Barockmusik an der Orgel glänzend interpretiert

Jolanda Zwoferink beschließt in Mylau Sommerprogramm

Von Volker Müller

Mit viel Liebe zum Detail, jeden Takt auf Händen tragen, alle Ökonomie vergessen, immer alles geben wollen - wohin solches intensive Bemühen Musiker führen kann, das war am Montagabend in der Mylauer Stadtkirche zu erleben: Dort bot in einem Konzert des 32. Reichenbacher Orgelsommers die Rotterdamer Organistin Jolanda Zwoferink mit solcher Hingabe ein Programm mit Kompositionen aus der Barockzeit.

Es war dabei für die Zuhörer sicher manchmal nicht leicht, dem Gang der reichhaltigen Kompositionen lückenlos zu folgen. Dafür bekam das Publikum jedoch das Große und Ganze um so ein eindrücklicher mit. Die unglaubliche Farbigkeit, Kraft und Vitalität dieser reichhaltigen Musik war intensiv zu spüren. Und das geschah, ohne dass die prominente niederländische Musikerin die dynamischen Möglichkeiten der Mylauer Silbermannorgel über Gebühr strapazierte. Laut und leise, voller und gedeckter Klang wechselten sich bei ihrem Konzert einvernehmlich ab. Wenn gelegentlich die Bassgänge mit großer Macht doch in den Vordergrund rückten, lag das dann vor allem an der Schönheit und der Fülle des Tons und kam zudem den vorgestellten Stücken ausnahmslos zugute.

Da wurde der norddeutsche Meister Nicolaus Bruhns mit seinem quirligen Präludium und Fuge in e-Moll ebenso bedacht wie der einst in Paris wirkende und deutschstämmige Jean-Adam Guilain. Von ihm war eine kurzweilige, geistvolle Suite zu hören, die unwillkürlich erfreute. Choralvorspiele des Thüringers Georg Böhm, des Lehrmeister Johann Sebastian Bachs in Lüneburg, waren mit ergreifender, auf jeden äußeren Effekt verzichtende Art und Weise vertreten.

Der letzte Programmpunkt blieb dem eben erwähnten Schüler vorbehalten. Bachs grandioses Spätwerk Präludium und Fuge c-Moll BWV 546 erklang in einer meisterhaften Interpretation. Dabei wurde die virtuose Seite glänzend bewältigt und die imposante Architektur der Partitur zudem plastisch herausgearbeitet. Man konnte sich angesichts des Werkes auch ein Bild von der so manches Rätsel aufgebenden, faszinierenden Persönlichkeit des Komponisten machen. Die gut 60 Zuhörer spendeten langen bewegten Beifall.

Mit diesem Abend ging der 32. Reichenbacher Orgelsommer zu Ende, der großes Interesse beim Publikum gefunden hatte. Insgesamt zählte man bei den sechs Konzerten rund 800 Besucher.

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