Bäckerei-Kunden erfüllen letzte Wünsche

Lengenfeld: Die Adventstombola von Verkäuferin Doreen Baumgärtel hat 3800 Euro eingespielt - Geld, das den Wünschwagen rollen lässt. Drei sterbenskranke Vogtländer freuen sich schon darauf.

Lengenfeld/Auerbach.

Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes ASB ist in diesem Jahr bereits einmal vom Vogtland aus gestartet, um einem todkranken Menschen einen letzten Wunsch zu erfüllen. Ein Mann aus Plauen wollte in der Bad Staffelsteiner Basilika Kerzen entzünden und in einem Restaurant Fränkisches Schäufele genießen. "Als klar war, dass wir ihm diesen Wunsch erfüllen können, hat er noch einmal mit eisernem Willen Laufen gelernt. Und auf der Fahrt nach Bayern konnten wir sogar auf die Zugabe von Sauerstoff verzichten. Er ist noch einmal richtig aufgeblüht", erzählt Diana Mattes von bewegenden Erlebnissen mit Menschen, denen der letzte Wunsch ihres Lebens erfüllt wird.

Die Geschäftsführerin des ASB-Vogtland mit Sitz in Auerbach und ASB-Ausbildungsleiterin Jana Schumann koordinieren den Einsatz des ausschließlich spendenfinanzierten Wünschwagens im Vogtland. In Kürze stehen die nächsten, von ehrenamtlich engagierten Rettungssanitätern und Pflegekräften begleiteten Touren an. Die Fahrten von drei sterbenskranken Vogtländern zu einem letzten Fußballspiel, zum Abschied von geliebten Wanderwegen und vom Rauschen der Ostsee können auch dank einer am gestrigen Donnerstag große Freude auslösenden Spende ermöglicht werden: Sage und schreibe 3794,16 Euro hat Verkäuferin Doreen Baumgärtel als Erlös ihrer traditionellen Adventstombola und eines Aktions-Flohmarkts beim Jahnsmüller-Bäck in Lengenfeld den Wünschewagen-Koordinatoren übergeben.

Geld, das für mehr als die drei Fahrten reicht. Wie Diana Mattes bei der Übergabe sagte, kostet eine Fahrt je nach Art des Einsatzes zwischen 200 und 2500 Euro - die etwa für Sprit, Eintrittsgelder oder Übernachtungen für den Kranken und eine Begleitperson ausgegeben werden. Der Einsatz des im Sitz des ASB-Landesverbandes in Leipzig stationierten und notfallmedizinisch bestens ausgestatteten Wünschewagens ist kostenlos, das achtköpfige medizinische und pflegerische Personal arbeitet wie die Koordinatorinnen in Auerbach ehrenamtlich. Seit dem ersten Einsatz des Wagens vor zwei Jahren wurden dank vieler Spenden acht Vogtländern letzte Wünsche erfüllt. Aufgrund der in jüngster Zeit verstärkten medialen Aufmerksamkeit rechnen Diana Mattes und Jana Schumann künftig mit ebenso verstärkten Nachfragen von Erkrankten und deren Familien. "Offenbar war der Wünschewagen bisher kaum bekannt. Dass es jetzt schon drei Nachfragen gibt, scheint ein Beleg dafür, dass sich das gerade ändert", sagte die Geschäftsführerin.

Eine, die eine große Aktie an der verstärkten Wahrnehmung des Themas hat, ist Doreen Baumgärtel. Die Jahnsmüller-Verkäuferin hatte vor und während ihrer mit Kollegin Peggy Grüner sowie weiteren Helfern in der Filiale an der Tischendorfstraße auf die Beine gestellten Adventstombola die Werbetrommel gerührt. Die Bäckerei-Kunden und einige kleinere Unternehmen der Stadt haben das honoriert und kräftig Lose für je fünf Euro gekauft. "Ich bin allen so dankbar, das Geld ist an genau der richtigen Stelle angelegt. Im Wünschewagen-Team arbeiten Engel, deren Einsatz nicht hoch genug einzuschätzen ist", sagte Doreen Baumgärtel, die auch den Reichenbacher Stricklieseln um Christl Kropf dankte - die acht Frauen hatten Gestricktes für die Tombola gespendet.

Die drei Vogtländer, die in Kürze mit dem Wünschewagen unterwegs sind, werden derzeit im Hospiz Falkenstein und in der Wachkoma-Station Auerbach betreut. Einer der drei, ein Mann aus Reichenbach, wünscht sich als Fan von Eintracht Frankfurt noch einmal Bundesliga-Atmosphäre. "Man kann sich nicht vorstellen, wie die Menschen noch einmal aufblühen, wie sie alle Kräfte mobilisieren, um das noch einmal erleben zu können. Der Glanz in ihren Augen, ihre Dankbarkeit und die ihrer Angehörigen, das gibt uns Begleitern mehr als es jede Bezahlung könnte", erzählte Jana Schumann von Fahrten, die Patienten und Begleiter oft in fast ausgelassener Stimmung vereinen. Die Stärke dieses wohl letzten Erlebens alltäglicher Freuden und das Gefühl der Verbundenheit mit Sanitätern und Pflegekräften erklärt wohl auch, dass während der Fahrt kaum die sonst erforderlichen Schmerzmittel gegeben werden. Jana Schumann: "Ich kenne eine Geschichte, da ist eine Patientin nach einer Fahrt wieder auf Station gekommen und dort sofort friedlich eingeschlafen, da waren die Begleiter noch da."

Doreen Baumgärtel: "Wer diese zu Herzen gehenden Einsätze unterstützen möchte, braucht nicht erst auf den nächsten Adventsmarkt bei uns warten. Spenden für den Wagen kann man das ganze Jahr."

Wünschewagen-Spendenkonto: IBAN: DE53 8602 0500 0003 5475 04; Verwendungszweck: Wünschewagen.

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