Attacke im Dönerladen: Täter verurteilt

Mit einem Schlagring-Messer ging ein betrunkener Vogtländer in Reichenbach auf zwei Ausländer los. Verletzt wurde nur er selbst.

Reichenbach/Auerbach.

Klare Aussagen gab es am Mittwoch beim Prozess vor dem Auerbacher Amtsgericht lediglich von den beiden ausländischen Zeugen. Ein junger Syrer und ein 40-jähriger Iraker schilderten trotz manchmal fehlender deutscher Worte überzeugend, wie im August 2018 ein betrunkener Mann in ihren Dönerladen in der Reichenbacher Innenstadt kam, sie als "Kanaken" und "Sch....-Ausländer" beschimpfte und mit einer Kombination aus Schlagring und Messer bedrohte - ohne Anlass. "Ich hatte Angst, mein Chef hat ihn dann geboxt, und der Mann ist weggelaufen", schilderte der Syrer. Die Ausländer riefen die Polizei und erstatteten später Anzeige - eigentlich hätten sie das nicht gewollt, versicherten sie: "Wir brauchen keinen Streit, die sollen uns nur in Ruhe lassen." Verletzt wurden sie nicht. Nur der Angreifer, ein 23-jähriger Waldarbeiter aus Schöneck, trug eine blutende Nase davon und saß nun auf der Anklagebank.

Der Angeklagte selbst konnte zur Aufklärung praktisch nichts beitragen. Nach seinen Worten wollte er "nur reden", als er nach zehn Bier und einigen Schnäpsen gegen Mitternacht in den Dönerladen kam - er habe den Ausländern erklären wollen, dass er mit einem früheren Vorfall nichts zu tun hatte. Diese hätten ihn wohl verwechselt und sofort weitere "Südländer" herbeigerufen - vier, sieben oder zehn Autos (seine Angaben differierten) seien gekommen und bis zu 30 Leute seien auf ihn losgegangen, auch mit einer Eisenstange und einem Messer. Bei aller Unsicherheit war sich der Angeklagte in einem Punkt absolut sicher: Der damalige Imbiss-Chef, also der Iraker, habe ihn nicht geschlagen. Allerdings hatten sowohl der Iraker selbst als auch der Syrer genau dies ausgesagt - nur so habe der Angreifer abgewehrt werden können, hatten sie erklärt.


Selbst sein Anwalt verstand nicht, warum sein Mandant solche offenkundigen Unwahrheiten zum Besten gab. Nicht völlig ausschließen mochte Richter Böhmer, dass der Angeklagte nach dem eigentlichen Vorfall tatsächlich ein Zusammentreffen mit anderen Ausländern hatte.

Doch darum ging es nicht. Ein polizeibekannter Kumpel des Angeklagten brachte ebenfalls kein Licht ins Dunkel. Er wollte eigentlich überhaupt nichts sagen; nachdem der Richter ihm Beugehaft androhte, gab er nur Widersprüchliches von sich. "Ich weiß es nicht", war seine Standard-Auskunft - er habe irgendwie "nur Umrisse" gesehen, sei aber nicht betrunken gewesen.

Der Schönecker wurde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz und Beleidigung zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, zudem muss er 500 Euro an die Stiftung Frauenkirche zahlen. Er sei "definitiv nicht ausländerfeindlich", versicherte der Angeklagte in seinem letzten Wort.

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