Backstein-Juwel: Hilferuf nach Dresden

Große Pläne rund um das bekannteste Bauwerk des Vogtlands gab es schon viele. Nun sollen erst mal kleinere Brötchen gebacken werden. Doch selbst da klemmt es.

Netzschkau/Reichenbach.

Es ist eine Art Reflex. Netzschkaus Bürgermeister Mike Purfürst (Gewerbeverein) hebt im Laufen einen zerdrückten Plastikbecher vom Boden auf und wirft ihn in den Papierkorb. Der Aussichtspunkt vor der Göltzschtalbrücke ist wieder sauber. "Müll ist eines unserer Probleme hier", sagt Purfürst, während sein Blick zur größten Ziegelsteinbrücke der Welt schweift - dem bekanntesten Bauwerk des Vogtlands. "Aber eben nicht das einzige."

Mit dem Müll kommen die beiden Städte, auf deren Gebiet die Brücke steht - Netzschkau und Reichenbach -, klar. Gravierender ist: Die Region, ja, ganz Sachsen verkauft das architektonische Kleinod weit unter Wert, beklagen Kritiker seit Jahren. Da ist ein Parkplatz, ein Aussichtspunkt, eine Ausstellung in der nahe gelegenen Ketzels Mühle und während der warmen Monate ein Kiosk. Viel mehr gibt es nicht. Tourismusscharen lockt man so jedenfalls nicht an.

Daran etwas zu ändern, ist ein anderes Kaliber, als Plastikbecher aufzuheben. Das schaffen Netzschkau und Reichenbach nicht alleine. "Ich habe den sächsischen Ministerpräsidenten zur Brücke eingeladen, und hoffe, dass er uns dabei hilft, hier etwas zu entwickeln", sagt Purfürst. Michael Kretschmer (CDU) ist immerhin schon einige Male im Vogtland unterwegs gewesen und zeigt Interesse an der Region.

Megaprojekte möchte Purfürst dem sächsischen Regierungschef nicht in den Bauch reden. Ein Erlebnisbad, ein Kongresszentrum - der Bürgermeister kennt die Flops der vergangenen Jahre zur Genüge. "Gastronomie und Toilette während des ganzes Jahres, einen schöneren Spielplatz, Caravanstellplätze, bessere Radwege - damit wäre viel gewonnen." Purfürst schielt wohl auch deshalb nach Dresden, weil Hilfe aus dem Vogtland selbst eher nicht zu erwarten ist. Dabei ist dem Tourismusverband der Region die Bedeutung der Brücke durchaus klar. "Die Göltzschtalbrücke ist nicht nur ein Bauwerk von überregionaler Ausstrahlung, sie ist Wiedererkennungsmerkmal und Wahrzeichen für die ganze Region Vogtland", so Marketingleiterin Bärbel Borchert.

Die jetzige Lage schätzt man genauso kritisch ein wie der Netzsch-kauer Bürgermeister: "Allerdings ist es zunehmend wichtig, dass auch das touristische Umfeld einer solch bedeutenden Sehenswürdigkeit stimmig ist", so Borchert. "Gerade Wanderwege, Radwege, spektakuläre Aussichtspunkte, aber auch gastronomische Angebote, Parkmöglichkeiten, öffentliche Toiletten, ein ordentlicher und sauberer Gesamteindruck und so weiter gehören dazu."

Doch eine Etage höher, im Plauener Landratsamt, erklingt das Loblied auf die Brücke erheblich leiser. An dem von Netzschkau und Reichenbach geplanten Zweckverband zur besseren Vermarktung und Entwicklung der Brücke will man sich jedenfalls ausdrücklich nicht beteiligen, betont Landratsamts-Pressesprecher Uwe Heinl. An der Talsperre Pöhl und der Schanze in Klingenthal ist der Kreis auf diese Weise mit an Bord. Ein Fördermittelantrag für ein grundlegendes Entwicklungskonzept des Brückengeländes liegt seit rund einem Monat unbearbeitet auf einem Schreibtisch in der Plauener Behörde. Netzschkaus Bürgermeister nimmt es gelassen. Purfürst: "Beim Thema Brücke ist so lange nichts passiert. Und im Winter hätten wir eh nicht viel machen können."

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...