2000 Kilometer allein zu Fuß: Gedächtnislauf führt ins Vogtland

Heute und Morgen macht der Franzose Laurent Guillet Station in Irfersgrün und Lengenfeld. Er folgt der Spur seines Großonkels, des im Zweiten Weltkrieg verschleppten Kriegsgefangenen Joseph Santerre.

Lengenfeld/Irfersgrün.

Einen besonderen Wandersmann begrüßt Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) heute und morgen: Laurent Guillet aus der französischen Bretagne macht auf einem 2000-Kilometer-Fußmarsch Station in Irfersgrün und Lengenfeld. Es ist ein Gedächtnislauf. Er folgt dem Weg seines Großonkels Joseph Santerre, der als Kriegsgefangener diese Strecke zurückgelegt hat und schließlich im tschechischen Most starb.

Der Schriftsteller Guillet hat diesen Teil des Lebens seines Verwandten recherchiert und damit viel Aufmerksamkeit in den letzten Jahren erlangt. "Die längste historische Schnitzeljagd der Welt" heißt eines der Projekte Guillets, an dem sich viele Menschen beteiligt haben. Sogar Freundschaften in Frankreich, Deutschland und Tschechien sind entstanden. Jeder, der das möchte, kann die ganze oder Teile der Strecke absolvieren, motorisiert oder zu Fuß.

Vorläufer der Historischen Schnitzeljagd war das Buch "Er hieß Joseph". Es ist auch mit Unterstützung von Irfersgrüner Einwohnern entstanden, der Schriftsteller stellte es 2011 in Irfersgrün vor. Bei dem folgenden Projekt "Rendezvous eines literarischen Weges" aus dem Jahr 2012 machten sich 40 Franzosen, die das Buch gelesen hatten, mit dem Bus auf Spurensuche und bereisten acht bekannte Stationen des verschleppten Franzosen: Trévelo in der Bretagne war Ausgangspunkt, es folgen Sarrebourg (Frankreich), Bad Liebenwerda, Mühlberg an der Elbe (beide Brandenburg), Hartmannsdorf in Sachsen, Plauen und Lengenfeld im Vogtland, Litvínov und Most in der Tschechischen Republik.

Laurent Guillet, der in allen Orten Werbung für sein Projekt gemacht, mit den örtlichen Akteuren acht Gedenktafeln in vier Sprachen aufgestellt und Bäume gepflanzt hat, will in diesem Jahr die gesamte Strecke allein laufen. In allen acht Orten trifft er mit den jeweiligen Bürgermeistern zusammen. Gestartet ist Laurent Guillet am 26. Mai am Geburtshaus seines Großonkels in Trévelo. Heute, am 76. Tag seiner Reise, will er in Irfersgrün ankommen und am dortigen Friedensbaum eine Kerze anzünden. "Am Freitag hole ich im Rathaus meinen Stempel", hat der Schriftsteller in einem Brief an Bürgermeister Volker Bachmann angekündigt. Dieser möchte dem Ereignis gern einen würdigen Rahmen verleihen und lädt für Freitag, 9 Uhr auf den Marktplatz ein. "Es wäre schön, wenn einige Lengenfelder mit dabei sind", sagt der Stadtchef. Der Reisende erhält dann seinen Stempel ins Reisebuch und darf sich seinerseits ins Buch der Stadt eintragen. Danach setzt er seinen Weg fort, Richtung Plauen. "Vielleicht können auch ein paar Lengenfelder den Wanderer ein kleines Stück seines Weges begleiten", regt Volker Bachmann an.

Zur historischen Schnitzeljagd gibt es auch ein kleines Begleitbuch. Darin schreibt Laurent Guillet, dass mit dem völkerverbindenden Projekt aller Zivil- und Militäropfer aller Nationalitäten gedacht werden soll. Wer in allen acht Städten seinen Stempel im Rathaus abgeholt hat, kann die gestempelten Seiten des Begleitbuches, das gleichzeitig auch Reisebuch ist, an Laurent Guillet schicken und bekommt im Gegenzug eine Urkunde ausgestellt.

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