Alteingesessene Neumarker erfahren Neues

Siegfried Kluge lädt zum historischen Rundgang durch Neumark ein. Dabei war auch etwas zur geplanten Verkehrsführung zu hören.

Siegfried Kluge erzählte auch Anekdoten aus Neumark.

Von Petra Steps

Fahrzeuglärm von der Ortsdurchfahrt her, ein Hubschrauber am Himmel, das Schlagen der Kirchturmuhr punkt 17 Uhr. Dann eine Autokolonne, die zur Hochzeitsfeier in Richtung Gut fährt - die Teilnehmer des historischen Ortsrundgangs, die sich am Samstag am ehemaligen "Goldenen Löwen" trafen, hatten es nicht leicht.

Siegfried Kluge bietet diese Führungen ein Mal im Jahr an. Er wählt ein Schwerpunkt, auf den die Interessierten Einfluss nehmen können. Neben Jahreszahlen und Fakten sind es vor allem die Anekdoten und die Erinnerungen an frühere Bewohner, die gut ankommen und diskutiert werden. Manch einer kann etwas beisteuern oder zur Aufklärung beitragen, wenn etwas nicht klar ist.

Einen breiten Raum nahm der Neumarker Markt ein, der durch die Straße geteilt wird. Das Rathaus ist genauso Markt wie der frühere "Goldene Löwe", nach dessen Neuaufbau die Sparkasse einzog. Wer früher hin und her wollte, musste eine Furt benutzen, was angesichts des Rinnsals namens Neumarker Bach heute schwer vorstellbar ist. Angekommen auf dem Ernst-Ahnert-Platz erzählte der Neumarker Professor, wie nach der Wende ein Neumarker die Umbenennung des Platzes gefordert habe, weil man keine Namen von Altkommunisten mehr wollte. Dabei sei der deutschlandweit einzige Professor für Stenografie und Begleiter Bismarcks bei Verhandlungen alles andere als ein Kommunist gewesen. Ernst Ahnert (1859-1944), der in einem Haus an der Grenze zwischen Neumark und Unterneumark geboren wurde, habe Neumark kurz vor seinem Tod noch einmal besucht. Er schaute sich dabei sein Geburtshaus an, in dem sich auch ein kleiner Kolonialwarenladen befand. Heute ist nur noch die Rückwand des Gebäudes erhalten. Mehrere Anekdoten gibt es zur früheren Gaststätte "Goldener Löwe" oder zu den einstigen Neumarker Ärzten. Zu letzterem konnte Kluge von seiner Geburt erzählen, die etwas kompliziert war. Jedoch sei von den drei Ärzten gerade keiner im Ort gewesen, dafür eine Art Aushilfsdoktor, der abkommandiert war und an den sich danach kaum einer erinnern konnte.

Kluge, der für die FDP im Gemeinderat sitzt, konnte über die geplante Verkehrsführung aufklären. Die Werdauer Straße soll wieder zur Hauptstraße werden, so wie sie das schon einmal als Hauptverbindung in Richtung Leipzig war.

Die Schuberts Milda aus dem inzwischen abgebrochenen Haus neben der Bäckerei Schneider kannten die älteren Neumarker noch. Die habe Zigarren geraucht und den Teufel gehabt. Das sei in Neumark von manchem behauptet worden, wenn irgendetwas anders war als bei den anderen. 93 Erben gibt es für das Grundstück, das die Gemeinde für die Umgestaltung der Kreuzung braucht. Die Verwaltung arbeite bereits an der Klärung.

Ob Neumark je eine Burg hatte, konnte indes nicht geklärt werden. "Auf keinen Fall so eine Burg wie Schönfels", ist Kluge angesichts widersprüchlicher Aussagen sicher. Dafür gab es einen Gesundbrunnen. Die Reste der Steinplatte auf der Quelle befinden sich heute noch nahe der Werdauer Straße.

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