakterieninfektion, die zum schnellen Tod der erkrankten Tiere führen kann. "Da sterben tragende Mutterschafe innerhalb kurzer Zeit", beschreibt die Schäferin die möglichen Folgen der Wildschweinschäden.

Das Regulieren der Schäden durch die Jagdgenossenschaften sei ein extra Thema. Innerhalb von drei Tagen müssen Geschädigte den Schaden melden. Doch was tun, wenn die Wildschweine alle paar Tage kommen und Schäden anrichten oder frisch eingesäte Stellen gleich wieder umwühlen? "Manchmal kann man gar nicht mehr sagen, welche Schäden frisch und welche alt sind", so Roth.


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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    GrauerWolf
    06.01.2020

    Wissenschaft versus Jägerlatein?
    "Die Rottenstruktur ist nur schwer zu erfassen, da sie sich im Laufe des Jahres immer wieder verändert, so kommen neue Frischlinge hinzu, Überläufer (Keiler und Bachen) verlassen die Rotten, große Rotten zerfallen usw. Hinzu kommen immer wieder temporäre Teilungen.“ So führte die Professur für Forstzoologie der TU Dresden in einer wissenschaftliche Studie im Auftrag der Obersten Jagdbehörde Meck-Pomm zur Untersuchung der Raum- und Habitatnutzung des Schwarzwildes aus.
    versus
    „Eine Rotte Schwarzwild von über 60 Stück Schwarzwild deuten auf einen einzelnen Wolf“ ?
    Wer die Wehrhaftigkeit einer einzelnen Leitbache kennt glaubt wohl nicht einmal in seinen kühnsten Träumen, dass ein einzelner Wolf die Rudelbildung einer Rotte Schwarzwild maßgeblich beeinflusst.?Schließlich kennen wir das Verhalten von Rehwild das sich im Winterhalbjahr, der vegetationsarmen Jahreszeit die weniger Deckung bietet, zu größeren Sprüngen zusammenschließt (schließlich sehen zwölf Augen mehr wie zwei.- Anm.d.Red.) die sich jedoch wenn im späten Frühjahr alles Grün an Bäumen und Büschen prangt wieder auflösen, oder dem sogenannten Kahlwildrudel. Das Kahlwildrudel (Kahlwild = weibliches Rotwild Anm.d.Red.) besteht aus weiblichen Tieren und dem Nachwuchs. Dieses Verhalten zeigen Wildtiere jedoch auch in Abwesenheit des Wolfes. Aber wegen eines Wolfes? Unsere heimischen Wildtiere kennen Wölfe schon seit Jahrtausenden und besitzen genügend Strategien zur Feindvermeidung die in einschlägiger Fachliteratur über Ökologie beschrieben und im Studium gelehrt werden.
    Im Gegenteil, große Beutegreifer wie der Wolf sorgen für gesunde starke Stücke (Stück = Wildtier Anm.d.Red.) im Bestand und höhere Fleischgewichte und das besonders seid ihrer Rückkehr in die Jagdreviere der Lausitz.?
    Was soll also ein solch mediales Ablenkmanöver bewirken? Hohe Leserzahlen? Klar wenns um den Wolf geht immer gerne. Oder um von der subventionierten EU-Agrarpolitik abzulenken die Futter für die Schwarzkittel geradezu wie im Schlaraffenland anbietet und manchen Jäger durch unkalkulierbaren Wildschaden zum Aufgeben zwingt??
    Diese Fragen kann ich Ihnen nicht beantworten…?
    Meint Ihr Grauer Wolf

  • 7
    5
    GrauerWolf
    04.01.2020

    Ein Rückfall in längst überwunden geglaubten Journalismus, hatte sich doch die Freie Presse auf die Fahne geschrieben sachlich über den Wolf zu berichten. Meinungen haben bekanntlich keinen Inhalt Frau Kölbel, in Sachen Wolf besonders wenn Ansprechpartner aus jagdlichen Kreisen oder aus dem Kreis der Weidetierhalter zitiert werden. In bekannter Art und Weise wird in diesem Artikel wildbiologischer Unsinn an die Leser der Freien Presse vermittelt. Und Ich glaubte auch die Tageszeitung „Freie Presse“ hat einen Bildungsauftrag...
    Meint ihr Grauer Wolf