Der Wald ächzt: Hohe Verluste besonders bei Jungpflanzen

Hitze und Trockenheit machen den Beständen im Forstbezirk zu schaffen. Hohe Verluste drohen auch durch den Borken-käfer - das Insekt steht offenbar vor einer explosionsartigen Vermehrung.

Da ist nichts mehr zu machen. Der Reichenbacher Revierförster Joachim Gorski an einer von vielen abgestorbenen Douglasien in einem Waldstück zwischen Losa und Ruppertsgrün. Die Bäumchen dort waren im April alle kerngesund und fachgerecht in den Boden gekommen. Bei der seither herrschenden Trockenheit hatten etwa zwei Drittel des Neubestands keine Chance. Der Waldumbau in dem Waldstück kommt deshalb langsamer voran.
Eine Borkenkäferfalle vom Typ Trinet im Einsatz im Revier Reichenbach. Damit versuchen Waldbesitzer zu retten, was zu retten ist.

Für Sie berichtet: Gerd Möckel

Bestandsaufnahme in einem Waldstück, das zwischen Losa und Ruppertsgrün liegt: Bis vor ein paar Jahren standen dort Fichten, die nach einem Borkenkäferbefall gefällt wurden. Jetzt läuft auf der etwa einen Hektar großen Fläche der Waldumbau. Doch der kommt aufgrund von Hitze und Trockenheit ins Stocken. "Sehen Sie, die Bäumchen hier sind schon vertrocknet. Die dort noch nicht ganz, aber das ist nur eine Frage der Zeit", sagt der Reichenbacher Revierförster Joachim Gorski. 700 Douglasien sind in dem Privatwald im April gepflanzt worden, etwa zwei Drittel davon sind vertrocknet. Dieses Verhältnis lässt sich in etwa auf den gesamten Forstbezirk übertragen.

"Wir gehen jetzt schon von sehr hohen Ausfallraten unter den Jungpflanzen aus", sagt Bert Schmieder. Der Forstbezirksleiter spricht von einem außergewöhnlich trockenen und heißen Jahr, das nicht nur Eingeweihten die Dringlichkeit des Waldumbaus hin zu Mischkulturen etwa mit Eiche, Tanne und Buche vor Augen führe. "Man braucht sich nur die Klimamodelle anschauen. Selbst bei eher zurückhaltenden Annahmen wird deutlich, dass uns künftig solche Sommer eher vermehrt erwarten. Das bestimmende Merkmal in unserer Region wird der Wassermangel sein, der damit zum limitierenden Faktor wird", sagt der Amtsleiter. Begünstigt würde diese Entwicklung noch von der Tatsache, dass das Vogtland im Regenschatten etwa von Fichtelgebirge, Frankenwald und Thüringer Wald ohnehin weniger Wasser abbekommt. "Der Waldumbau hin zu Beständen mit widerstandsfähigeren Bäumen bei uns ist also alternativlos."

Die Tage der Fichte als bestimmender Baum scheinen gezählt. Dazu trägt ein Insekt bei, das großen Appetit vor allem auf die unter der Trockenheit besonders leidenden Nadelbäume hat. "Das ist blendendes Wetter für den Borkenkäfer. Wir hatten vielleicht 50 Jahre lang nicht eine solche Situation wie jetzt", sagt der Amtsleiter, während der Revierförster gar von einer "Populations-Explosion" spricht. Die Experten erwarten für dieses Jahr den Ausflug von drei Käfer-Generationen, üblich ist sonst eine Generation. "Doch wir hatten praktisch seit Ostern Sommer. Ich appelliere an alle Waldbesitzer, die Bestände zu kontrollieren und bei Bedarf einzugreifen, das Holz muss dann schnell aus dem Wald", sagt Joachim Gorski und zeigt im Waldstück bei Losa auf eine Gegenmaßnahme des Waldbesitzers: Auf die dort an bereits geschädigten Bäumen aufgestellte Falle fliegen die Borkenkäfer. Doch der Erfolg solcher Anlagen dürfte sich in Grenzen halten. Ein Käfer legt 60 Eier. Und in einem Baum sind Tausende Käfer unterwegs.

Doch nicht nur die Fichte ächzt. Auch die alten Laubbäume haben Stress. So beginnen bereits Buchen und Birken. Laub abzuwerfen. Auch freistehende Eichen haben keinen leichten Stand. Ihr Vorteil sind jedoch die tief gehenden Wurzeln. Viele einjährige Jungpflanzen dagegen hatten und haben keine Chance - und viele Waldbesitzer damit Verlust. Die im Waldumbau etwa für Douglasie oder Weißtanne zur Verfügung stehenden Fördergelder gibt es erst, wenn die Bäume eine gewisse Größe haben.

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