CDU verliert bei Wahlen an Boden

Der Wähler hat entschieden: In Reichenbach deutet sich ein Kuriosum an: Sitze im Stadtrat bleiben unbesetzt. In Neumark haben die Unabhängigen Wähler zu FDP und CDU aufgeschlossen.

Reichenbach.

Die Würfel sind gefallen. Bei den Kommunalwahlen am gestrigen Sonntag hat es die eine und andere Verschiebung in der Wählergunst gegeben.

In Reichenbach deutet sich dabei ein Kuriosum an. Dass die AfD bei der Europawahl hier gegenüber 2014 mehr als 14 Prozentpunkte zulegte, schlägt sich auch bei der Stadtratswahl nieder. Bis Redaktionsschluss waren 16 von 22 Stimmbezirken ausgezählt. Nach diesem Zwischenstand würde der einzige angetretene AfD-Kandidat auf sich so viele Stimmen vereinen, dass es für die AfD zu vier Sitzen reichen würde. Damit blieben in den kommenden fünf Jahren in Reichenbach drei der 26 Plätze im Stadtrat unbesetzt. Das wären drei der vier Sitze, um die das Gremium nach der Fusion mit Mylau aufgestockt wird. Bliebe es auch am Ende am Zwischenergebnis von 23.16 Uhr, so verlöre die CDU an Einfluss. Statt acht Sitzen bei der Wahl 2014 hätte sie künftig nur noch fünf. SPD und Bitex würden je einen Sitz verlieren, die FDP wurde zwei Sitze, der Gewerbeverein Reichenbach einen Sitz hinzugewinnen, während Die Linke und die Grünen mit einem Sitz ihr Ergebnis von 2014 wiederholen. Genaueres wird erst nach Auszählung des letzten Stimmbezirkes feststehen.


In Heinsdorfergrund bleibt die Freie Wählergemeinschaft Heinsdorfergrund stärkste Kraft, verliert aber einen Sitz und landet bei nunmehr acht. Die CDU - Offene Liste stellt wie bisher drei Gemeinderatsmitglieder. Der eine angetretene Kandidat der AfD holte einen der zwölf Sitze.

In Neumark büßen die CDU 19,6 Prozentpunkte und die FDP 15,6 Prozentpunkte ein. Das liegt an den Unabhängigen Wählern, die aus dem Stand auf 25,5 Prozent kamen. Die Liberalen bleiben aber mit 27,3 Prozent knapp vorn, die CDU liegt bei 24,7 Prozent. Die SPD kommt auf 11,1 Prozent. Die Linke sowie Pro Neumark, Reuth Schönbach schaffen es nicht auf zweistellige Werte.

Im Limbach hat die Freie Wählervereinigung, die schon bisher die stärkste Kraft war, noch einmal um 21,2 Prozentpunkte zugelegt und liegt nun bei 78,6 Prozent. Die CDU verliert 20,1 Prozentpunkte und verbucht nur noch 13,1 Prozent. Die SPD landet nach leichten Verlusten mit 8,1 Prozent auf Platz 3.

Aus Netzschkau und aus Lengenfeld lagen bis Redaktionsschluss keine Ergebnisse von den Stadtratswahlen vor.In Lengenfeld war das auch schon vor fünf Jahren so. Es bleibt also spannend.

Wahlergebnisse der Kreistagswahl
Wahlergebnisse der Stadt- und Gemeinderatswahl
Wahlergebnisse der Ortschaftsratswahl
alles zur Europawahl

 


Europawahl

Während die Vogtländer bei der Stadt- Gemeinde- und Kreistagswahl viele Kandidaten persönlich kannten, war dies bei der Europawahl kaum der Fall. Dennoch kommt diesem Urnengang große Bedeutung zu, da im Europäischen Parlament viele Entscheidungen getroffen werden, die die Menschen unmittelbar betreffen.


Kommentar: Interessenimmt zu

Die gute Nachricht zuerst. Die gegenüber 2014 um rund ein Fünftel gestiegene Wahlbeteiligung im nördlichen Vogtland belegt: Die Politik in Europa interessiert die Menschen genauso wie die Politik vor der Haustür, in ihrer Stadt oder Gemeinde. In Reichenbach zum Beispiel nahmen 57,2 Prozent der Wahlberechtigten an der Europawahl teil (+20,2), in Heinsdorfergrund 57,1 (+12,1) in Netzschkau sogar 80,6 (+28,1), in Limbach 55 (+2,3), in Neumark 56,4 (+22,1) Prozent. Und das liegt nicht vordergründig daran, dass ohne Fördergeld aus Brüssel viele Projekte vor Ort gar nicht zu stemmen sind.

Der Stimmungstest für die Parteien verdeutlicht aber vor allem, wie unzufrieden viele Wähler mit Europa sind. Während die AfD im Nordvogtland Zuwächse von 12 bis 15 Prozent verzeichnet, wurden CDU, SPD und Linke mit teilweise sogar zweistelligen Verlusten abgestraft. In Neumark und Reichenbach liegt die AfD sogar vor dem bisherigen Platzhirsch CDU. Grüne und FDP gewinnen moderat hinzu.

Bei den Wahlen zu den Stadt- und Gemeinderäten sieht das differenzierter aus. Dort legt die AfD ebenfalls zu. Aber deutlich weniger als bei der Europawahl. Vor Ort kennt der Bürger die einzelnen Kandidaten und ihr Potenzial. Übrigens: Am besten ist es, sich selbst als Bürger einzubringen. Die Partei ist da fast schon egal.


Limbach

Freie Wähler 57,4%78,6%9

CDU33,5%13,3%1

SPD9,2%8,1%0


Reichenbach

CDU32,7%19,2%5

Die Linke19,8%14,5%4

SPD10,1%5,9%1

AfD- 16,5%4

FDP5,5%10,3%3

Grüne5,4%6,5%1

Gewerbeverein10,2%10,2%3

Bitex16,3%10,0%3

BI Reichenb./Mylau- 6,9%2


Lengenfeld

BIL64,8%-%

CDU20,3%-%

Die Linke7,6%-%

SPD5,4%-%


Netzschkau

Gewerbeverein45,7%%

CDU29,9%%

SPD11,2%%

Die Linke 11,0%-

FDP2,1%-


Heinsdorfergrund

Freie Wähler76,2%58,7%8

CDU - Offene Liste23,8%28,3%3

AfD-13,0%1


Neumark

FDP42,9%27,3%4

CDU44,3%24,7%4

Die Linke-4,4%0

SPD 12,8%11,1%1

Pro Neumark-6,9%1

Unabh. Wähler-25,5%4

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...