Bauern droht drittes Trockenjahr

Frostschäden bei Raps und Wintergetreide, staubtrockene Äcker vor der Maisaussaat und verkümmertes Grünfutter: Schon jetzt zeichnen sich im Vogtland Ernteausfälle bis zu 50 Prozent ab.

Zwei Frostwellen mit bis zu minus zwölf Grad haben dem Raps auf den vogtländischen Feldern nach einem milden Winter zugesetzt. Im oberen Vogtland sind die Schäden so deutlich, dass Michael Kilian, Geschäftsführer der Agro-Dienst-Marktfrucht Gesellschaft Markneukirchen mit Ernteeinbußen von mindestens 20 Prozent rechnet. "Die Stängel sind aufgerissen, der Haupttrieb zum Teil weggeknickt", so Kilian. Rapspflanzen könnten zwar Nebentriebe bilden, doch momentan fehle den Pflanzen das Wasser dafür.

Auch eine andere Kultur, bei der Kilian niemals mit Schäden gerechnet hätte, ist um 50 Prozent dezimiert: der Spitzwegerich. Der Betrieb kultiviert die robusten Wildpflanzen zur Samengewinnung. Die Neuansaat aus dem vorigen Jahr sei gut aufgegangen und über den Winter gekommen. Nach den Frostwellen habe ein Teil der Pflanzen wie gefriergetrocknet ausgesehen.

In den nächsten Tagen steht die Aussaat des Maises bevor. Kilian: "Die Felder sind staubtrocken." Retten könnte die Landwirte nur Regen, mindestens 30 bis 40 Liter, "aber nicht alles auf einmal, sondern über mehrere Tage verteilt", so Kilians Wünsche. Denn bleibt der Regen aus, werden aus den 20 Prozent Ernteeinbußen beim Raps 50 Prozent.

Aufgerissene Rapsstängel hat auch Daniel Hirsch auf den Feldern der Agrargenossenschaft "Am Kuhberg" in Coschütz festgestellt. Hirsch ist deren Vorsitzender und gleichzeitig Chef des vogtländischen Regionalbauernverbandes. Rund um den Kuhberg seien die Schäden aber nicht so stark wie im Oberland. Der gesamten Region fehle aber der Regen, sagt auch er.

Hirsch hat an einem Teil des Wintergetreides schon die ersten Trockenschäden festgestellt. "Statt das vegetative Wachstum voranzutreiben, was um diese Jahreszeit normal wäre, geht der Weizen schon in die generative Phase über", erklärt er. Der Weizen schiebt demnach schon eine Ähre, anstatt in die Höhe zu wachsen und Blattmasse zu bilden. Die Folge dieser viel zu früh einsetzenden Fortpflanzung sind kleine und schmächtige Körner. Insgesamt gestalte sich die Ausgangssituation für die Landwirte dieses Jahr schlechter als 2018 und 2019.

Frostschäden an der Wintergerste, eher leichte Schäden beim Raps - so die Bilanz im Milchgut Triebtal bei Falkenstein aus. Geschäftsführer Steffen Luderer schaut aber wie alle anderen bange gen Himmel: "Wenn wir den Mais aussäen, braucht auch diese Kultur unbedingt Wasser." Kleiner Lichtblick bei der Marienhöher Milchproduktion Agro in Waldkirchen: Hier sieht der für die Agrarkulturen Verantwortliche Phillip Weinitzke weniger große Probleme. "Unsere regenerative Bewirtschaftungsmethode trägt erste Früchte. Das Wasserspeichervermögen des Bodens ist besser geworden. Die Winterkulturen zeigen noch keinen Trockenstress." Aufgeplatzte Rapsstängel infolge tiefer Nachttemperaturen gibt es aber auch im nördlichsten Zipfel des Vogtlandes.

Worauf Weinitzke mit Sorge blickt, sind die Folgen der Dürre auf dem Grünland. Dort ist noch nicht viel gewachsen. "Mitte Mai müssen wir das erste Mal schneiden. Die Futtervorräte sind aufgebraucht."

1Kommentare

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  • 3
    5
    Tauchsieder
    27.04.2020

    Hatten wir früher keinen Frost, wie kam damals der Raps über den Winter?
    Es gibt kein Wetter das den Bauern passt!