Zehn Begriffe aus früherer Zeit, die heute fast vergessen sind

Auflösung Fotorätsel 1295: Die Sprache geht mit der Zeit. Neue Wörter kommen hinzu, andere verschwinden oder geraten in Vergessenheit.

Plauen.

Umfangreiche Post bekam die Redaktion zum Rätsel der vergangenen Woche, das auf einer historischen Ansichtskarte zehn Begriffe aufgelistet hatte, die heute nicht mehr gängig sind. Wir hatten nach den Erklärungen gefragt.

Holzmachen hieß es umgangssprachlich, wenn Holz zum Heizen aus dem Wald geholt und durch Sägen und Hacken und Schleißen klein gemacht wurde. Nach dem Krieg wurden dafür sehr beschwerlich auch die Wurzelstöcke gerodet - manchmal auch mithilfe einer so genannten Autowinde.

Bahnsteigkarten gab es bei der Deutschen Reichsbahn schon seit den 1960er-Jahren nicht mehr, in München mussten sie noch bis zum Sommer 2019 gelöst werden. Die Bahnsteigkarte konnte man für 10 oder 20 Pfennige kaufen, denn nur mit ihr durfte man durch eine Sperre, an der sie von einem Beamten gelocht wurde. Erst dann konnte man zu den Bahnsteigen, um Leute vom Zug abzuholen oder zu verabschieden. Als Fahrkarte galt sie nicht.

Spielschulen wurden die Einrichtungen genannt, in denen Vorschulkinder betreut und auf die Schule vorbereitet wurden. Kindergärten erfüllen heute diese Aufgabe nach modernen pädagogischen Prinzipien.

Essentragen war üblich, als es in den Fabriken keine eigene Versorgung zu den Mahlzeiten gab. Die Mütter, Ehefrauen oder Kinder brachten den Männern das warme Mittagessen von zu Hause in die Werkstätten, zu den Baustellen oder aufs Feld. Meine Großmutter schickte ihre Hündin Lotte mit einem kleinen Korb im Maul zu ihrem Sohn, der als Former an der Hans-Sachs-Straße gearbeitet hatte.

Waschfest habe ich nicht als ein Fest in Erinnerung, im Gegenteil, Mutter war immer sehr nervös dabei. An diesem Tag gab es auch nur magere Kost. Man nannte es Waschfest, wenn die Frauen "große" Wäsche im Waschhaus hatten. Waschhäuser gab es zentral für mehrere Häuser, meist aber war es ein separater Raum im Keller des Hauses mit einem großen Kessel, in dem die Wäsche gekocht wurde. Zum Waschfest gehörten neben mehreren Wannen, Kernseife, ein Waschbrett, die Wringmaschine (das Drehen der Kurbel war meine Aufgabe), das Trocknen auf der Leine, oft auch noch das Bleichen auf dem Rasen und das Mangeln zum Glätten der gewaschenen Stücke.

Vogelschießen war das Volksfest, heute auch Rummel genannt. Der Brauch kommt aus dem Mittelalter, es waren Schießübungen zur Verteidigung der Stadt. Die Schützenvereine ermittelten später zu diesem Fest ihren besten Schützen, Ziel war ein künstlicher Vogel.

Die Elektrische ist die Straßenbahn, die im Gegensatz zu den früheren Pferdebahnen elektrischen Strom zum Antrieb benutzt.

Odelautos holten aus den Jauchegruben im Hof der Häuser die Fäkalien ab. Durch starke Gummirohre wurden die Exkremente von der Grube über den Hausflur ins Odel-Auto gesaugt. Das war immer eine anrüchige Sache.

Schuster und Schuhmacher sind zu unterscheiden. Der eine macht Schuhe, der andere repariert sie und wurde auch Flickschuster genannt. Ehrbar sind beide Tätigkeiten.

Flaschner war ein früherer Ausdruck für Klempner. In manchen Gegenden des Vogtlandes wird Flaschner als Berufsbezeichnung auch heute verwendet. Die verstorbene Zuckermännlbäckerin Hedwig Ungethüm aus Werda betonte immer, dass ein Flaschner ihre Formen fürs Gebäck hergestellt hat.

Gewonnen hat Andreas Zeitler aus Plauen. Er erhält ein Buch aus der erfolgreichen "Freie Presse"-Serie "Onkel Max". Das nächste Fotorätsel erscheint in der morgigen Samstagsausgabe.

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