Bibliothek gewährt Blick zurück

In den 140 Jahren des Bestehens der städtischen Bücherei in Reichenbach hat sich viel verändert. Was, das zeigt eine Ausstellung anlässlich des Jubiläums.

Reichenbach.

Hans-Jürgen Glaß aus Mylau kommt alle 14 Tage in die Jürgen-Fuchs-Bibliothek nach Reichenbach. Er leiht Bücher und Zeitschriften aus. Auch zur Jubiläumsfeier kam der Senior kurz herein, um etwas abzugeben und nach einer Zeitung Ausschau zu halten. Beim eiligen Gang in Richtung der Regale bemerkte er die Ausstellung zum 140-jährigen Bestehen der Bibliothek, die an diesem Tag das erste Mal zu sehen war. "Oh, ich gratuliere", rief er den Mitarbeiterinnen der Bibliothek zu. Ihm hätten die Damen der städtischen Einrichtung eigentlich auch gratulieren können, denn er gehört seit 60 Jahren zu den aktiven Nutzern einer Bibliothek, früher in Mylau, die letzten Jahrzehnte in Reichenbach.

Den Umzug der Einrichtung von der Reichenbacher Museumsstraße an die Bahnhofstraße und schließlich an den Markt hat er genauso mitgemacht, wie Antje Böhm. Sie arbeitet zwar erst seit vier Jahren in der Bibliothek, Leserin ist sie aber schon seit ihren Kindertagen. Auch sie kennt noch das alte Gebäude an der Museumsstraße mit bröckliger Fassade, von dem es ein Foto in der kleinen Schau zu sehen gibt. "Jetzt ist die Bibliothek viel größer, schöner, heller und freundlicher", verweist Antje Böhm auf das Ambiente im Erdgeschoss des Rathauses.

Seit der Gründung der Bibliothek vor 140 Jahren hat sich viel verändert. Auch das ist den beiden Aufstellern mit Dokumenten zu entnehmen. Antje Böhm: "Die Benutzungsordnung von 1925 liegt uns im Original vor." Und: "Damals durfte jeder Nutzer nur maximal drei Bücher ausleihen. Die Bibliothek hatte nur abends anderthalb Stunden geöffnet. Die Ausgabe erfolgte über den Tresen. Auch das ist auf einem der Fotos noch gut zu erkennen. Das heißt, die Besucher konnten sich nicht frei zwischen den Regalen bewegen. Und es war üblich, das nicht gesprochen wurde. Maximal leises Flüstern war erlaubt." Das alles hat sie bei der Beschäftigung mit den Gepflogenheiten von damals herausgefunden. Auch ein alter Karteikasten ist erhalten und ausgestellt: In der analogen Welt von damals legten die Bibliothekare für jedes Buch eine Karteikarte an, die mit der Schreibmaschine beschriftet wurde. Junge Besucher wissen davon kaum noch etwas. Heute ist alles Wissen über die Inhalte der Bibliothek online gespeichert und ebenso abrufbar. Antje Böhm: "Das heißt, der Nutzer kann sich im Internet anschauen, welche Medien wir haben und was davon auch verfügbar ist."

Doch viele Besucher lieben es, zwischen den Regalen zu stöbern. So auch Hans-Jürgen Glaß. Er liest gern querbeet und das mindestens zwei Stunden täglich. "Zuletzt habe ich ein Buch über die Familie Weizsäcker gelesen", berichtet der Senior.

Welche Art von Literatur die Leser bevorzugen, wissen Antje Böhm und die anderen vier Mitarbeiterinnen genau: "Wir orientieren uns bei Neuanschaffungen an Bestsellerlisten aber auch an den Wünschen unserer Nutzer. Regionale Literatur spielt auch eine wichtige Rolle." Manchmal gebe es auch Nachfragen nach Klassikern von Schriftstellern wie Franz Kafka oder Leo Tolstoi. Einige Leser nutzen auch die Möglichkeit der Fernausleihe. Die Recherche, meist nach Fachbüchern, erfolge dann deutschlandweit.

Neben Bücher oder Schallplatten sind längst elektronische Medien, dazu zählen auch Spiele, verfügbar - mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent zu dem 62.800 Stücke umfassenden Fundus. Den nutzen etwa 2100 Besucher. Selbst das Ausleihen von Filmen über ein Streaming-Portal gehört zum Alltagsgeschäft.


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