Zwei Orchester machen die Schlossinsel zum Probenraum

In Coronazeiten übt die Röthenbacher Blaskapelle in einer Buswendeschleife. Am Freitag holte sie sich Musikanten aus Straßberg für eine Probe in Rodewisch zur Seite.

Rodewisch.

Momentan geht es auf der Rodewischer Schlossinsel ruhig zu - gezwungenermaßen. Am Freitagabend erlebte die Freilichtbühne eine Auszeit von der Veranstaltungspause. Zwar dürfen richtige Veranstaltungen dort nach wie vor nicht stattfinden, für eine zweistündige gemeinsame Probe der Röthenbacher Blaskapelle und Straßberger Musikanten gab es trotzdem grünes Licht. Und sogar etwas Publikum obendrauf.

Öffentliches Einstudieren sind die Röthenbacher Bläser längst gewohnt. "Seit sechs Wochen proben wir bei uns im Ort auf der Buswendeschleife", erzählte Kapellenchef Torsten Schlottke. Das eigentlich für solche Zwecke vorgesehene Bürgerhaus lässt Corona-Abstandsregeln räumlich nicht zu. In Rodewisch hatte es schon im vergangenen Jahr an gleicher Stelle eine Art öffentliche Probe gegeben. Die nennt das Ensemble "Vogtland Player". Ziel ist es, Menschen mit Instrumenten und Freude am Musizieren spontan einzureihen. Die Premiere fand den erhofften Zuspruch: Auf Anhieb saßen und standen 25 Frauen und Männer auf der Bühne. "Mit so viel Leuten habe ich gar nicht gerechnet", sagte Torsten Schlottke.

2020 musste "Vogtland Player" ausfallen. Zumindest bis jetzt. Schlottke ließ am Freitag offen, ob es doch noch dazu kommen könnte. Schließlich blieb voriges Jahr ein Gastmitspieler bei den Röthenbachern hängen. "Wir konnten einen Trompeter akquirieren", freute sich Schlottke. Damit ist das 1896 gegründete kleine Orchester auf 17 Bläser angewachsen - inklusive zwei 18-Jährige, die sich jüngst aufnehmen ließen.

Vier Monate liegt das letzte Konzert zurück. Ihren nächsten Auftritt haben die Röthenbacher Anfang September auf der Schlossinsel. Ob das Bläsertreffen stattfinden wird, steht allerdings noch nicht hundertprozentig fest. Ende September wollen sie noch in Tannenbergsthal spielen. 20 Termine standen eigentlich an. "Die Corona-Zeit war schon sehr ernüchternd", sagte Schlottke. Geprobt wurde freilich weiter. Aber nicht im Ganzen. Eine Kleingruppe bildeten die tatsächlich aus Röthenbach stammenden Musiker. Fünf sind es aktuell. Der große Rest kommt aus anderen Vogtland-Ecken und Zwickau.

Zu den Straßbergern haben die Röthenbacher einen guten Draht. Man hilft sich gegenseitig mit Personal aus. Rainer Jehn fährt sogar zweigleisig: Er spielt bei den Röthenbachern und leitet das Straßberger Ensemble. Ihr Ausweich-Quartier ist eine Werkstatt. "Normalerweise treffen wir uns in einer Gartenlaube mit Bungalow", erzählte er. Die gehört einem der neun Blasmusiker. "Dieses Jahr hatten wir bis jetzt noch nicht einen Auftritt", so Jehn zur Lage. "Es werden auch höchstens ein oder zwei werden. Zum Glück ernähren wir uns nicht davon."

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