Aeros schlägt wieder sein Zelt auf

Vier Jahre nach dem letzten Reichenbach-Gastspiel lädt der einstige Staatszirkus erneut auf den Festplatz ein - mit einer Mischung aus Akrobatik und Tier-Dressur, ohne die Zirkus nur noch Varieté wäre.

Reichenbach.

Dromedare, sibirische Kamele und Rinder laben sich am Grün der Ahorne am Stadtparkrand, während zwei Steppen-Zebras mit dem Gras direkt auf dem Festplatz vorlieb nehmen - weder angeleint noch eingezäunt. Nähert sich ein Fußgänger, wird er schon mal beschnuppert. "Unsere Tiere sind Familienmitglieder, bisher ist noch niemand ausgerissen", erzählt Chantal Schmidt. Die junge Frau ist beim Zirkus Aeros Mädchen für alles. Beim Aufbau von Wagenburg und Chapiteau packt sie genauso an wie alle 30 Mitarbeiter des Familienunternehmens - bei dem am Donnerstag beginnenden Reichenbach-Gastspiel der Zirkus-Legende ist sie mit einer Tuch-Akrobatik zu erleben.

Vor vier Jahren war der einstige, vor 15 Jahren von der Direktionsfamilie Schmidt wiederbelebte DDR-Staatszirkus das letzte Mal auf dem Festplatz zu erleben. Reichenbach, sagt die Akrobatin, ist ein gutes Pflaster. "Sonst wären wir nicht mehr hierhergekommen. Seit Montag waren bereits einige Leute hier und haben gefragt, wann's denn losgeht und haben sich gefreut, dass wir auch wieder unsere Tiere dabeihaben", erzählt Chantal Schmidt über eine trotz aller Diskussionen um Wildtierverbote beim Publikum ankommende Erfolgsmischung aus Akrobatik, Clownerie, Live-Orchester und Tier-Dressur.

Mit diesem Selbstverständnis halten 20 Schmidts sowie zehn eingeheiratete oder verschwägerte Zirkusmitglieder die Tradition des einst riesigen Staatsunternehmens gegen alle Widrigkeiten fest - freilich ohne die zu DDR-Zeiten bestaunten Wildtiere wie Elefanten, Löwen, Tiger, Eisbären oder Nilpferde. "Solche Dressuren hätten wir gerne im Programm, aber das würde die Anzahl unserer Auftrittsorte schon aus Platzgründen enorm einschränken. Viele Städte können uns keinen ausreichenden Platz anbieten." Und so ist Aeros mit 30 Tieren - Pferde, Kamele, Rinder und Zebras - im Osten Deutschlands auf Reisen.

"Ein Zirkus ohne Tiere, das wäre dann Varieté. Wir würden lieber aufhören, als ohne Tiere weiterzumachen", erzählt die Tochter von Zirkuschef Bernhard Schmidt. Und das will was heißen. Chantal präsentiert die siebte Zirkus-Generation der Schmidts. Die achte trägt im Grundschulalter das Zirkus-Gen von Tournee-Stadt zu Tournee-Stadt. Rachel und Jesaja Schmidt besuchen in der Gastspielzeit eine Reichenbacher Schule, werben dort auf ihre Art um Akzeptanz und wecken Begeisterung für ein gefährdetes Kulturgut.

Immerhin stellen die Verbote einzelner Städte nicht die einzige Hürde dar. "In einigen Städten dürfen wir nicht mehr plakatieren, obwohl es dort gar kein Wildtierverbot gibt." Dies ist auch Ausdruck eines im Wandel befindlichen Ansehens, der nach Auffassung der Schmidts gar nicht so viel mit der Wildtier-Diskussion zu tun hat. Von den Folgen der Einführung des Mindestlohns vor ein paar Jahren blieb Aeros dagegen anders als der renommierte Zirkus Probst verschont. "Jeder von uns muss halt damit klarkommen, wenn mal nicht so viel in der Kasse ist." Und der Familienbetrieb hat noch einen weiteren Vorteil. "Als Familienmitglied gibst du bei jeder Vorstellung nicht 100 Prozent, sondern 110 Prozent. Überzeugen Sie sich", sagt Chantal Schmidt und montiert im gerade aufgebauten Zirkuszelt in schwindelerregender Höhe die schweren Beleuchtungsträger: Licht aus, Spot an!

Zirkus Aeros in Reichenbach: Premiere am Donnerstag, 17 Uhr; Freitag, 17 Uhr, Samstag, 15 und 18.30 Uhr, Sonntag, 11 Uhr. Kartenreservierungen unter der Telefonnummer 0157 73789990.

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