Ausnahme-Geiger begeistert bei Premiere

Elin Kolev debütierte mit Schostakowitschs Erstem Violinkonzert im Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie in Reichenbach. Das war für den Violinisten eine Herausforderung.

Reichenbach.

Das Publikum feierte am Mittwochabend im Neuberinhaus mit großer Begeisterung den Reichenbacher Auftritt des jungen Zwickauer Violinisten Elin Kolev. Er gilt mittlerweile als Ausnahme-Geiger auf den Konzertbühnen weltweit.

Nun trat er als Solist im fünften Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie Greiz-Reihenbach auf. Mit ihm hatte die Vogtland Philharmonie zuvor schon im Rahmen ihrer Open-Air-Konzerte einige erfolgreiche Auftritte. Diesmal übernahm er den Solopart im Ersten Violinkonzert a-Moll von Dmitri Schostakowitsch, das in der Musikwelt als das gehaltvollste nach 1945 gilt - ein musikantischer Brocken für Virtuosen und Orchester gleichermaßen! Elin Kolev präsentierte das Werk selbst das erste Mal in der Öffentlichkeit - eine Herausforderung, die er glänzend meisterte.

Von Beginn an nahm der junge Violinvirtuose das Publikum mit seiner Art zu spielen und der Ernsthaftigkeit seiner Interpretation gefangen. Er bewegte sich wenig, verriet eher eine nach innen gerichtete intensive Konzentration. Dennoch stand er in ständigem Blickkontakt zu Chefdirigent David Marlow, um die dieses Werk prägenden diffizilen Einsätze und Dialoge zwischen Solist und Orchester zu bewältigen - und dies gelang mit Bravour. Die virtuosen Herausforderungen, vor allem im Finalsatz, meisterte er glänzend: Spieltechnische Brillanz in Intonation, Lagenspiel und Bogenführung waren selbstverständlich, herausragend die weiche, volle Tongebung auf seiner Carcassi-Violine. Ein Lehrstück die große Kadenz des dritten Satzes, in der sich die Vorzüge seines Spiels zu beeindruckender Emotionalität zusammenfanden.

Das Orchester war physisch gefordert, um zwischen der Turbulenz der anstehenden Neujahrskonzerte dieses schwergewichtige Werk zu stemmen. Dennoch brachte das Ensemble gemeinsam mit dem Solisten unter der sicheren Stabführung Marlows eine bemerkenswerte Schostakowitsch-Interpretation zustande: Das Scherzo gelang mit seinem sperrigen Sarkasmus auf den Punkt, ebenso die temposcharfe Ausgelassenheit des Finales - durchweg hervorragende Soli an den Pulten.

Ein weiterer Höhepunkt war die gelungene Interpretation eines der rätselhaftesten und originellsten Werke der Musikliteratur, den Enigma-Variationen von Edward Elgar. Es war schon ein Genuss zu erleben, wie der Komponist auf trefflich-verschmitzte Art, vorzüglich instrumentiert, lieb gewordene Personen seines Umfelds charakterisiert - herrliche musikalische Persiflagen! Die Philharmonie spielte das wunderschöne Thema und seine 14 Variationen mit sichtlichem Genuss, ein Highlight Susanne Störrs Cello-Solo, das Elgars Freund, den Cellisten B. Nevinson charakterisiert.

Auch die zur Eröffnung des Konzertabends dargebotene Ouvertüre zur Oper "Don Giovanni", eine der besten Ouvertüren Mozarts, kam beim Publikum gut an, zumal der im Zentrum stehende Kontrast zwischen dem alle Freuden des Lebens genießenden Don Giovanni der Dramatik der Friedhofsszene sehr gut interpretiert war.


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