Ampel-Schlupfloch sorgt in der Altstadt für Ärger

Der gefährlichen Praxis von Autofahrern, die Rotphase der Altstadt-Ampel mit einer Fahrt vorbei an Farben Knorr abzukürzen, hat die Stadt einen Riegel vorgeschoben. Für Geschäftsleute ist die Lösung allerdings nicht optimal.

Reichenbach.

Wegen zehn Sekunden Zeitersparnis riskieren einige Leute an der Reichenbacher Altstadt-Ampel viel. Auch die Gesundheit anderer Menschen. Marcel Jacob von Farben Knorr und Birgit Schaller von Fahrrad-Hering hatten diese Praxis von Autofahrern bis vor kurzem direkt vor der Haustüre: Um bei Rot nicht an der Ampel auf das Abbiegen hoch zur Innenstadt warten zu müssen, waren immer wieder Autos und Motorräder auf den Platz zwischen Farbenladen, Fahrradgeschäft und Versicherungsagentur ausgewichen und ein paar Meter weiter auf die Straße Am Graben aufgefahren. "Einige so schnell, dass einem angst und bange geworden ist. Das sagen einem auch immer wieder Kunden. Zum Glück ist nie was passiert", sagt Marcel Jacob.

Nach Lage der Dinge bleibt das auch so. Zumindest, was die Autos betrifft. Die Stadt hat das Schlupfloch am Dienstag mit drei mitten auf dem Platz postierten steinernen Blumenkübeln dichtgemacht. Nach 2017 bereits das zweite Mal und wie damals aufgrund von Beschwerden. Kürzlich allerdings war das Schlupfloch wegen Tiefbauarbeiten des Abwasserzweckverbandes AZV in der Nähe wieder auf. "Und prompt sind wieder welche durchgebrettert", sagt Birgit Schaller: "Uns geht es um eine einvernehmliche Lösung des Problems mit der Stadt. Eine, die uns Anliegern entgegenkommt und die dennoch Gefahr für Leib und Leben ausschließt." Die jetzt erneuerte alte Variante sei nicht das Optimum. Schließlich werde so der Lieferverkehr behindert.

Das neuerliche Querstellen der Blumenkübel kritisiert auch Sven Dietz von der Allianz-Hauptvertretung. "Das ist keine Lösung. Viel besser wäre es, die Kübel oder ein ähnliches Hindernis am Ende des Schlupflochs direkt am Graben aufzustellen. Dann fährt keiner mehr durch, und für den Kunden- und Lieferverkehr gibt es keine Behinderung." Außerdem wäre so aus Sicht des Versicherungsexperten ein mit der jetzigen Variante neu aufgetauchtes Sicherheitsproblem aus der Welt: Kunden, die aus der Innenstadt kommen, biegen auf dem Weg zum Parkplatz vor dem Büro jetzt vor der Ampelanlage scharf und aufgrund möglichen Gegenverkehrs schnell zur Versicherung hin ab. "Dabei sehen die Leute aber gar nicht, was vor der Ladentür ist."

Aus Sicht der Stadt ist die jetzige Variante auf dieser "Mischverkehrsfläche" mit Fußgängern und Fahrzeugen ausreichend, heißt es in einer Pressemitteilung. Die von Farben Knorr und Fahrrad Hering ins Spiel gebrachte Alternative "liegender Polizist" (die Geschäfte würden diese Holperschwelle sogar finanzieren) "wird unter den dann gegebenen Umständen als verzichtbar angesehen". Schließlich sei der "Lieferverkehr möglich, wenn auch unter beschwerten Verhältnissen, da die Fahrzeuge wenden müssen".

Die Anlieger sehen diesbezüglich noch Reserven. "Wenn wir gemeinsam überlegen, fällt uns bestimmt etwas ein. Doch dazu müsste man mit uns reden. Am besten bei einem Ortstermin", sagt Marcel Jacob, der auch ein Kompliment zu verteilen hat. Und zwar an die Baufirmen HTR Reichenbach und Seidel Mylau: "Wie uns beide über die Bauzeit vor unseren Ladentüren immer wieder unterstützt haben, zum Beispiel bei der Anlieferung, das verdient ein dickes Lob. Das war hier nicht nur fachlich eine saubere Arbeit."

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1Kommentare
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  • 2
    1
    GrauerWolf
    08.11.2018

    Sicherheit im Straßenverkehr?
    Wer Reichenbach zu Fuß oder mit dem Rad durchquert, hat keine guten Karten.
    Fußgängerüberwege mit Schutzstreifen sind absolute Mangelware, weder an Kreisverkehren, noch an neu errichteten Fußgängerüberwegen wie dem am Autohaus Schneider in Mylau.
    So müssen im Neubaugebiet West die Kinder der Grundschule F.C. Neuber von der Schule zum Hort, dreimal von Schutzstreifen ungeschützt die Straße überqueren.
    Das betrifft ältere Mitbürger in gleicher Weise.
    Diese Aufzählung kann ich als Reichenbacher gerne fortsetzen, aber ich höre sie schon, die Entschuldigungen der Lokalpolitiker, von Vorschriften und warum es nicht geht.
    Wie sagte doch unser neuer Oberbürgermeister zum Amtsantritt:
    „Wir müssen jetzt mehr in die Menschen investieren“...
    Meint Ihr Grauer Wolf



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