Bilder zeugen von Lust an Schönheit

Der Elsterberger Künstler Peter Zaumseil präsentiert eine Ausstellung im Neuberinhaus Reichenbach. Selbst Kenner zeigten sich überrascht.

Reichenbach.

Einen Dreiklang aus Kunstwerken, Tanz und Rede, der stimmiger nicht sein konnte, erlebten die etwa 150 Gäste bei der Vernissage zur Ausstellung "Lust und Last" mit Werken des Elsterberger Künstlers Peter Zaumseil im Neuberinhaus. Gabriele Bocek und Cornelia Kluge bewegten sich dabei um Zaumseils Tänzerinnen-Skulpturen im Foyer des Musentempels. Sie hatten dafür die Mittelpassage aus dem Stück "Körper" des Mondstaubtheaters ausgewählt, ergänzt um einen Teil, der sich mit dem Thema "Lust und Last" auseinandersetzte.

Zarte Umarmungen wechselten mit handfesten Ringkampfszenen. Dem Aufeinanderzugehen folgte das Auseinanderdriften, der Last die Lust und umgekehrt. Gabriele Bocek zur Choreographie: "Wir kannten nur wenige Bilder und haben uns im Vorfeld mit dem Thema beschäftigt."

Die Laudatio hielt Linn Kroneck, die Leiterin des Grafikmuseums Bad Steben, das Zaumseils künstlerischen Vorlass mit mehr als 1800 Werken verwaltet. Sie philosophierte über die Begriffe Last und Lust, die sich genauso zu widersprechen wie zueinander zu gehören scheinen. Last mit Lust, Lust trotz Last, Liebe, Tragödie, Laster, Mordsspaß - all das verortete sie in den Kunstwerken von Zaumseil. Mal seien es ekstatisch überdehnte Haltungen, mal sei es das Spiel mit Nähe und Distanz, mal das anzügliche Räkeln auf einem Sessel. Immer aber "lockt das Weib, verlockt, frohlockt", sagte sie zu den Frauenbildern. Die Ausstellung umfasst jedoch viel mehr. Da habe sich über Jahrzehnte ein vielseitiges Oeuvre angehäuft. Zaumseil zeige, dass die Lust auf Kunst ihm wenig Last beschere.

Der Journalist Volker Müller begeisterte sich für die Bäume, die zusammen mit seinen Gedichten in einem Kunstbuch "Lob der Bäume" zusammengefasst sind. Sechs der elf Bilder hängen im Saalfoyer vor dem linken Eingang. Oder für die Darstellung von Parkmotiven in den vier Jahreszeiten. Müller: "Ich bin überrascht, denn ich dachte, es gibt nichts Neues mehr. Hier habe ich Baum-und Gehölzdarstellungen gefunden, die ich in dieser Form und Farbenpracht noch nicht gesehen habe." Zaumseil gehöre für ihn in die Reihe der vogtländischen Künstler, bei denen zum Handwerk etwas ganz Eigenes komme und die das Gefühl geben, dass sich Kunst weiterentwickelt.

Gerald Prause aus Langenweißbach/Erzgebirge zeigte sich fasziniert vom Triptychon Kette I bis III, bei dem Druckstöcke, so genannte verlorene Formen, als Untergrund für den Druck dienen. Er sagte dazu: "Ich weiß, wie so etwas entsteht und habe Hochachtung vor dieser schwierigen Kunst. Man muss alles vorher im Kopf haben und sich immer in die nächste Farbe denken." Vermisst habe er Bilder aus dem Jahr 2018. Allerdings wusste er auch zu berichten, dass Zaumseil jetzt ein halbes Jahr mit dem Künstlerbuch "Don Quichotte" beschäftigt war.

Frank Lorenz vom Verein Kunsthalle Vogtland hatte die Besucher begrüßt. Er sagte: "Unser Ziel ist es, sowohl überregionalen als auch regionalen Künstlern eine Plattform zu bieten. Nach den internationalen Künstlern der vergangenen Ausstellung zeigen wir jetzt Werke eines nicht ganz unbekannten Künstlers aus dem Vogtland." Zaumseil sagte zu den Helfern: "Ich habe 30 Jahre im Museum gearbeitet und Erfahrung, aber wie die hier die 70 Bilder in drei Stunden gehängt haben, das war höchst professionell."

Die Ausstellung ist bis zum 1. November im Neuberinhaus an der Weinholdstraße 7 in Reichenbach zu sehen und kann während der Kassenöffnungszeiten oder eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn betrachtet werden. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...