Bilder zeigen Umbruch von 1989

Die Landeszentrale für politische Bildung präsentiert in Mylau eine Ausstellung zur politischen Wende. Der Blick auf die Ereignisse ist umfassender als gewohnt.

Mylau.

Die Wanderausstellung "1989 Zeitenwende: Osteuropa zwischen Friedlicher Revolution und Gewalt" der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung ist in der Burg Mylau zu sehen. Marie-Theres Ueberlein von der Landeszentrale sagte dazu: "Wir wollten die Zeitenwende 1989/90 anders beleuchten, als das bei vielen Veranstaltungen gemacht wurde, wo Deutschland oder lokale Initiativen im Mittelpunkt stehen."

Die Ausstellung beschränkt sich deshalb nicht auf die DDR und die BRD, sondern ordnet den damaligen Prozess in den gesellschaftlichen Wandel des ehemaligen Ostblocks ein. Mirko Krizanovic, als Kroate im heutigen Serbien geboren und in Deutschland lebend, war damals Fotograf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und vorwiegend im Lokalbereich tätig. 1989 ergab sich für ihn jedoch die Möglichkeit, seinen Aktionsradius in Richtung Osteuropa zu erweitern. So entstanden Bilder in Rumänien oder Ex-Jugoslawien. Im Interview, das im Begleitheft zur Ausstellung abgedruckt ist, sagte er: "Die Revolutionen im Osten waren für mich eine Art professioneller Trance-Zustand. Man ist von einem Flecken zum anderen gereist, immer dahin, wo gerade etwas los war, um die Entwicklung zu dokumentieren." Manche Bilddokumente sind zufällig entstanden wie das vom Aufbruch der abrückenden Sowjetarmee in Bad Langensalza, andere in Rumänien oder Kroatien auf Recherchereisen. Heute ist Krizanovic freier Fotojournalist mit Ateliers in Darmstadt und Sainte Marie-en-Chanois/Frankreich.

Die Fotos bilden ein Stück Geschichte blitzlichtartig ab, deshalb bedurfte es eines erklärenden Textrahmens. Dieser stammt von Tim Buchen aus Dresden. Der Professor ist Osteuropaexperte. Bei der Ausstellungseröffnung hielt er einen Impulsvortrag, in dem er Erkenntnisse der Wissenschaft beleuchtete und provokante Thesen aufstellte. So setzte er sich mit dem Beginn der politischen Wende in Europa auseinander, der lange vor dem Mauerfall lag. Er meinte: "Es kam sehr überraschend für Laien und Experten, wie schnell der Sozialismus kollabierte. Wenn wir mit 30 Jahren Abstand darauf blicken, ist es überraschenderweise nicht mehr so überraschend." Er nannte Namen und Ereignisse wie Gorbatschow mit Glasnost und Perestroika, Lech Walesa und die Proteste in Polen, wirtschaftliche Probleme im Ostblock und die bereits eingetretene Abhängigkeit von harter Währung. Nicht überall sei die Zeitenwende so friedlich wie in Deutschland oder Tschechien verlaufen. Der Katalog zur Ausstellung, die zuerst in der Prager Botschaft stand, enthält neben Fotos und weiteren Informationen auch die Texte von Tim Buchen.

Marie-Theres Ueberlein und Tim Buchen äußerten sich begeistert über die Mylauer Burg. Beide waren noch nie im Vogtland. Buchen: "Ich bin beeindruckt, dabei habe ich noch nie etwas von dem Ort hier gehört." Die Mitarbeiterin der Landeszentrale meinte: "Ich war noch nie im Vogtland. Die Burg ist ein sehr schöner Platz für die Ausstellung." Futurum-Geschäftsführer Siegfried Kost bedauerte, dass nur wenige Neugierige den Weg in die Burg fanden. Er hofft auf zahlreiche Besucher in der Ausstellung, die sich auch für Schüler und Lehrer eignet.

Bei der Vernissage wurde der Film "Aufbrüche" von Tino Peisker gezeigt, der vor allem die Wendezeit in Plauen betrachtet und Zeitzeugen zu Wort kommen lässt. Zur Finissage am 4. Januar, 14 Uhr, ist der Film noch einmal zu sehen.

Die Ausstellung kann bis 3. Januar während der Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden: samstags, sonntags, dienstags, mittwochs und donnerstags, 11-17 Uhr. Montags und freitags ist geschlossen.

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