Acht Wochen Praktikum mit Zeichensprache und viel Herz

Ein junger Ungar und ein vogtländischer Landwirt aus Oberheinsdorf verstehen sich auch ohne viele Worte gut. Mit ein paar Tricks meistern sie das Projekt, das beiden hilft.

Oberheinsdorf.

Acht Wochen lang müssen der ungarische Praktikant Balázs Füredi und Landwirt Wolfgang Löffler aus Oberheinsdorf ohne viele Worte, dafür aber mit Zeichensprache und Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone miteinander kommunizieren. Denn der junge Mann spricht nur wenige Brocken Deutsch und Wolfgang Löffler nur ein paar Worte Ungarisch.

Insgesamt sechs ungarische Praktikanten absolvieren derzeit ein zweimonatiges Landwirtschaftspraktikum, vorwiegend in vogtländischen Betrieben. Ihr Auslandsaufenthalt wird über das europäische Programm Erasmus Plus gefördert. Ein ungarische und die vogtländische Landwirtschaftsschule in Plauen arbeiten seit 20 Jahren eng zusammen.

Trotz Sprachproblemen möchte der Oberheinsdorfer Haupterwerbslandwirt mit Mutterkuhhaltung den jungen Mann nicht missen. Ganz im Gegenteil: Seit 15 Jahren kommen regelmäßig junge Ungarn auf seinem Hof. "Ich habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht", blickt Löffler auf die letzten 15 Jahre zurück. Balázs Füredi erklärt seinerseits mit Hilfe des Übersetzungsprogrammes, dass es ihm auf dem Hof gut gefällt.

Obwohl Wolfgang Löffler und Balázs Füredi nur wenige Worte miteinander austauschen können, scheinen sie sich gut zu verstehen. Wenn es auch mit der Umgangssprache noch nicht so richtig klappt, ein paar Fachbegriffe wie Traktor und Lader versteht der junge Mann ganz gut. Mit ein paar Handzeichen erklärt der Landwirt, was zu tun ist, und schon geht es los. Der junge Ungar setzt sich auf den Lader, holt die Heurolle für die trächtigen Mutterkühe, die auf der Weide stehen, und bugsiert das Futter sicher in die Raufe. Die tragenden Cherolais- und Angus-Kühe schauen aufmerksam zu. Löffler ist nicht nur Mutterkuhhalter, sondern auch Züchter der beiden Rassen. Löffler sagt: "Wir profitieren gegenseitig von diesem Aufenthalt. Ich lerne ein bisschen Ungarisch, er Deutsch." Außerdem freut sich Löffler, der den Betrieb meist allein bewirtschaftet, über die Mithilfe junger Menschen.

Die Erweiterung der Sprachkenntnisse ist nur ein Ziel des Auslandseinsatzes, wie Monika Fülöp berichtet. Sie ist Dolmetscherin und Deutschlehrerin am Zentrum der Agrarausbildung in Szekszárd in der Region Transdanubien. "Es ist uns wichtig, dass die Schüler während eines Auslandspraktikums die Unterschiede der Landwirtschaft in verschiedenen Ländern kennenlernen."

Die ungarische und die vogtländische Landwirtschaftsschule möchten auch, dass die jungen Leute die Kultur, die Gegend und das Lebensumfeld des Gastlandwirtes kennenlernen. "Das Arbeiten auf dem Betrieb, aber auch der Kontakt zu den Gastfamilien sind Inhalte des Praktikums", erklärt Thomas Luther, der Leiter der Plauener Landwirtschaftsschule. Bevorzugt vermittelt die Plauener Schule die Praktikanten an Betriebe mit möglichst breit gefächerter Landwirtschaft, so wie bei Wolfgang Löffler.

Der Landwirt zählt auf, was ein Praktikant bei ihm auf dem Hof alles kennenlernen kann: "Die Versorgung der Tiere, die Tiere mit Ohrmarken kennzeichnen, den Stall einstreuen, Geburten, Schlachten und Zerlegen auf dem Hof im eigenen Schlachthaus, dann der Feldbau: Balázs kann hier auf dem Hof Traktor fahren. Wir haben schon zusammen Mist gestreut."

In den acht Wochen gehe es nicht darum, dass der Praktikant Arbeiten selbstständig ausführt, sondern dass er die Arbeitsabläufe auf dem Hof kennenlernt, erklärt Löffler. Zum zweimonatigen Aufenthalt bei den Gastfamilien gehören auch gemeinsame Mahlzeiten. Außerdem stehen für alle Praktikanten ein gemeinsamer Schultag mit der aktuellen Fachschulklasse der Plauener Fachschule, eine Fachexkursion nach Bayern zu Milchviehbetrieben sowie ein Familientag auf dem Programm.

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