Er ist einer der Besten in Deutschland

Landwirt Enrico Wallenstein hilft, wo er kann. Dafür wurde der siebenfache Familienvater aus Röthenbach jetzt ausgezeichnet.

Röthenbach.

Meist ist es nur eine Sache von Sekunden. Ein unbedachter Augenblick, man tritt daneben. Oder man verfehlt die Stufe der Leiter und verknackst sich den Fuß. Wenn Landwirte einen Unfall haben oder krank werden, müssen die Kühe dennoch gemolken werden und die Ernte eingefahren. Wer soll das tun? Und wer bezahlt das?

Ein Anruf beim Maschinenring Vogtland kann in diesen Momenten Klarheit schaffen. Denn von dort werden sogenannte Betriebshelfer vermittelt - auf Kosten der Sozialversicherung Landwirtschaft, Forst und Gartenbau. Einer derer, die in der Not einspringen, ist Enrico Wallenstein aus dem Rodewischer Ortsteil Röthenbach. Der 44-Jährige wurde jetzt als einer der zehn besten deutschen Betriebshelfer in München ausgezeichnet.

Vorgeschlagen für den Preis hat ihn sein Chef Sebastian Ebert. "Erst geschah das heimlich, nur die Ehefrau wusste es, denn wir brauchten ein Foto für die Bewerbung", erzählt der Geschäftsführer des Maschinenrings Vogtland (MRV). Doch dann sei man wohl neugierig geworden und rief bei Wallenstein an. Nun habe der es wissen wollen. Der siebenfache Familienvater bewarb sich dann mit einem professionellen dreiminütigen Video.

Wallenstein, von Beruf Landwirt und Techniker, sagt von sich: "Meine Stärke ist meine Vielfältigkeit." Das stellt er regelmäßig unter Beweis - und zwar im gesamten Vogtland. Immer, wenn er sich an einen Betrieb gewöhnt habe, müsse er auch schon wieder zum nächsten. Auf 150 Einsätze in den vergangenen 15Jahren kann Wallenstein zurückblicken. Für ihn sei das eine Art Weiterbildung. Im Milchbauernhof melkt er die Kühe. Beim Kartoffelbauern holt er Knollen aus der Erde. Einmal sei er sogar Haushaltshilfe bei einer Bauernfamilie gewesen. Manchmal sei bereits der Weg zum Betrieb eine Herausforderung, sagt er schmunzelnd. Und fügt hinzu: "Leicht ist das alles nicht, aber abwechslungsreich."

Es entstanden Freundschaften, zum Beispiel zur ersten Familie, der er geholfen hat, aus Treuen. Mindestens 40 Stunden pro Woche war Wallenstein für sie auf den Beinen. In der Saison können aber auch gut und gern mal 56 Wochenstunden anfallen - an sieben Tagen, ohne frei zu haben. "Da braucht's Verständnis von beiden Seiten", weiß MRV-Chef Ebert. Aktuell geht Wallenstein einer Familie in Schönheide zur Hand. 14 Milchkühe warten früh und abends darauf, gemolken zu werden.

Neuerdings erschließt sich sein Maschinenring ein weiteres Aufgabenfeld. "Mitarbeiter unserer Tochter-GmbH, der MRV-Service, räumen seit dem vergangenen Jahr den Schnee des Leipziger Flughafens", erzählt Sebastian Ebert. Als die Grippewelle zuschlug, sei er selbst dabei gewesen: "Da ging 20 Meter neben uns ein Flieger runter, das war schon beeindruckend", schwärmt Ebert - Anfahrtszeit von zwei Stunden hin oder her. Außerdem leisten die Mitarbeiter Winterdienst vor zahlreichen Supermärkten im Vogtland.


Maschinenring Vogtland

250 Mitglieder hat der Maschinenring Vogtland (MRV). Um Hilfeleistungen zu bekommen, muss man nicht zwingend Mitglied sein, sagt Geschäftsführer Sebastian Ebert, Chef von 16 Mitarbeitern.

Bis ins Zwickauer Land, nach Thüringen oder ins Erzgebirge erstreckt sich der Aktionsradius des MRV. In Sachsen existieren sieben solcher Vereinigungen.

Eine Fläche von 27.000 Hektar bewirtschaften die Mitgliedsbetriebe. Geht man von einem durchschnittlichen Fußballfeld mit einem Hektar aus, das allerdings auch mal größer, meist sogar kleiner ausfallen kann, würden mindestens ebensoviele davon in die Fläche passen.

Vom Melken über die Stoppelbearbeitung auf dem Feld oder Hausmeisterarbeiten - die Aufgaben sind vielfältig. (sasch) www.maschinenring.de

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