Behörden-Klos: Zwei Extreme im Vergleich

Hier läuft das Geschäft: Im neuen Landratsamt in Plauen gibt es 100 Toiletten. Und hier läuft das Geschäft nicht: In München muss ein Hochsicherheitsgerichtssaal schließen, weil er zu wenig Klos hat.

Plauen.

In wenigen Tagen zieht die Kreisverwaltung um. Zumindest die Sanitär-Ausstattung dürfte diesen Plänen nicht im Weg stehen. Das neue Landratsamt ist gut mit Toiletten bestückt: 100 Klos gibt es für 600 Mitarbeiter und Besucher, das ging im November durch die Presse. Dass eine großzügige Sanitär-Ausstattung peinliche Pannen verhindern kann, zeigt ein Blick nach München. Dort ist jetzt ein neu gebauter Gerichtssaal mangels Toiletten geschlossen worden.

Die Münchener Abendzeitung schreibt von der "Stadelheimer Pinkel-Panne" und nennt den teuren Bau einen "Griff ins Klo". "Vielleicht könnte das Landratsamt dort mit Toiletten aushelfen", scherzt Thomas Klein, dem die Meldung aus München über den Weg gelaufen war. Dabei habe er sofort an das Landratsamt in Plauen denken müssen.

Der Zeitungsbericht über die vielen Toiletten im Horten-Gebäude hatte einige Vogtländer zu zynischen Bemerkungen inspiriert. Der Kaffee drücke auf die Blase, spöttelten sie. Die Nachricht aus Bayern zeigt, dass die Rolle von stillen Örtchen in Behörden nicht zu unterschätzen ist. In den Hochsicherheitsgerichtssaal auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Stadelheim passen 250 Menschen. Es gibt dort sechs Toiletten, schreibt die Münchener Abendzeitung. Das Blatt zitiert die Sprecherin des Oberlandesgerichts München mit dem Satz, es handele es sich um eine unzureichende Ausstattung.

Der Saal in der bayerischen Landeshauptstadt hat rund 17 Millionen Euro gekostet und steht seit September. Nach dem ersten Verhandlungstag Mitte November ist er geschlossen worden. Grund sei der Toiletten-Mangel, heißt es. Im Probebetrieb lief es, da habe man den Engpass nicht erkannt. Wie lange er geschlossen bleibt, ist unklar.

Der Spezial-Gerichtssaal gilt bundesweit als Besonderheit. Verhandelt werden soll dort gegen mutmaßliche Terroristen, die einzeln auf Toilette geführt werden müssen.

Die Mitarbeiter des Plauener Landratsamts können sich auf 27 Sanitärräume, 72 Waschbecken und 100 WCs freuen. Damit dürfte das Gebäude über die größte Ansammlung an Toiletten in der Plauener Innenstadt verfügen. Planungsgrundlage der Behörde war eine Arbeitsstättenrichtlinie. Daran orientiere sich der Bau, teilte die Sprecherin der Kreisbehörde mit. Vorgeschrieben werden in dieser Richtlinie mindestens elf Toiletten für 250 Beschäftigte desselben Geschlechts. Je 30 weitere Mitarbeiter müsste eine Toilette hinzukommen, was darauf schließen lässt, dass die Vogtländer an Toiletten nicht sparen wollten.

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