Zu Fuß durchs einstige Bergwerk

Im Vogtland existieren spannende Orte, über die in Führungen Bemerkenswertes erzählt wird - die "Freie Presse" nimmt ihre Leser mit auf Entdeckungstour. Heute: eine Führung durch die Tropfsteingrotte Alaunwerk Mühlwand.

Mühlwand.

Im Sommer ist es angenehm kühl, im Winter kann es sogar warm sein. Die Temperatur im Alaunwerk Mühlwand ist jedoch immer gleich. Sie liegt von Januar bis Dezember bei 8 Grad Celsius. Das ganze Jahr über führen Werner Albert und Bruno Jakusch die Besucher durch die Tropfsteingrotte, die knapp 130 Jahre lang ein Alaunbergwerk war.

Seit Oktober 2017 können sie das wieder tun. Zuvor mussten sie eine Zwangspause einlegen. Nach dem Hochwasser im Juni des Jahres 2013 hing die Existenz der touristischen Einrichtung unter Tage am sprichwörtlich seidenen Faden. Doch das Bergbauamt, das Land Sachsen und nicht zuletzt die Reichenbacher Stadträte setzten sich moralisch und finanziell für den Fortbestand des vom Verein Tropfsteingrotte Alaunbergwerk Mühlwand-Reichenbach betriebenen Kleinods ein. Das erfahren die Besucher schon vor dem Betreten des einst als "Chur-Fürstliches und Königliches Sächsisches Alaunwerk an der Göltzsch bey Reichenbach" bezeichneten Stollengeflechtes. Der Name des einstigen Unternehmens steht auch auf dem neuen Flyer, den der Verein kürzlich herausgebracht hat. Und dann fährt man auch schon ein ins Bergwerk, wie Bergmann Bruno Jakusch erklärt, obwohl das bergmännische Einfahren ausschließlich aus der Fortbewegung zu Fuß über rund 500 Meter in einer Tiefe bis zu 18 Metern besteht.

Was hat es denn nun mit dem Alaunschiefer auf sich, der dort einst gefördert wurde? Bruno Jakusch zählt die Verwendungen für das Material auf: In der Medizin wird Alaun zum Blutstillen benutzt. Unsere Väter und Großväter hatten beispielsweise kleine Stifte, mit denen man die Schnittwunden nach der Nassrasur behandelte. Außerdem verwendet die Textilindustrie das Pulver zum Färben, und die Gerber brauchen es zum Haltbarmachen von Fellen.

Um das Alaun zu gewinnen, musste der Alaunschiefer aus dem Bergwerk befördert werden. Dann wurde das Rohmaterial auf Holz gebrannt, also geröstet. Anschließend folgte ein Prozess, bei dem die Holzasche mit Lauge vermengt und in der Alaunsiederei weiterverarbeitet wurde. Die Reste der Röstbühne sind im Gelände vor dem Eingang zum Bergwerk heute noch zu sehen.

Nicht mehr viel übrig ist hingegen von der Anlage aus Dampf-Lokomobil und Gesteinsmühle, die den ausgebrannten Alaunschiefer zu Sand verarbeitete. Der Sand fand sogar beim Bau der Göltzschtalbrücke Verwendung. Nach Entdeckung der chemischen Herstellung von Alaun wurde der Bergbau im Jahr 1825 eingestellt.

In der Tropfsteingrotte sind die Gänge zu sehen, in denen sich die Bergleute mit Eisen, Schaufeln und Karren vorarbeiteten. Deutlich moderner, nämlich erst aus der Zeit der Sanierung des beim Hochwasser 2013 mit Schlamm überfluteten Stollens, sind die Stützelemente aus Metall, die an Stelle der Holzstempel eingesetzt wurden.

Die Tropfsteine im Bergwerk wachsen drei Zentimeter in zehn Jahren, weiß Bruno Jakusch. Sein Lieblingsplatz unter Tage ist jedoch die Talsperre, die er selbst angelegt hat, zwischen vier und fünf Meter lang und 1,20 Meter tief. Mit dem angestauten Wasser hat er ein Projekt verwirklicht, das vor über 50 Jahren ganz Mühlwand unter Wasser setzen sollte. Es wurde anders als die Miniaturausgabe nie gebaut.


Führung durch das Alaunwerk

Wann? Führungen finden samstags, sonntags und an Feiertagen von

13 bis 16 Uhr statt, Gruppenführungen außerhalb der Öffnungszeiten auf Voranmeldung.

Wie? Kontakt und Buchungen für Führungen oder die Buchung der Mettenschichten unter Telefon 03765 521898 oder 0162 1774538, per E-Mail unter info@alaunwerk.de.

Anschrift: Tropfsteingrotte, Alaunwerk Mühlwand, Alaunwerk 6, Reichenbach.www.alaunwerk.de

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