Zirkus lockt mit Tierdressuren

Ob bei Exoten oder Haustieren - im Circus Probst wird großer Wert auf Tierhaltung gelegt. Diese ist jedoch nicht unumstritten.

Plauen.

Emus springen über Kamele, Tiger machen Kunststücke und Pferde zeigen ihr ganzes Können in der Manege - der Circus Probst ist seit seiner Gründung bekannt für seine Tierdressuren. Stefanie Probst zum Beispiel behandelt ihre Pferde wie Familienmitglieder.

Schon mit sechs Jahren präsentierte sie ihre erste Tierdressur in der Manege des Familienzirkus und entwickelte ihre Kunst stetig weiter. 26Pferde und Ponys hat sie mittlerweile in ihrer Obhut. "Die Pferde sind 24 Stunden am Tag mit mir zusammen", sagt die 29-Jährige. Ihren Wohnwagen hat sie gleich an den Tiergehegen, sodass ihre Schützlinge immer in Reichweite sind. Geerbt hat sie die Tierliebe von ihrer Mutter Brigitte Probst. Die tourt schon seit 35 Jahren mit dem Zirkus erst durch Westdeutschland und seit einigen Jahren durch die gesamte Bundesrepublik.

"Gute Pflegebedingungen für die Tiere sind eine Sache, die uns schon seit Jahrzehnten am Herzen liegt", sagt sie. Probst trat einst selbst mit einigen Pferdedressuren auf, wie sie erzählt, hatte der Zirkus dort sogar eine Vorbildfunktion. "Wir hielten unsere Tiere schon in Einzelboxen, als andere sie noch im Zelt anleinten", erzählt sie. Heute nutzt der Zirkus variable Gitter, um die Freiflächen der Tiere auf die jeweiligen Plätze anzupassen. Beschäftigung, Pflege und Auslauf gibt es reichlich.

Auch im Revier der Raubkatzen findet sich alles, was das Tierschutzgesetz vorschreibt: Rückzugsorte, ein Außenbereich, Spielmöglichkeiten und sogar kleine Wasserbecken, die nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Baden einladen. Die Raubtierdressur von Tom Dieck begleitet den Zirkus nur in der aktuellen Spielzeit. Zum festen Bestand des Zirkus Probst gehören nur Pferde, Kamele, Dromedare, Zebras, diverse exotische Rinder, Ziegen, Emus, Lamas und das Zebruit Jambo. Es entstand aus einer Liaison zwischen einer Zebradame und einem Pony. Verzeichnet sind sämtliche Tiere in einem großen Aktenordner.

"Der Ordner ist unsere Visitenkarte", sagt Brigitte Probst. Vermerkt ist dort die Geburt, die Herkunft und auch der Verbleib eines jeden Tieres sowie Gutachten von Amtsärzten, die jede Station des Zirkus überprüfen. Alles ist auf Bedarf vorzeigbar. Die Stippvisite des Plauener Amtstierarztes steht noch aus.

Heute zeigt der Circus Probst um 16 Uhr auf dem Plauener Festspielplatz eine Galapremiere seines aktuellen Programms.

www.circus-probst.de


 

PRO: Tierdressur und artgerechte Haltung müssen sich im Zirkus nicht ausschließen, wenn man die natürlichen Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt, sagt Gunter Niehus

Jetzt mal ehrlich: Warum wollen Kinder in den Zirkus gehen? Wegen der Hochseilartisten? Der Tellerdreher? Der Kunstradfahrer? Nein, sie wollen Tiere sehen. Ok, vielleicht auch noch den Clown. Aber Tiere sind nun einmal der große Publikumsmagnet. Nimmt man diese den Zirkussen weg, beraubt man sie damit womöglich ihrer Existenzgrundlage.

Das wird Tierschützer natürlich wenig beeindrucken. Sie argumentieren, dass Gewinnstreben ja wohl kaum eine Rechtfertigung für Tierquälerei sein kann. Aber ist jeder Vierbeiner, der in der Manege auftritt, ganz zwangläufig eine gequälte Kreatur? Ein guter Dompteur nutzt die angeborenen Instinkte der Tiere, um ihnen Tricks beizubringen. Pferde haben einen enormen Bewegungsdrang. Ob die Reiter auf ihnen sitzen oder statt dessen stehend jonglieren, ist ihnen vermutlich herzlich egal. Und ob Hunde Schlitten ziehen, Schafe hüten oder Kunststücke vollbringen, ist ebenfalls zweitrangig. Bei Großkatzen, die ihr Leben auf wenigen Quadratmetern fristen müssen, mag das anders aussehen. Augenmaß ist gefragt.

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