Dachdeckern drückt der Schuh: Magwas verspricht keine Wunder

Handwerker der Region stöhnen unter Bürokratie, Müllproblemen und der Lkw-Maut. Antworten auf ihre bohrenden Probleme wollten sie von der CDU-Bundestagsabgeordneten.

Oelsnitz/Klingenthal.

Dass die Dachdecker des Vogtlandes unübersehbar sind, weiß CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas jeden Tag beim Gang in ihr Büro: Da hängt eine Schiefertafel als Geschenk der Innung, verziert mit Vogtlandmotiven. Spätestens seit Freitag weiß Magwas, dass die Handwerker auch unüberhörbar sind: Bei einer Versammlung im Oelsnitzer Restaurant Lokalfilet schilderten Mitglieder der 1835 gegründeten Innung ihre Sorgen. Gut 25 waren da. "So viele sind wir noch nie gewesen", freute sich Obermeister Hubertus Gütter aus Tannenbergsthal. Das Treffen war ausgemacht worden, als Magwas Innungsmitgliedern den Bundestag gezeigt hatte. "Freie Presse" nennt drei Themen, um die es ging.

Arbeitnehmer-Überlassung: Die Regelung zur Abwehr von Schwarzarbeit fällt Handwerkern auf die Füße. Beispiel: Auch wenn zwei Dachdecker Mitglied der Lohnausgleichskasse sind, darf einer dem anderen nicht einfach so helfen. Offizieller Weg: Ausnahmegenehmigung über die Arbeitsagentur beantragen, die im Einzelfall entscheidet und sich das 1500 Euro kosten lässt. Zu umständlich, zu unflexibel, nicht praktikabel für ein Gewerk, welches stark witterungsabhängig ist. Weil der Weg so bürokratisch und langwierig ist, lässt manch Dachdecker davon die Finger - zum Nachteil aller. Problem erkannt, sagte Magwas. Handwerker wollen arbeiten, statt Papier wälzen - sie will nachhaken.

Müll: Zu wenige Deponien, dazu neue Entsorgungsprobleme: Machte 2017 die Abgabe von Polystyrol Ärger, ist es nun Bitumen - Stichworte sind Teerhaltigkeit und Asbestfasern. Dachdecker wissen nicht, ob sie den Abfall - den sie im Auftrag ihrer Kunden entsorgen ("wir steigen den Leuten aufs Dach, aber es ist nicht unser Müll") - überhaupt los bekommen, und wenn ja, zu welchem Preis. Wird bei einer Probe ein Problemstoff festgestellt, wird es viel teurer.

So mancher Dachdecker fragt sich, wie er bei solchen Unsicherheiten Preise kalkulieren soll. Lange wurde debattiert, nun kommt eine Mantelverordnung des Bundes, sagte Magwas. Die erlaubt Ländern, die Müllfragen selbst nach ihren Bedürfnissen zu regeln. Kein Wunderding, aber ein Anfang. Dass vieles in Deutschland zu lang dauere, Mühlen sehr langsam mahlen, vieles bürokratisch überfrachtet ist, Angefangenes nicht fertig wird, wurde beklagt. Magwas gab dem teils recht. Wenn es sieben Jahre dauere, bis sich Gewerkschaften und Arbeitgeber über Ausbildungsinhalte einigen, sei das viel zu lang. "Da habe ich noch Dinge gelesen wie Diskette ins Laufwerk schieben", sagte Magwas kopfschüttelnd.

Lkw-Maut: Dachdecker fallen unter die Lkw-Maut, da sie häufig viel Technik, auch mit Anhänger transportieren. Die Hoffnung, davon befreit zu werden, nahm Magwas den Handwerkern. Bereits jetzt sei die Maut nach Strecke und Gewicht geregelt. Land- und Forstfahrzeuge, Feuerwehrautos fallen nicht darunter, Handwerker schon. "Man möchte nicht mehr Ausnahmen aufmachen bis zum Sankt Nimmerleinstag. Sonst wird das System der Maut ausgehöhlt. Es wird keine weiteren Ausnahmen geben", sagte Magwas.

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