Besuch bei einer fast Hundertjährigen

Frauenpower prägt die Firma Emil Reiher Spirituosen in Lengenfeld. Zwei Landtagsabgeordnete der Linken interessiert das.

Lengenfeld.

Im nächsten Jahr feiert das Traditionsunternehmen Emil Reiher Spirituosen an der Polenzstraße in Lengenfeld sein 100-jähriges Bestehen. Ohne Frauenpower wäre das undenkbar. Denn aktuell stemmen mit Inhaberin Elke Bretschneider (69), einer gelernten Textil-Ingenieurin, und Jana Grenzendörfer (41), die Berufsschullehrerin ist, die Enkelin und Urenkelin des Firmengründers die Arbeit.

"Seit 1947 sind wir in diesem Haus", sagt Inhaberin Elke Bretschneider, als sie gestern zwei Landtagsabgeordnete der Linken auf deren Sommertour begrüßte: Luise Neuhaus-Wartenberg aus Leipzig und Janina Pfau aus Mechelgrün. Emil Reiher hatte 1919 einen Steinwurf entfernt seinen Wein- und Lebensmittelhandel eröffnet und ließ sich in die Geheimnisse der Destillation von Spirituosen einweihen. Sein Sohn Horst Reiher übernahm 1948 den Familienbetrieb, der in der DDR vorwiegend Trinkbranntwein für Bergleute, sprich Wismut-Fusel, herstellte. Geliefert wurde bis nach Gera, Ronneburg und Zwickau. 1988 kamen 1680 Hektoliter Trinkbranntwein und 660 Hektoliter Privatschnaps aus Lengenfeld.

Den einstigen Trinkbranntwein gibt es auch heute noch: als Lengenfelder Grubenbrand. Neun verschiedene Spirituosen werden heute bei Emil Reiher hergestellt. Die bekannteste ist der Moosmann Kräuterlikör, der über 20 Kräuter in sich vereint. Vor zwei Jahren bekam er die Moos-Fee zur Seite gestellt. Der Gesamtausstoß beträgt heute aber mit 70 bis 80 Hektolitern pro Jahr nur noch drei Prozent im Vergleich zu den Hoch-Zeiten. Vieles ist bis heute Handarbeit, bis hin zum Verschließen und Etikettieren der Flaschen.

Luise Neuhaus-Wartenberg zeigte sich beeindruckt davon, in welcher Größenordnung in der Mini-Firma produziert wird. Den Geschmack der Besucherin aus Leipzig traf vor allem der "Zweitakter", ein Kümmeldestillat mit Rum. "Regionale Produkte sorgen mit ihrer Qualität und Originalität dafür, dass wir uns zuweilen wohl fühlen können. Doch die überwiegend sehr kleinen Betriebe haben mit Problem zu kämpfen", weiß sie.

Elke Bretschneider gab den Besucherinnen auf den Weg, dass die Politik Traditionsunternehmen stützen sollte. Probleme gebe esmit dem Internet, das am Wochenende ausfällt und mit Abmahnvereinen, die gegen das "bekömmlich" auf dem Etikett des Moosmann-Likörs vorgingen. Gedanken an einer Vergrößerung der Firma oder die Kombination mit einer Gastronomie scheiterten bislang an der Finanzierung.

Im Jubiläumsjahr 2019 will die Firma Emil Reiher Spirituosen ein neues Produkt auf den Markt bringen und einen eigenen Spezialitäten-Laden eröffnen.

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