CDU-Stadtrat: Flüchtlinge besser verteilen

Speed-Dating in Plauen: Auch Reichenbach und Auerbach gefordert

Plauen.

Eine Frage ihrer 13-jährigen Enkelin hatte Karin Lotze mitgenommen zum ersten Politiker-Speed-Dating auf dem Altmarkt: "Sie möchte wissen, wieso immer schon so viele Ausländer am Tunnel sitzen, wenn sie früh um 7 in die Schule fährt", so gab die Oma es wieder. "Haben die denn nichts zu tun?" Jörg Schmidt, CDU-Fraktionschef im Plauener Stadtrat, konnte das natürlich ohne Kenntnis der Personen im Einzelnen auch nicht sagen, sieht aber allgemein in Plauen "die Grenzen des Machbaren" in Sachen Integration von Flüchtlingen erreicht. Angesichts von 2200 Asylsuchenden in Plauen müsse der Kreis der Stadt unter die Arme greifen: "Da müssen Auerbach und Reichenbach eben auch paar nehmen."

Das Thema Ausländer spielte in vielen Gesprächen beim ersten Speed-Dating des Runden Tisches für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage eine wichtige Rolle. Zehn Tische hatten die Veranstalter aufgebaut, neun Politiker von CDU, SPD, Linke, Bündnis 90/Grünes sowie ein IHK-Vertreter standen rund 80 Bürgern im persönlichen Gespräch Rede und Antwort. Regelmäßig wechselten die Ansprechpartner die Tische, so dass im Laufe des Abends jeder Bürger mit jedem Politiker in Kontakt kam. Auch Moderatoren des Runden Tisches waren im Einsatz, hatten aber wenig zu moderieren: Es ging ohnehin höflich und sachlich zu - auch in der Flüchtlings-Debatte, die doch sonst schnell die Emotionen kochen lässt.

Karin Lotze fand das Ganze sehr interessant und zeigte sich überrascht von der Offenheit der Politiker. Auch Tischnachbarin Heike Taubner war zufrieden: "Gut, dass hier mal Stellung bezogen wird." Wer gekommen war, der wusste, dass es keine einfachen Antworten auf komplizierte Fragen gibt. So wies Heike Taubner darauf hin, dass das Alkoholverbot im Plauener Zentrum bisher vor allem dazu geführt hat, dass nun am Theaterplatz weitergetrunken wird. CDU-Mann Schmidt hofft in diesem Zusammenhang vor allem auf das neue sächsische Polizeigesetz, das Beschränkungen aufheben soll.

Pfarrer Hans-Jörg Rummel vom Runden Tisch zeigte sich als Organisator sehr zufrieden mit dem Verlauf. "Hier kann jeder mit Leuten reden, die er sonst nur aus der Zeitung kennt." Angesichts der gelungenen Premiere hält Rummel eine Neuauflage möglich.

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