Amtsgericht verurteilt Entblößer

Ein erwerbsunfähiger Mann ist auf die schiefe Bahn geraten. Ein Zwischenfall in Reichenbach brachte ihn nun erneut vor den Richter.

Reichenbach.

Ein 49-Jähriger wurde am Mittwoch am Auerbacher Amtsgericht wegen exhibitionistischer Handlungen verurteilt. Für die Straftat hätte er vier Monate Freiheitsentzug bekommen. Da jedoch ein früheres Urteil vom Amtsgericht Greiz einbezogen werden musste, kam am Ende eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr heraus. Diese wurde zu fünf Jahren Bewährung ausgesetzt.

Die Geschichte: Der Mann, der damals in Reichenbach wohnte und jetzt wieder nach Reichenbach zieht, soll im Juli 2015 auf der Fedor-Flinzer-Straße vor zwei jungen Frauen am entblößten Glied manipuliert haben. Er hatte den Frauen hinterhergepfiffen. Die drehten sich um und sahen die Handlung, die nicht in die Öffentlichkeit gehört.

Um andere Fußgänger, vor allem Kinder, vor ähnlichen Wahrnehmungen zu schützen, riefen sie die Polizei an, nachdem sie ein Stück weiter gelaufen waren. Die Beamten sollen die beiden Frauen an den Tatort zurückgeschickt haben, wo sie niemanden mehr antrafen und auf die Polizei warteten. Das verwunderte Strafrichter Helmut Böhmer: "Es hört sich nicht so gut an, was die Polizei Ihnen da geraten hat." Die Frauen erklärten unabhängig voneinander, dass sie den Mann identifiziert hatten, weil er im Geschäft einkaufte, in dem die eine an der Kasse saß. Zudem habe er Zettel mit seiner Telefonnummer im Neubaugebiet verteilt. Dabei suchte er Hilfe in alltäglichen Dingen, und da tauchte das eigentliche Problem auf: Der gebürtige Greizer ist keiner, der auf der Sonnenseite geboren wurde. Die Förderschule hat er nach der siebten Klasse verlassen, dann Papiermacher gelernt und Transport- und Lagerarbeiten erledigt.

Vor der Wende im Jahr 1989 war er zwei Jahre bei der Stadtreinigung beschäftigt. Dann kam der politische Umschwung, der mit großen wirtschaftlichen Veränderungen verbunden war. Der Mann fand keine Arbeit mehr. Ab und an ein paar Zeitarbeitsstellen, an denen er es nie lange aushielt, einmal eine ABM. Das war es. Nach der Währungsunion bekam er überhaupt keinen Boden mehr unter die Füße, aber ein zunehmendes Alkoholproblem. Seit 2007 bezieht der Mann Erwerbsunfähigen-Rente.

2011 wurde er das erste Mal verurteilt. Eine spätere Haftstrafe verbüßte er vollständig. Dort wurde ihm im Gutachten eine Intelligenzminderung im Sinne von Debilität und Alkoholabhängigkeit bescheinigt, Betreuung sowie die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt empfohlen. Dazu kam es nicht, weil er durch das Netz fiel.

Immer wieder waren es Delikte, mit denen der öffentliche Friede gestört wurde. Zuletzt wurde der Mann wegen Notrufmissbrauchs, Bedrohung und Vortäuschens einer Straftat verurteilt. Er hatte dem Sozialpsychologischen Dienst in Greiz erklärt, dass alle Mitarbeiter erschossen gehörten und Bombendrohungen gegen das Greizer Krankenhaus und das Landratsamt ausgesprochen.

Die wegen seinem Notruf zu Hilfe geeilte Polizei bat er, ihn zur Entgiftung zu bringen. Das war es aber auch schon mit dem Kampf gegen die Sucht. Obwohl er Auflagen zu erfüllen hatte, fehlten Einsicht und Wille zur Mitwirkung. Das veranlasste den Richter, die Aussetzung der Strafe zu fünf Jahren Bewährung mit Auflagen zu verbinden. Dazu gehören regelmäßige Blutalkoholtests und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Ein Bewährungshelfer soll ihn unterstützen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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