Bäckerei-Kunden zeigen Herz

Die Lengenfelder Verkäuferin Doreen Baumgärtel hat über ihre Adventsaktion 1070 Euro für das Falkensteiner Hospiz eingenommen. Das verspätete Weihnachtsgeschenk erfüllt auch letzte Wünsche.

Lengenfeld.

Die Adventsaktion in der Lengenfelder Bäckerei-Filiale Jahnsmüller ist kaum abgeschlossen, da ist Doreen Baumgärtel schon wieder beim Organisieren. Die Verkäuferin sammelt alle möglichen Dinge und Sachen für die nächste Advents-Tombola, deren Erlös erneut einem guten Zweck zu Gute kommt. "Ich denke da an den Wünschewagen des Arbeitersamariterbundes", erzählte Doreen Baumgärtel jetzt im gut gefüllten Laden an der Tischendorfstraße, in dem sich diesmal nicht nur Stammkunden die Klinke in die Hand gaben. Mitarbeiter vom Hospiz Vogtland in Falkenstein und dessen Trägerverein waren gekommen, um sich für die Spende im Rahmen der jüngsten Adventsaktion zu bedanken.

"Vor allen, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben, ziehen wir den Hut. Das war eine große Überraschung. Und wenn ich sehe, dass da schon wieder etwas in Vorbereitung ist, geht einem das Herz auf", sagte Sven Delitsch von der Diakonie Auerbach, dem Trägerverein des im Mai 2017 eröffneten Hauses. Der Vorstand sowie Hospiz-Leiter Christian Wilke nahmen 1070 Euro entgegen, die Doreen Baumgärtel initiativreich eingespielt hatte: mit dem Verkauf von gestrickten und gebastelten Präsenten sowie von selbstgekauften Präsenten. Unterstützung hatte sie dabei wie 2017 bei ihrer Premieren-Tombola-Aktion zugunsten der Krebsaktivistin Myriam von M. zum Beispiel von den neun Lengenfelder Stricklieseln um Christel Kropf, vom Pflegeheim Lengenfeld und der Kita Flohkiste erhalten.

Doreen Baumgärtel vergaß bei Geldübergabe und Gespräch auch nicht die große Schar der anderen Helfer. "Und natürlich gehört den Kunden ein großes Dankeschön, die all die Sachen gekauft und damit auch Herz gezeigt haben. Dass das Geld gut ausgegeben ist, das ist unser Weihnachten. Zusammenhalt, Füreinanderdasein, in guten und in weniger guten Zeiten, darauf kommt es an. Wir brauchen mehr von dem, was wirklich gebraucht wird." Und das ist weit weniger, als man im Hinblick auf das milliardenschwere Weihnachtsgeschäft glauben könnte. Daran ließen die Besucher aus Falkenstein keinen Zweifel.

"Die Gäste, die bei uns die letzten Stunden oder Wochen verbringen, die wollen keine Millionäre werden. Die möchten eine letzte schöne Zeit verbringen. Und dafür sind wir da. Und dafür verwenden wir dieses Geld", sagte Diakonie-Vorstand Sven Delitsch. Das heißt: Die 1070 Euro Spendengelder fließen in den Etat des Hauses, den die Kassenleistungen nicht ganz abdecken. Fünf Prozent der Ausgaben - 60.000 Euro jährlich - sind über Spenden zu generieren. "Das ist auch sinnvoll, das trägt zur Verankerung des Hospizes in der Gesellschaft bei", ergänzte Hospiz-Leiter Christian Wilke und nannte etwa Firmen, Vereine, Familien oder Angehörige von Gästen des Hospizes als Spender.

Das Heim für den letzten aller Wege bietet Platz für zwölf Gäste, die von ehrenamtlichen Helfern und festangestellten Pflegefachkräften rund um die Uhr in einem Personalschlüssel betreut werden, den kaum ein Pflegeheim bietet. Das erlaubt einen hohen Grad an Fürsorge und Hinwendung, sagte der Hospiz-Leiter. "Wir werden manchmal mit der Meinung konfrontiert, zu was es ein Hospiz gäbe, es gäbe doch genügend Pflegeheime. Das stimmt. Aber im Pflegeheim sterben die Menschen auch. Der Unterschied ist, wir nehmen uns bewusst Zeit für das Sterben." Und Sven Delitsch ergänzte: "Der Tod ist unausweichlich, aber der Weg dahin, der ist gestaltbar."

Im Hospiz Vogtland gehört dazu der Erhalt der Lebensqualität. So können Angehörige im Haus übernachten. Es gibt physiotherapeutische Angebote, die medizinische Betreuung sichert ein Arzt mit palliativmedizinischer Qualifikation ab. Christian Wilke: "Bei uns feiern wir auch in besonderer Art Jubiläen, sind es doch die letzten Feste im Leben eines Gastes. Oder wir erfüllen letzte Wünsche. Zum Beispiel nach einem letzten Wiedersehen mit dem geliebten Tier, das vor dem Gang ins Hospiz in einem Tierheim abgegeben werden musste. Dafür und für die Möglichkeit eines Abschiednehmens in Würde schlägt uns oft tiefe Dankbarkeit entgegen."

Eine Aussage, der die Verkäuferin sofort zustimmt. "Das haben mir genau so Kunden erzählt, deren Angehörige Gäste des Hospizes waren. So bin ich überhaupt auf die Idee der Adventsaktion gekommen." Für dieses Jahr steht das Aktionsziel bereits früh fest: Der spendenfinanzierte Wünschewagen des Arbeitersamariterbundes erfüllt Wünsche von Menschen in der letzten Lebensphase. Sei es eine letzte Fahrt an die See oder zu einem Fußballspiel. Doreen Baumgärtel: "Ich bin sicher, auch da zeigen unsere Kunden wieder Herz."

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...