Bauhaus-Spuren: Fotograf entdeckt Reichenbach neu

Das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus bot für Carsten Steps Anlass, nach Einflüssen der Kunstschule in der Architektur der Stadt zu suchen. Ein Bild vom Ergebnis kann man sich jetzt im Rathaus machen.

Reichenbach.

"Bauhaus. Spurensuche in Reichenbach" ist die Fotoausstellung von Carsten Steps betitelt, die am Donnerstagabend im Foyer im 1. Stock des Rathauses eröffnet wurde und dort bis zum 22. November gezeigt wird. Sie setzt den Schlusspunkt unter die Aktivitäten zu "100 Jahre Bauhaus in Reichenbach", bei denen die Vereine Kunsthalle Vogtland, Aqua et Natura, das Neuberinhaus und die Stadtverwaltung zusammenwirkten. Seit Mai fanden zwei Vorträge im Alten Wasserwerk und zwei Bustouren statt.

Frank Lorenz, künstlerischer Leiter der Kunsthalle Vogtland, erinnerte bei der Vernissage vor 30 Gästen wie das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus neue Ideen fürs Bauen entwickelte. Das gelang, indem man Kunst und Handwerk zusammenführte und mit Stahl, Glas und Beton neue Materialien nutzte.

Echte Bauhausarchitektur findet sich laut Landesamt für Denkmalschutz in Reichenbach nicht. Doch Architekten und Baumeister, allen voran Rudolf Ladewig, Curt Feiler und Fritz Löffler, ließen sich von den Bauhaus-Ideen beeinflussen. So lassen sich zahlreiche Bauten der Klassischen Moderne, dem Neuen Bauen und der Neuen Sachlichkeit zuordnen. "Mit Wasserturm, Marien-Kirche, Trauerhalle und Textilfachschule können wir Reichenbach durchaus als Hochburg der Architektur der Moderne des 20. Jahrhunderts bezeichnen", so Lorenz.

Carsten Steps aus Netzschkau, der es sonst als europaweit tätiger Event-, Werbe- und Pressefotograf gewohnt ist, Augenblicke festzuhalten, fing für die Ausstellung Motive für die Ewigkeit ein. Auf der Spurensuche in Reichenbach hat er die Stadt neu entdeckt. Er verzichtete auf eine reine Dokumentation der Bauten. Aus extravaganten Perspektiven schoss er Detailaufnahmen, reduziert auf Formen, Elemente und Strukturen, und vereinte sie zu 17 Collagen. "Ich habe bewusst mit den Bauhaus-Formen und -Farben gespielt", sagte er. Kreis, Viereck und Dreieck finden sich ebenso wie die Farben Blau, Rot und Gelb. Hinzu kommen Schwarz-Weiß-Fotos. Das Zentrum der Schau bildet eine drei Meter lange, mit 26 Motiven bedruckte Aluminiumplatte, die die Bauhaus-Idee der Einheit zwischen Material und Design aufgreift.

"Inspiriert haben mich vor allem zwei Dinge. Zum einen ein Besuch der 1929 errichteten Villa Löffler in der Schlachthofstraße, deren Innengestaltung auch farblich bis heute erhalten ist: Blau, Rot und Gelb. Zum anderen ein Cubelight, ein 2012 designtes Lichtobjekt, das auf dem Bauhaus-Prinzip aufbaut und zig Farbkombinationen erlaubt. Bianca Böttcher, die mit Christoph Zöbisch die alte Orchesterschule und Sternwarte in Mylau ausbaut, hatte mir eines geliehen", erklärte Steps. Der Reigen seiner Fotos spannt sich vom Wasserturm über Eisenbahnersiedlung, Höhere Textilfachschule, Trauerhalle, Villa Löffler bis zu Buswagenhalle, Marien-Kirche und Orchesterschule/Sternwarte. Mehr als 70 Motive flossen in die Schau ein.

Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) lobte die Aktivitäten zum Bauhaus-Jubiläum und die gelungene Ausstellung. "Sie macht neugierig, die Objekte selbst zu besuchen", sagte er. Die Stadt sei interessiert, einige Werke anzukaufen.

Der Katalog zur Ausstellung "Bauhaus. Spurensuche in Reichenbach" ist für 8 Euro an der Kasse im Neuberinhaus zu haben.

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