Azubi-Ebbe in der Pflege: Hilfe kommt aus Vietnam

Im Awo-Pflegezentrum "Wohnen am Park" in Reichenbach haben drei junge Leute aus Fernost ihre Ausbildung begonnen. Da werden Erinnerungen an die 1980er-Jahre wach.

Reichenbach.

Drei neue Lehrstellen für Altenpfleger wollte das Pflegezentrum "Wohnen am Park" der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Vogtland, Bereich Reichenbach, 2016 besetzen. "Aber es gab keinen einzigen Bewerber", sagt Awo-Geschäftsführer Steffan Günther. Das liegt im Trend. Deutschlandweit sind mehr als 50.000 Stellen in Pflegeberufen unbesetzt. Das Ost-West-Gefälle in der Bezahlung, Teilzeitarbeit (in der Regel 32 Stunden) und die fehlende Lobby im Pflegebereich sind dabei Knackpunkte. Was also tun?

"Wir haben mit der Awo Zwickau gesprochen und wirken jetzt mit der Pflegeschule Zwickau zusammen, um der drohenden Personalnot zu begegnen. Diese beschreitet seit zwei Jahren neue Wege und holt junge Leute aus Vietnam für die Ausbildung zum Altenpfleger nach Deutschland", erklärt Günther.

Die Pflegeschule, die zum Privaten Berufsschulzentrum "Leonardo da Vinci" Zwickau gehört, litt unter dem gleichen Problem: Die sinkende Azubi-Anzahl ließ die Klassen schrumpfen. Bei Vorstößen in Spanien und Italien, die unter hoher Jugendarbeitslosigkeit leiden, sei die Resonanz gleich Null gewesen, sagt Prokurist Rolf Resske. Der Ausweg hieß: Vietnam. In Zwickau gebe es einen Verein der Vietnamesen, dessen Vorsitzender in Hanoi eine Sprachschule unter deutscher Führung betreibe. Er sei in den 1980er-Jahren als Vertragsarbeiter in die DDR gekommen und habe im Maschinenbau gearbeitet. Den Großteil stellten damals allerdings Frauen in der Textilindustrie. 59.000 Vietnamesen arbeiteten Ende 1989 in der DDR. Das Modell erlebt jetzt quasi eine Renaissance. Auch in anderen Sparten, so im Straßenbau, werden seit 2014 verstärkt Vietnamesen nach Südwestsachsen geholt.

Über den Vereinschef wurde in Vietnam Akquise für Pflegeberufe betrieben. "Es gibt großen Zulauf", freut sich Resske. Bis alle Beteiligten von den Behörden "durchleuchtet" waren, die Bedingungen wie Vorab-Ausbildungsverträge und Sprachkurs erfüllt waren und Visa für die Azubis erteilt wurden, dauerte es. So kamen sie erst Anfang Oktober in Deutschland an. Im neuen Lehrjahr gibt es in der Pflegeschule zwei neue Klassen mit 40 Azubis, davon neun aus Vietnam. Letzteren werden zusätzliche Deutschkurse mit Fachinhalten an die Hand gegeben.

Drei davon, Vu Thi Dung, Pham Van Huy und Vu Thi Hing Uyen, absolvieren die praktische Ausbildung im Pflegezentrum "Wohnen am Park" in Reichenbach. "Ihre freundliche, ruhige Art kommt gut an. Es gibt nichts Negatives", schätzt Pflegedienstleiterin Conny Jugel ein.

Die Awo hat dem Trio in der Karolinenstraße Wohnungen samt neuer Möbel besorgt. Bei einem Treff im August-Horch-Kindergarten sollen sie bald mit vietnamesisch-stämmigen Familien in Kontakt kommen. Gegen das Heimweh hilft auch das Internet. Mit Skype oder Whatsapp ist die andere Seite der Welt ganz nah. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Danach wollen sie hierbleiben und gutes Geld verdienen, bekunden die drei und lächeln.

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