Agrarbetrieb öffnet seine Türen für Langzeitarbeitslose

Menschen nach langer Arbeitslosigkeit in Arbeit zu bringen, ist Ziel des Jobcenters Vogtland und der Arbeitsloseninitiative. Organisiert werden unter anderem Betriebsrundgänge, bei denen die Bewerbung abgegeben werden kann.

Unterreichenau/Plohn.

André Steinbach, gebürtiger Pausaer, Mohammad Quais Qayumi aus Afghanistan und Suleiman Yusef aus Bulgarien sind drei von aktuell rund 1600 im Vogtlandkreis registrierten Langzeitarbeitslosen. Gemeinsam mit einem weiteren älteren Mann, der nicht mit Namen in der Zeitung stehen möchte, waren sie am Mittwoch auf Job-Tour. Die vom Jobcenter Vogtland organisierte Aktion führte sie in die Agrargenossenschaft Weidagrund in Unterreichenau. Ziel war es, dem Betrieb passende Mitarbeiter direkt vorzustellen. Denn Vermittlungen nur mit Briefen und Telefonaten sind längst nicht so erfolgversprechend.

Geschäftsführer Stefan Pissors zeigte den vier seine Fleisch- und Wurstproduktion. Pissors hat gute Erfahrungen mit Langzeitarbeitslosen gemacht - auch mit Mitarbeitern aus anderen Ländern. "Wir haben eine bulgarische Tierpflegerin und sind sehr zufrieden mit ihr", berichtet er. Integriert habe der Betrieb auch eine Mitarbeiterin, die aus der Altenpflege kam, krank war. Jetzt arbeitet sie in der Produktion des Agrarbetriebes. "Und es passt einfach", so Pissors.

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André Steinbach gab nach dem Rundgang durch die Fleisch- und Wurstproduktion seine Bewerbung gleich bei Stefan Pissors ab. Mohammad Quais Qayumi, der zuletzt als Dolmetscher tätig war, hatte noch keine Bewerbung dabei, nur einen Lebenslauf. Er wird Unterstützung vom Jobcenter bekommen. "Wir helfen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen", so Michael Neudel, Bereichsleiter Markt und Integration im Jobcenter. Auch Suleiman Yusef aus Bulgarien, der als Gärtner vorher tätig war, zeigte Interesse.

Der ältere Mann, der der Einladung des Jobcenters in den Betrieb gefolgt war, konnte sich nicht vorstellen, in der Fleisch- und Wurstproduktion zu arbeiten, eher in der Pflanzenproduktion, sagte er. Aus gesundheitlichen Gründen könne er nicht zurück in seinen alten Job, suche deshalb Alternativen. Es reiche aber nicht, Traktor zu fahren, machte der Geschäftsführer deutlich. "Bei uns muss in der Pflanzenproduktion jeder alles können." Hinzu komme: "Ich muss einem ungelernten Mitarbeiter Mindestlohn zahlen und ihm trotzdem erst alles beibringen", sagte der Geschäftsführer. Finanziell rechne sich das nicht. Hierbei sei er auf die Unterstützung durch die Arbeitsagentur angewiesen. Um in diesen Fällen zu helfen, individuelle Lösungen zu finden, auch deshalb sieht das Jobcenter die Job-Tour als sinnvoll an. "Ich werde mir den Lebenslauf des Herrn nochmal anschauen", sagte Betriebsakquisiteur Marcus Köhler vom Jobcenter. Eine Lösung könne gefunden werden.

Als langzeitarbeitslos gilt, wer mindestens ein Jahr oder länger keine Arbeit hat. "Viele wissen gar nicht, welche Firmen es in der Region gibt", sagte Martina Kober, Geschäftsführerin im Jobcenter. "Hier im Betrieb sieht man direkt den Arbeitsplatz", nannte Kober einen Vorteil der Job-Tour. Eine ganze Woche ist das Jobcenter vogtlandweit unterwegs, 25 Firmen werden besichtigt. Dazu hat man über 180 Langzeitarbeitslose eingeladen. Zu den Unternehmen, die besucht werden, zählen unter anderem auch der Freizeitpark Plohn, die Arbeiterwohlfahrt in Auerbach und die Firma Golle Zelte und Planen in Plauen. Am heutigen Freitag präsentieren sich Firmen der Baubranche im Jobcenter. "Wir wollen so die Menschen mit den Unternehmen zusammenbringen", erklärte Marcus Köhler. Man sehe dies als erfolgversprechenden Weg. Der Arbeitsmarkt habe sich gewandelt, Unternehmen suchten passende Mitarbeiter.

Dass Stefan Pissors offen ist, auch auf die Bedürfnisse von Mitarbeitern eingeht, zahlt sich aus. Denn im Moment habe die Agrargenossenschaft Weidagrund genügend Azubis und auch sonst könne er auf seine Mitarbeiter zählen. Pissors ist sich aber auch bewusst, dass sich das schnell ändern kann. Deshalb arbeite er mit dem Jobcenter zusammen.

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