Bücherschreiben ist Geschichte

Mit dem soeben erschienenen zehnten Band hat Falkensteins Mundartautor Eberhard Navratil seiner Heimat-Serie ein Ende gesetzt.

Falkenstein.

Auch wenn der Titel "Des woars frs Erschte" Raum für Interpretation lässt, Eberhard Navratil meint es ernst: Das jetzt veröffentlichte zehnte Werk seiner Heimatbücher-Serie ist das letzte. Schon länger trug sich der Falkensteiner Mundartdichter mit dem Gedanken, einen Schlussstrich zu ziehen. Allerdings wollte er seine Fangemeinde so lange wie möglich mit Gedichten und Geschichten unterhalten. Es falle ihm schon schwer, den Stift nach zwölf Jahren beiseite zu legen, sagt Eberhard Navratil. "Aber mir fehlt inzwischen auch die Zeit. Gesundheitlich ist in der Familie etwas eingetreten, das dagegen spricht, weiterzumachen." Viele haben ihm nach jeweils einjähriger Wartezeit auf Neues die Lektüre geradezu aus der Hand gerissen. Navratil schaffte es, nicht nur Leser und Zuhörer seiner Generation zu begeistern. Sondern auch junge Menschen. Buchvorstellungen in Schulen waren ihm besonders wichtig. Schließlich leitete ihn neben der Freude am Schreiben auch die Bewahrung seines Heimat-Dialektes.

Mit Scharfsinn und humoristischer Ader beackerte Eberhard Navratil allerhand Felder: Er erzählte aus seiner Kindheit und Jugend, beobachtete, was um ihn herum, in der Natur, der Gesellschaft und in der kleinen und großen Politik vor sich ging. Im letzten, 120-seitigen Akt ist die Bandbreite genauso groß. Er schreibt über den Einfluss der Unternehmerfamilie Trützschler, über einen Tornado, der 1998 auch in Falkenstein Schäden anrichtete, über die Falkensteiner Talsperre und die gemeinschaftliche Weihnachtsbaum-Entsorgung. In insgesamt mehr als 500 handschriftlich verfassten und genauso gedruckten Gedichten und Geschichten brachte Navratil zu Papier, was ihm durch den Kopf ging. Fotos, Skizzen und Worterklärungen für weniger sattelfeste Dialekt-Leser machen die Bücher rund. 2300 Seiten kamen über die Jahre zusammen.

Sein Hobby komplett an den Nagel hängen, das will Eberhard Navratil, der diese Woche seinen 80. Geburtstag feiern konnte, nicht. Der treuen Fangemeinde bleibt er vor allem mit Beiträgen für das Amtsblatt erhalten. In solchen Fällen weicht der Falkensteiner übrigens gerne mal von guten Vorsätzen ab: "Da schreibe ich auch in Hochdeutsch."

Service "Des woars frs Erschte" ist bei Concepcion Seidel erschienen und kann unter Telefon 03745 73008 bestellt werden.

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