A 72-Schafe: Das Kleine kam im Wald zur Welt

Die an der Autobahn-Anschlussstelle Reichenbach für Aufsehen sorgenden Tiere sind ihrem Halter bereits am 1. Mai entwischt - es waren allerdings nur zwei Tiere.

Reichenbach.

Die seit Wochen meist in den Abendstunden an der Reichenbacher Autobahn-Auffahrt grasenden und bei Autofahrern für Aufsehen sorgenden Soay-Wildschafe leben bereits seit 1. Mai in Freiheit. Das hat jetzt der Schönbrunner André Ludwig bestätigt. "Ich hatte damals eine ganze Herde dieser Rasse bekommen und natürlich ordnungsgemäß mit Zaun gesichert. Aber in der Aufregung der ersten Zeit sind zwei Tiere über den Zaun gesprungen, der ist immerhin 1,50 Meter hoch", informierte der Hobbyhalter jetzt auf Anfrage. "Die anderen Schafe haben sich längst eingewöhnt und freuen sich, wenn der Eimer zur Fütterung klappert."

Das heißt: Das kleine Tier aus dem A 72-Trio ist offenbar in freier Wildbahn zur Welt gekommen. Und damit in dem unweit der Anschlussstelle stehenden Wald, der den Schafen tagsüber Schutz bietendes Versteck ist. Das jedenfalls vermuten Beobachter, die zunächst nur zwei Tiere auf Wiese und Feld gesehen hatten. "Die waren zu zweit ausgebüchst, offenbar war ein Tier trächtig", sagt ein Mann. Der Besitzer selbst hält das für möglich. "Allerdings können sich da auch Tiere gefunden haben." Immerhin gibt es im Vogtland mehrere Halter dieser urigen Rasse, deren freilebende Vertreter sonst wohl nur auf einer schottischen Insel vorkommen.

"Mir ist etwas anderes viel wichtiger. Nämlich, dass es zu keinem von den Tieren verursachten Verkehrsunfall kommt", sagt André Ludwig. Da alle Einfangversuche ohne Erfolg blieben, sollen die Tiere geschossen werden. "Ich habe natürlich einiges ausprobiert, aber weder mit Elektrozäunen noch Lokfutter ließ sich etwas ausrichten." Auch eine Schäferin hatte jüngst betont, das Einfangen dieser quasi das Ur-Schafgen in sich tragenden Tiere sei nahezu unmöglich. "Normale Hütehunde schaffen das nicht. Das würde unter Umständen nur mit speziell trainierten Border Collies gehen."

Der Abschuss der Tiere ist jedoch nicht ohne Weiteres möglich. Da es sich nicht um Wildtiere handelt, ist eine behördliche Genehmigung nötig. "Einen Antrag dazu haben wir kürzlich beim Veterinäramt des Landkreises eingereicht. Wir warten jetzt auf eine Entscheidung", sagt André Ludwig. Mit einem Jäger ist er dazu bereits in Kontakt.

Interesse an den A 72-Schafen haben jedoch nicht nur Halter, Jäger und die oft angesichts der freilaufenden Tiere überraschten Autofahrer. Auch Streifenwagen zeigen an der Anschlussstelle oft Präsenz. "Wir haben die Tiere im Blick", sagte Polizeisprecherin Christina Friedrich jüngst. Am Donnerstagabend stand sogar ein Van mit eingeschaltetem Warnblinklicht an der Bundesstraße. Beamte waren oberhalb des von den Schafen fast abgegrasten Hangs zu sehen. Vermutlich waren die argwöhnischen Tiere da längst weg. Menschen lassen sie nur bis auf eine gewisse Entfernung heran.

Bei all der Unruhe scheint es durchaus möglich, dass sich das Trio über kurz oder lang einen ruhigeren Einstand sucht. Einen vogtländischen Winter könnten die Tiere ohne Weiteres überstehen, vermutet der Halter. "Das ist eine sehr robuste und wenig Ansprüche an das Futter stellende Rasse."

Bewertung des Artikels: Ø 4.4 Sterne bei 5 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    RicoFreiePresse
    15.09.2019

    Mit einem Gewehr betäuben und dann zur Herde bzw dem Tierhalter zurückbringen ist wohl keine Option?



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...