Wütender Behörden-Hasser: Gewehr hinter Badezimmertür

Ein ungewöhnlicher Prozess im Landgericht Zwickau: Den 63-jährigen Vogtländer bewachen sechs statt zwei Justizbeamte. Aus Sicherheitsgründen verhängt das Gericht ein Fotoverbot. Der Angeklagte gilt als Reichsbürger.

Zwickau.

Sein Auftreten ist eine Provokation. Wenn er einen Gerichtssaal betritt, trägt er Gummistiefel und einen blauen Arbeitskittel. Die Aktenordner stecken in der Plastiktüte, sein Pflichtverteidiger sitzt drei Stühle weiter statt neben ihm. Seinem letzten Anwalt hatte er die Akten auf den Boden geworfen. 

Der 63-jährige Mann aus dem Vogtland hasst Behörden: "Ich habe so viele Hausverbote, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann!" Er bezeichnet die Bundesrepublik als Verbrecherstaat, beschimpft Staatsbedienstete und gilt deshalb in Behördenkreisen als Reichsbürger. Gestern betonte er allerdings, sich nie selbst zum Reichsbürger erklärt zu haben. Seit zehn Jahren beschäftigt er Gerichte in Deutschland. Am Landgericht Zwickau lief gestern das achte Verfahren gegen ihn. Gerichtssprecher Altfrid Luthe zufolge ist er der einzige Angeklagte, der ständig ausflippt: "Ich kenne keinen vergleichbaren Fall." 

In dem Berufungsprozess ging es um unerlaubten Waffenbesitz, Beleidigung und versuchte Körperverletzung, weil er mit der Faust auf eine Ärztin gezielt haben soll. Bei einer Hausdurchsuchung im Anwesen des Mannes hatten die Beamten 2016 ein geladenes Gewehr gefunden. Es stand hinter der Badezimmertür, die Ersatzmunition war mit Klebeband daran befestigt. "Das war eine Waffe mit Kriegsmunition aus dem Ersten Weltkrieg. Mit einer Kugel hätte man fünf hintereinander stehende Leute treffen können", sagte Staatsanwalt Martin Bierlein. In dem Haus  sowie in der Augsburger Zweitwohnung der Ehefrau fanden die Beamten außerdem fast 6000 Patronen. Das Paar war Mitglied in Schützenvereinen. Wegen seiner Aggressionen war dem Mann vor acht Jahren die Waffenbesitzkarte entzogen worden. Die Polizei hatte damals mehrere Pistolen und Gewehre beschlagnahmt. Nach Aussagen eines Beamten fehlt bis heute ein Revolver, der auf ihn registriert war. 

Vor dem Landgericht räumte der Angeklagte die Taten weitgehend ein. Ebenso die Beleidigungen gegen Justizbeamte. In einem Brief an das Landessozialgericht soll er Richter als "menschenähnliche Kreaturen" bezeichnet haben und als "richterliches Verbrecherkollegium". Bereits im Herbst hatte ihn das Landgericht zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte Wachmänner im Gericht verprügelt und dem Finanzamt in Plauen einen mit Kot beschmierten Brief geschickt. Die Haftstrafe ist seit Mai rechtskräftig, wurde aber noch nicht vollzogen. Zusammen mit dem gestrigen Urteil erwarten den 63-Jährigen nun zwei Jahre Haft. Zu erwarten ist jedoch, dass er diese nicht umgehend antreten muss. Bisher kämpft der Vogtländer gegen seine Verurteilungen oft bis in die letzte Instanz. Die wäre das Oberlandesgericht in Dresden. Erneut hat er gestern im Gericht provoziert. Die Schöffen betitelte er als Hampelmänner, Richter als Lumpen und Verbrecher. Immer wieder fielen Worte aus der Fäkalsprache. "Sie sind doch bloß eine Marionette", sagte er zu Richter Rupert Geußer. 

Der arbeitslose Mann bekommt seit vier Jahren keine Sozialleistungen und lebt vom Gehalt seiner Frau. Darüber schimpfte er gestern immer wieder. In einem Waffenschrank in der Augsburger Zweitwohnung fanden die Beamten rund 770.000 Euro. Das Geld gehöre seiner Ehefrau.

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