Ärztehaus fast fertig, doch neue Ärzte haben noch nicht zugesagt

Reichenbachs OB müht sich, sein Wahlversprechen einzulösen und gibt sich zuversichtlich. Die Woba-Chefin sagt, warum es mit Medizinern doch noch klappen könnte.

Reichenbach.

Der Weg zu einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Reichenbach ist voller Hürden. "Das hatte ich mir nicht ganz so schwierig vorgestellt", räumt Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) ein. Weder sei bisher ein Betreiber vertraglich gebunden, noch habe die Stadt Ärzte von außen nach Reichenbach holen und für das MVZ gewinnen können, sagte er beim Bürgerstammtisch in Schneidenbach. Nur die dafür vorgesehene Immobilie am Solbrigplatz geht ihrer Fertigstellung entgegen, wenngleich es dort Bauverzug gab. "Mit zwei potenziellen Betreibern sind wir im Gespräch", antwortete Kürzinger, als er beim Bürgerstammtisch nach dem Sachstand gefragt wurde.

Wenn alles klappt, könne das MVZ noch in diesem Jahr starten. Einer der Betreiber "würde eine Ärztin mitbringen", berichtete Kürzinger. Mit weiteren Ärzten aus der Stadt sei man im Gespräch. Sollten sich beide Optionen zerschlagen, müsste die Stadt selbst als Betreiber einsteigen. Auch dieses Modell, sagte der OB, müsse die Stadt ins Auge fassen. Mit dem Stadtrat bestehe dazu Einigkeit. Und trotz aller Schwierigkeiten "sind wir auf gutem Weg", gab sich das Stadtoberhaupt optimistisch.

Reichenbach war 2016 als erste Region Sachsens zeitweise offiziell als hausärztlich unterversorgt eingestuft worden. Von 21 Planstellen waren achteinhalb nicht besetzt - das entsprach einem Versorgungsgrad von 60 Prozent. Nach Angaben des Oberbürgermeisters liege der Versorgungsgrad aktuell bei 82 Prozent, nur knapp über der ab 75 Prozent abwärts geltenden Unterversorgung. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) beteiligte sich daher aktiv an der Suche und richtete sogar eine Hausarzt-Praxis ein.

Im Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters im Frühjahr 2016 hatte Raphael Kürzinger die medizinische Versorgung zu einem seiner Hauptthemen gemacht und von einem kommunalen MVZ sowie der direkten Anwerbung von Medizinern gesprochen. Am Tag seines Amtsantritts kündigte der OB ein Gespräch mit der KVS als erste Amtshandlung an. Über die Agentur eines Zwickauer Bekannten stünden zwei Ärzte aus Osteuropa in der Warteschleife, die er gern nach Reichenbach holen wolle. Doch zwei Jahre später zeigt zwar das MVZ Konturen, doch es hakt nach wie vor mit den Medizinern. Die Insolvenz der Paracelsus-Kliniken kam erschwerend hinzu. Die Pläne der Klinikkette, sich als MVZ-Betreiber in Reichenbach zu engagieren, haben sich zerschlagen.

Die Wohnungsbaugesellschaft Reichenbach (Woba) kann die ersten Mieter für ihr ambitioniertes Projekt Solbrigplatz 7/8 vermelden. Auch eine der vier Praxen ist jetzt vermietet. Geschäftsführerin Daniela Raschpichler hat ab 2. Juli die erste Fachärztin im Haus. Drei der vier barrierefreien und modern gestalteten Praxen mit 180 bis 230 Quadratmetern sind indes noch frei. Daniela Raschpichler bleibt optimistisch. "Viele Ärzte entscheiden sich erst für eine Praxis, wenn sie die Räume anschauen können", sagt sie. Die Woba kämpfe an allen Fronten für die Reichenbacher, auch wenn die Ärztegewinnung nicht zu den originären Aufgaben der Wohnungsgesellschaft gehört. Als Betreiber wäre ihr ein Privater am liebsten. (mit gb)

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