Zuspruch für Kasim: "Beispiel für Integration"

Die Nachricht, dass dem Rettungsschwimmer die Abschiebung droht, schlägt Wellen. Ein früherer Arbeitgeber macht sich für ihn stark.

Plauen.

Eine Nachricht aus Plauen hat in Hainichen (Mittelsachsen) eingeschlagen: Kasim Atris, der im Plauener Freibad Haselbrunn im dritten Sommer beschäftigt ist, soll abgeschoben werden. Der 25-jährige Libanese war zuvor in Hainichen tätig und ist dort den Badegästen noch in guter Erinnerung, ebenso den Mitarbeitern im Bad und in der Verwaltung.

Atris arbeitet 40 Stunden pro Woche, bezieht keine Sozialleistungen und hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Ein Glücksfall, sagt Ronny Adler, sein Chef in Plauen. Der junge Mann spricht Deutsch und Arabisch, kann zwischen ausländischen und hiesigen Badegästen vermitteln. Er gibt Schwimmkurse für Asylbewerber und ist Bindeglied zu ihnen. Doch sein Asylantrag ist abgelehnt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat eine Abschiebe-Androhung erlassen, die jederzeit vollzogen werden kann.

Seit knapp vier Jahren lebt Kasim in Deutschland. Er kam 2015 über die Türkei, besuchte eine Cousine und blieb, zunächst in Hainichen. Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) bestätigt das. Er hatte sich dafür stark gemacht, dass der Libanese eine Anstellung findet: "Die Nachricht, dass er Deutschland verlassen soll, hat mich geschockt", sagt Greysinger. "Es werden die falschen Leute abgeschoben. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln." Greysinger weiß, wie sehr Rettungsschwimmer gefragt sind: "Jahr für Jahr versuchen andere Kommunen, unsere Leute abzuwerben." Im Freibad Hainichen absolvierte der Libanese zunächst ein Praktikum, unterstützte die Schwimmmeister unentgeltlich bei ihrer Arbeit. "Wir sind gute Freunde geworden", sagt Schwimmmeister Ronny Müller. Sein Kollege Rick Seifert stimmt zu: "Er war definitiv in Deutschland angekommen, ein Paradebeispiel für gute Integration."

Dass nun dem Mann die Abschiebung droht, ist für Greysinger unverständlich. Zumal er auch Problemfälle kennt. Den Fall Atris bearbeitet eine Rechtsanwältin für Asylrecht. Um doch noch bleiben zu können, braucht Kasim zunächst vor allem einen Pass.

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