50 AOK-Mitarbeiter ziehen von Lengenfeld nach Auerbach um

Die Krankenkasse gibt ein Gebäude auf. Der Umbau sei zu aufwändig, heißt es. Die Beschäftigten ziehen teilweise bei der Sparkasse in Auerbach ein.

Lengenfeld/Auerbach.

Des einen Freud, des anderen Leid: Lengenfeld verliert auf einen Schlag 50 Arbeitsplätze, während Auerbach um 50 zulegt. Die AOK Plus verlässt den imposanten Gebäudekomplex an der Ecke Hauptstraße/Friedensstraße, vis-á-vis vom Lengenfelder Stadtmuseum, und zieht nach Auerbach um. In den nächsten Tagen geht es los, im Herbst soll alles abgeschlossen sein. Da der Auerbacher Sitz der Krankenkasse an der Mosenstraße nicht genug Platz bietet, wird ein Teil der betroffenen Mitarbeiter in angemieteten Räumen der Sparkasse Vogtland untergebracht.

Beim Standortwechsel der AOK hat weder die Stadt Lengenfeld etwas falsch gemacht, noch hatte Auerbach auf die Ansiedlung Einfluss. Die Entscheidung wurde durch den Vorstand der AOK Plus getroffen, erklärt Hannelore Strobel, Pressesprecherin der Krankenkasse. "Um das Objekt für die AOK Plus zu erhalten, hätten umfangreiche Sanierungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen erfolgen müssen", sagt Hannelore Strobel auf Anfrage der "Freien Presse".

Dabei gehe es um Brandschutz und die Statik des Gebäudes. Zudem entsprächen die Büroflächen nicht den aktuellen Anforderungen. Mängel gebe es in Bezug auf Arbeits- und Gesundheitsschutz. Der Aufwand zur Beseitigung der Probleme wäre so erheblich, dass der Erhalt des Eckhauses für die Krankenkasse "nach gründlicher Abwägung aller Vor- und Nachteile nicht wirtschaftlich ist", betont die AOK-Sprecherin. Die Immobilie soll verkauft werden.

Der Umzug betreffe zirka 50 Mitarbeiter, die nur teils am Hauptstandort der AOK an der Mosenstraße in Auerbach untergebracht werden. Dort gab es noch Umbauarbeiten. Für die Kombination mit angemieteten Räumen der Sparkasse Vogtland hat sich die Kasse im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung entschieden, erklärt Hannelore Strobel. Den Mitarbeitern könne man dort moderne Büroflächen zur Verfügung stellen.

Viele der AOK-Beschäftigten, die aus dem Umland täglich zu ihrem Arbeitsort pendeln, hatten sich an das alte Gemäuer in Lengenfeld und das gemütliche Flair der Kleinstadt gewöhnt. Wie es heißt, bedeute die Fahrt nach Auerbach für einige einen kürzeren Arbeitsweg, während etliche künftig wohl länger unterwegs sein dürften.

"Es ist schade für die Stadt Lengenfeld, aber nicht zu ändern", sagt Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld). Für so manchen Händler sei es eine bittere Pille, denn der Stadt gehe Kaufkraft verloren. Bachmann äußerte sich erstaunt, dass so viele Mitarbeiter in dem Gebäude untergebracht waren.

Der Bürgermeister kennt das Gemäuer bereits seit 1970 und hat dazu eine kleine Geschichte parat, die er augenzwinkernd preisgibt. "Als Elektriker-Lehrling musste ich einen Treppenhaus-Automat wechseln", erzählt er. Unter den argwöhnischen Blicken seines Meisters erledigte er die Arbeit, drückte auf den Knopf - und dann ein Knall: Kurzschluss. Der Meister grinste, sein Lehrling machte sich nochmals ran - und im zweiten Versuch klappte es. Der Wegzug der AOK 48 Jahre später ist sozusagen der zweite Knall, den Volker Bachmann mit dem Eckhaus Hauptstraße 59 in Verbindung bringt.

Ganz anders wird der Umzug in Auerbach bewertet. Hagen Hartwig, Pressesprecher der Stadtverwaltung, spricht von einer "schönen Nachricht". Die Stadt habe, auch um den sich anbahnenden Bedarf zu decken, 70 neue Pkw-Stellplätze geschaffen. Für die Innenstadt-Händler sei es "eine feine Sache" und sozusagen eine Kompensation nach dem Verlust vieler Behördenarbeitsplätze, die Auerbach nach dem Bau des Landratsamtes in Plauen verlor. Die Räume bei der Sparkasse Auerbach seien "erstklassig", meint Hartwig.

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