Als das Neuberinhaus das Licht der Welt erblickte

Vor 70 Jahren begann das "zweite Leben" des Kaiserhofes in Reichenbach als Veranstaltungsstätte. Die Eröffnung fand zu einem denkwürdigen Anlass statt.

Reichenbach.

Mit einer Festveranstaltung wurde das Neuberinhaus am Sonntag, 18. September 1949, um 10 Uhr eröffnet. Ein denkwürdiges Jahr. Welches Jahr könnte würdiger sein als das Jahr 1949 für die Einweihung des Neuberinhauses, das aus den Trümmern des Kaiserhofes von 1946 an wieder aufgebaut worden war: 1949 wurden national und international dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe anlässlich seines 200. Geburtstages unzählige Veranstaltungen und Feiern gewidmet.

So war es auch an jenem Tag in Reichenbach: Der sächsische Minister Johannes Dieckmann hielt den Festvortrag zum 200. Geburtstag Goethes und verlieh damit der Einweihung der neuen Kulturstätte einen besonderen Charakter. Musikalisch umrahmt wurde das Ganze durch das städtische Orchester unter Leitung von Musikdirektor Willy Löscher. Folgerichtig gastierte dann das Stadttheater Plauen mit dem Goethe-Schauspiel "Faust. Der Tragödie Erster Teil" auf der Bühne des Neuberinhauses. Bereits um 14 Uhr wurde den am Wiederaufbau des Hauses Beteiligten das "Lichtspieltheater Neuberinhaus" präsentiert. Nach einer Bühnenschau des Stadttheaters Greiz mit Ausschnitten aus Opern und Operetten wurde in Erstaufführung der spannungsgeladene Film "Ehrengericht" aus dem Leben der Wissenschaftler gezeigt.

Mit einem finanziellen Aufwand von 1,8 Millionen Mark war im Gebäude Vorbildliches geschaffen wurden. Konzipiert war der Veranstaltungsplan so, dass der Saal an vier Tagen für Theater und an drei Tagen für Filmaufführungen genutzt werden kann. So sollte es im wesentlichen über einen längeren Zeitraum bleiben, bis die Bedeutung des Filmtheaters durch das Fernsehen zurückgedrängt wurde.

Als Architekt und Bauleiter war der Reichenbacher Reinhold Petschinka beauftragt worden. Die Schwierigkeiten schienen fast unüberwindlich, wurden aber mit dem aus Trümmern Geborgenen und kaum vorstellbaren Elan und Einfallsreichtum der am Bau beteiligten Firmen und ihren Mitarbeitern gemeistert.

Fritz Koch und Otto Scholz, die bei der Bühneneinrichtung und des Filmtechnikeinbaus maßgeblich mitwirkten, zählten dann über viele Jahre zum leitenden technischen Personal des Neuberinhauses. Welchen Namen sollte nun das zunächst als Reichenbacher Hof bezeichnete Gebäude erhalten? Aber schwer dürfte die Frage nicht zu beantworten gewesen sein, welcher Name für das neue Reichenbacher Stadttheater besser geeignet gewesen wäre als der der Neuberin, die in Reichenbach geboren, in die Welt zog und als Frau das Theater im 18. Jahrhundert reformierte.

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