Zentrale Textilausbildung Ost: Plauen hofft auf ein Technikum

250 Auszubildende und ein Verband setzen aufs Vogtland. Ein Kompetenz- zentrum böte auch für die Berufsakademie Chancen.

Plauen.

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit entwickelt sich Plauen zu einem der wichtigsten deutschen Standorte für die Ausbildung in den Textil-Berufen. Seit der Verband der ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (VTI) 2015 ein "Kompetenzzentrum für Aus- und Weiterbildung" als Ziel ausgegeben hatte, findet ein Gärprozess in der ostdeutschen Textilbranche statt. Nicht überall findet die Idee einer Konzentration im Vogtland ungeteilte Zustimmung, die Richtung ist indes klar.

Nun spielt in den Überlegungen auch die Berufsakademie (BA) eine Rolle, die mit dem Umzug in ihr neues Domizil zurzeit große Aufmerksamkeit genießt und ihre Fähigkeit nachgewiesen hat, neue Studiengänge erfolgreich zu entwickeln. Andreas Reinhardt, Vorsitzender des Branchenverbandes Plauener Spitze, sprach in der jüngsten Sitzung des städtischen Wirtschaftsförderungsausschusses von "Überlegungen", eine übergreifende Textilausbildung zu etablieren. Eines der "erfolgreichen Mix-Angebote", wie sie die BA mit ihrem dualen Ansatz bieten kann. Der Branchenverband sei weder zuständig, noch dazu in der Lage: Seine Aufgabe ist zuerst der Markenschutz der Plauener Spitze.


Zuständig ist der ostdeutsche Textil-Verband, der die Ausbildung im Sinne seiner Mitgliedsfirmen strukturieren muss. Von Anfang an eingebunden ist Peter Werkstätter, der langjährige VTI-Geschäftsführer. Er ist zwar seit Kurzem Ruheständler, bleibt aber als VTI-Ehrenvorstand am Ball. "Es gibt eine Lücke", sagt Werkstätter, "das sind Vertriebsingenieure mit textilem Hintergrund." In der Wirtschaft bestehe ausgeprägter Bedarf für diese Qualifikation. Die BA sei dafür denkbar. Bislang werde darüber diskutiert, entschieden sei indes noch nichts.

Der Verband steht zu seinem Ziel, die Ausbildung der Textilberufe für ganz Ostdeutschland in Plauen zu bündeln. Für das geplante Technikum am Beruflichen Schulzentrum e.o.plauen (BSZ) sei einiges in Bewegung gekommen. Auf dem Weg zum Kompetenzzentrum in Plauen "gibt es eine wohltuende Unterstützung durch das Landratsamt", betont Werkstätter.

Was bereits erreicht wurde, zeigt ein Blick auf die Liste der 300 Ausbildungsberufe in Deutschland. Rund 250 junge Leute werden zurzeit in Plauen in Textilberufen ausgebildet, inzwischen nicht nur aus Ostdeutschland. "Bis auf wenige Standorte im Osten ist fast alles in Plauen konzentriert", sagt Klaus-Peter Palme, Schulleiter im BSZ e.o.plauen. Das angestrebte Technikum soll die Kette der textilen Verfahren beinhalten. Die Attraktivität ließe sich so erhöhen. Die Industrie warte auf gut ausgebildeten Berufsnachwuchs.

Doch was beinhaltet eigentlich das viel zitierte Kompetenzzentrum? Palme spricht von einem Cluster in Südwestsachsen, einer Bündelung: Master-Ausbildung an der TU Chemnitz, Bachelor-Studium an der Westsächsischen Hochschule in Reichenbach und bald in Zwickau, Meisterausbildung der IHK. Das BSZ steuert die Fachschul- und acht Berufsausbildungen bei. Auch die Fördergesellschaft ist samt Lehrhotel mit im Boot. Und die BA? Für den BSZ-Chef gut vorstellbar, dass auch sie im Spektrum einen Platz findet.

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