Chinaseuche lässt im Vogtland massenhaft Kaninchen sterben

Ein aggressiver Virus hat in den Ställen der Region seine Spuren hinterlassen. Züchter sind von Ort zu Ort jedoch unterschiedlich stark betroffen.

Reichenbach/Plauen.

Verweigerung der Nahrung, Blut in der Nase, Fieber: Wenn Kaninchen diese Symptome zeigen, dann sterben sie nicht selten innerhalb weniger Stunden. Grund ist ein Virus, der landläufig als Chinaseuche bezeichnet wird. Eine Variante ist seit Jahren bekannt. Eine besonders aggressive Form der Krankheit - das Rabbit Haemorrhagic Disease Virus 2 (RHD 2) - lässt derzeit Züchter im Vogtland zittern. Stellenweise hat die Krankheit ganze Bestände dahingerafft - etwa im oberen Vogtland und um Pausa, so Verantwortliche. Zahlen gibt es nicht, da es sich nicht um eine anzeigepflichtige Tierseuche handelt.

"Mittlerweile sind mehrere Fälle bekannt, aber es werden nach wie vor nur ganz vereinzelt Kaninchen zur Untersuchung der Todesursache eingeschickt", sagt Amtstierärztin Anne Mütschard. "Es versterben in ganz Sachsen viele Kaninchen. Wenn Tiere eingeschickt wurden, war es immer RHD 2."

Betroffen ist beispielsweise der Raum Schöneck. Erich Helm, Vorsitzender des Züchtervereins, hat selbst gerade erst 18 Tiere verloren. "Bei meinem Stellvertreter waren es 20. In einem Fall in Arnoldsgrün weiß ich von 44", berichtet er. Erich Helm will deshalb die Notbremse ziehen und die für den Buß- und Bettag geplante Ausstellung absagen. "Ich kann das nicht verantworten. Wir wollen die Seuche nicht noch weiter verbreiten", sagt er vor der Krisensitzung seines Vereins heute Abend. Auch der Pausaer Verein sagt aufgrund der Krankheit und dezimierter Bestände seine Ausstellung ab, berichtet Ronny Tunger, Vorsitzender des Kreisverbandes Plauen der Rassekaninchenzüchter. Tungers Bestandsaufnahme nach einer Versammlung fällt jedoch verhalten optimistisch aus. Ja, die Krankheit sei da in der Region. "Aber ich dachte, dass es schlimmer ist." Es gebe sogar Vereine, die gar nicht betroffen sind: etwa Oberlosa, Theuma und Rodersdorf. Entwarnung will der Plauener jedoch keine geben. "Das ist erst der Anfang", glaubt er und sieht zur Bekämpfung der Krankheit die Züchter in der Verantwortung. Tote Tiere müssten beispielsweise professionell entsorgt werden, da der Virus bis zu 30 Tage am toten Körper weiterlebt. "Was hier passiert, ist stellenweise eine große Sauerei", redet Tunger auch intern Klartext. Das Wichtigste sei jedoch, alle Tiere regelmäßig impfen zu lassen. Das sei zwar keine Garantie. "Aber wo geimpft wird, sind Züchter deutlich weniger betroffen."

Auch für den RHD 2-Virus ist mittlerweile eine wirksamer Stoff entwickelt worden. Weil dieser in Deutschland noch nicht zugelassen ist, brauchen Tierärzte eine Sondergenehmigung. Ronny Tunger hat das Prozedere jedoch als problemlos erlebt. "Es haben schon Tierärzte Impfstoff importiert, die Impfung mit dem RHD 2-Impfstoff wirkt", bestätigt Amtstierärztin Anne Mütschard. Sie empfiehlt, auf Ausstellungen nur geimpfte Tiere zuzulassen. Eine amtliche Anordnung sei jedoch nicht möglich.

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