1,0-Absolventin: Abitur, das ist wie ein Marathon

Lilly Teich beginnt ein Medizin-Studium. Das wusste die Schülerin des Goethe-Gymnasiums Reichenbach schon in der Grundschule.

Reichenbach.

Wenn die Abiturienten des Goethe-Gymnasiums am heutigen Samstag ihre Abschlusszeugnisse erhalten, wird Lilly Teich einen Teil der Schülerrede halten. Die 18-Jährige aus Reuth hat ihr Abitur mit 880 Punkten und damit der Traumnote 1,0 abgelegt.

Lilly Teichs Schulweg begann in der Neumarker Grundschule. Schon damals wusste sie, dass sie Medizin studieren will und der Weg zum Studium über das Gymnasium führt. "Manchmal kann man nicht sagen, warum man etwas will. Aber macht einfach alles dafür, um es zu erreichen", sagt sie. Warum sie diese Fachrichtung einschlagen will? "Den menschlichen Körper verstehen und Menschen helfen, das ist das Richtige für mich. Vor allem das Hirn fasziniert mich, denn keiner versteht so richtig, wie so ein winziges Organ alles hinbekommt." Die Hirnforschung oder die Neurochirurgie interessieren sie besonders.

Die Sache mit Corona hatte für Lilly positive Aspekte. "Ich fand es angenehm, denn zuhause hatte ich viel Zeit zum Lernen. Da ich vom Dorf komme, habe ich sonst locker jeden Tag zwei Stunden in den Sand gesetzt. Das fiel weg", sagte sie. Ihre Lehrer hatten zudem dafür gesorgt, dass vor der Schulschließung so gut wie alle Noten feststanden. "Wenn nicht alle mitgezogen hätten, hätte es nicht funktioniert", ist sich Lilly sicher. Die Lehrer haben die Schüler immer wieder angetrieben, allen voran Tutor Volkmar Klemm.

In der zwölften Klasse sei ihr bewusst geworden, wie sich Kreise um all die vielen einzelnen Lerninhalte schließen. "Wir haben uns gefühlt auf etwas vorbereitet, das sehr anders war. Trotzdem denke ich, dass die Prüfungen machbar waren", so die Absolventin. Ihren Lehrern würde sie auf alle Fälle gute Noten ausstellen, und der Schule auch. Neben dem Lernen hatte Lilly noch Zeit, um zwölf Jahre lang Klavierunterricht bei Stefan Freund zu nehmen. Das Tanzen gab sie auf, als die Unterrichtstage länger wurden.

Wenn Lilly auf ihre Schulzeit zurückblickt, fällt ihr zuallererst das Wort "lustig" ein. Sie ist neugierig und vor allem an Naturwissenschaften interessiert. Ihre Lieblingsfächer waren Biologie, Chemie und Latein. Sport hat ihr weniger zugesagt, allerdings wäre sie für Schwimmstunden im Sportunterricht. Überhaupt hat die Reutherin für den sächsischen Lehrplan Ideen. "Ein paar Interpretationen weniger in Deutsch, dafür ein paar praktische Dinge wie Steuererklärung oder Vorsorge. Auch andere Inhalte könne man überprüfen. "Denn manche Dinge ändern sich heute schnell."

Und was gibt Lilly den künftigen Abiturienten mit auf den Weg? "Abitur ist wie Marathon, ein Langzeitkampf. Man muss 100 Prozent geben und darf sich nicht entmutigen lassen, auch wenn einmal etwas nicht so gut gelaufen ist. Das Endergebnis zählt und nicht die einzelnen Schritte zwischendurch."

Jetzt will Lilly erst einmal Urlaub und ihren Tauchschein machen, bevor sie im August/September ein medizinisches Praktikum absolviert. Dann ist hoffentlich der Zulassungsbescheid eingetroffen, die Suche nach einer Unterkunft kann beginnen. Ihr Bruder studiert ebenfalls Medizin und ist ihr schon ein paar Semester voraus.

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