49,99 Millionen: Landrat legt Rechnung für Behördenbau vor

Offiziell liegen die Kosten fürs neue Landratsamt um 30 Prozent über dem Plan. Anders gerechnet, sind es sogar 62 Prozent.

Plauen.

Die 50-Millionen-Euro-Grenze ist beim Neubau des Landratsamtes im ehemaligen Plauener Horten-Kaufhaus nicht überschritten worden. Das zumindest geht aus einer Pressemitteilung hervor, die Landrat Rolf Keil (CDU) jetzt herausgegeben hat. In dem vierseitigen Papier gibt die Kreisbehörde die "Schlusskosten" mit 46,64 Millionen Euro an. Hinzu kommen 3,35 Millionen Euro für das Parkhaus, das der Vogtlandkreis als Bestandteil des Gesamtvorhabens errichten lassen musste. Unterm Strich betragen die Kosten offiziell 49.996.558 Euro.

Wie sind diese Zahlen einzuordnen? Und sind darin wirklich alle Kosten für das Vorhaben enthalten? Aus Reihen der Kreisräte wurden bereits Zweifel angemeldet, ob die angegebenen Zahlen stimmen. Statt den seit langem geforderten Abschlussbericht der Öffentlichkeit in einem Rahmen zu präsentieren, der die Beantwortung von Fragen ermöglicht hätte, wählte Landrat Keil einen anderen Weg. Jene Pressemitteilung wurde den Mitgliedern des Bau- und Vergabeausschusses zur Sitzung am Montagabend ausgereicht und im nichtöffentlichen Teil diskutiert - mit einer erklärenden Anlage, für welche Gewerke wie viel ausgegeben wurde. An die Medien ging das Papier ebenfalls, allerdings ohne die Anlage.

Insgesamt findet die Kreisspitze viel Lob für das Geschaffene. Von 60 Baulosen seien 36 an hiesige Firmen vergeben worden. Von 37 Millionen Euro reinen Bauleistungen seien 29 Millionen an vogtländische Unternehmen gegangen. Statt geplanter 546 Arbeitsplätze seien tatsächlich 600 geschaffen worden. Damit habe der Kreis 77.745 Euro je Arbeitsplatz investiert. Für Vergleichsobjekte im Jahr 2014 seien 46.000 bis 164.000 Euro ausgegeben worden, damit lägen die Baukosten "im unteren Drittel vergleichbarer Neubauprojekte", heißt es im Fazit der Erklärung. Nähere Angaben zu den herangezogenen Vergleichsprojekten fehlen.

Die Mehrkosten gibt der Landrat mit 10,88 Millionen an, das entspräche 30 Prozent. Wenige Zeilen weiter unten sind die Mehrkosten um 187.000 Euro gesunken, ohne diese Differenz zu erklären. "Die vermeintliche Kostenerhöhung hatte ihren Ursachen sicher auch in der Vielzahl der Störungen während das Bauablaufs", heißt es in der Erklärung. Bei der alten Bausubstanz "muss man von derartigen Problemen ausgehen". Als das Projekt 2009 durch die Entscheidungsgremien lief, waren derlei Bedenken indes noch als Schwarzmalerei abgetan worden. Ohne den Namen auszusprechen, schiebt Landrat Keil den Schwarzen Peter seinem Amtsvorgänger Tassilo Lenk zu: "Der Hauptgrund für die Differenz von 10,7 Millionen Euro zu den ursprünglich geplanten Kosten liegt eindeutig bei unrealistischen Kostenansätzen und Kostenwünschen."

Tatsächlich hatte der damalige Landrat einen Neubau für 28 Millionen Euro versprochen. Inklusive eines zehnprozentigen Zuschlags, bei großen Bauprojekten üblich, entspräche dies einer Summe von 30,8 Millionen Euro. Nimmt man jene Summe als Bezugsgröße, wäre dies ein Kostenanstieg um 62 Prozent.

Noch nicht berücksichtigt ist ein Posten von 700.000 Euro. Der wurde laut Pressemitteilung "ausgegliedert und war somit nicht mehr Bestandteil des Kostenbudgets Horten". Eine Anfrage ans Landratsamt, ob auch dieses Geld in den Neubau floss, soll heute beantwortet werden.


Kommentar: WahlhelferRolf Keil

Sauber hinbekommen. Landrat Rolf Keil legt Schlusskosten von 49,99 Millionen Euro fürs neue Landratsamt vor und bleibt unter der 50-Millionen-Grenze. Doch nicht nur dieses haarscharfe Vorbeischrammen an der bösen Zahl lässt zweifeln. Unterm Strich bleibt ein Gebäudekomplex, der weiterhin polarisieren wird. Städtebaulich ein Gewinn für Plauen, der Kreis hat eine moderne Behörde.

Wäre da nicht Keils fortwährendes Herumeiern. Nein, zu verantworten hat er den kostspieligen Neubau nicht, sondern sein Amtsvorgänger Lenk und die gutgläubige (CDU/SPD)-Kreistagsmehrheit. Aber statt reinen Tisch zu machen und den Menschen offen Rede und Antwort zu stehen, reicht er verschämt eine Erklärung heraus, die Fragen offen lässt. Chance vertan. Und Extremisten reiben sich die Hände für diese Art Wahlhilfe.

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