Das Lächeln einer Stadt

23 XXL-Porträts zieren für sieben Wochen den Markt von Reichenbach. Jetzt sprechen die Fotografin und die Porträtierten.

Reichenbach.

Das Sprichwort weiß: "Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück." In diesem Sinne lassen die Porträts im Großformat, die bis Ende Januar an acht Türmen auf dem Reichenbacher Markt zu sehen sind, die Stadt auf Anhieb ein Stück freundlicher werden. Die Gesichter atmen unverstellte Herzlichkeit. Das Lächeln springt auf den Betrachter über.

Franziska Barth, freie Fotografin aus Greiz, hat im Auftrag des City-Managements Menschen abgelichtet, die in der Innenstadt arbeiten. Zumeist Händler und Dienstleister. Die Kunst ist, sie nicht posen zu lassen. "In meiner fotografischen Arbeit mag ich gern die Geschichten der Menschen einfangen. Sie erzählen von ihrem Leben, von dem, was sie berührt und bewegt. Meist entstehen die Bilder in einer kleinen Sprechpause, in einem Moment des Innehaltens oder wenn sie lachen, während sie sich an etwas Bestimmtes erinnern", schilderte die 33-Jährige der "Freien Presse". Manche Menschen seien sehr unsicher mit sich vor einer Kamera. Sie in ihrem vertrauten Umfeld zu besuchen, tat gut. "Es war eine sehr intensive Arbeit, und es hat meinen Blick auf Reichenbach sehr verändert", erklärte sie. Sie arbeitet ja seit Jahren immer mal wieder in Reichenbach. Aber nun verbinde sie viele Orte in der Stadt mit den Menschen, die dort arbeiten oder ihr ganzes Leben dort verbrachten. Auch wenn sie selbst nicht zur Ausstellungseröffnung kommen konnte, war sie doch ein bisschen aufgeregt. So groß gab es jedenfalls Fotos von ihr noch nicht zu sehen. Barth hofft dass die Menschen, die die Ausstellung betrachten, vielleicht auch ein bisschen inspiriert sind von den Menschen um sie herum.

Zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung sind am Dienstagmittag 15 der 23 Porträtierten auf den Marktplatz gekommen. Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) dankte allen, die sich bereitfanden mitzumachen. "Da sieht man mal, was man für Falten hat", meinte er augenzwinkernd bezogen auf sein eigenes Foto.

"Ich wüsste nicht, dass ich so etwas schon jemals gesehen hätte. Franziska Barth hat eine tolle Arbeit geleistet. Ich bin gespannt, wie die Menschen darauf reagieren und kommunizieren", sagte Benedikt Lommer, Vorsitzender des Gewerbevereins.

Durch die Porträts komme man den abgebildeten Menschen sehr nahe. Ergänzt durch Zitate, sollen sie laut City-Manager Severin Zähringer zum Dialog über Reichenbach anregen: Wie fühlt sich die Stadt für dich an? Was macht sie für dich zum Zuhause? Was sollte sich ändern? Welche Ideen hast du und wie sollten sie verwirklicht werden?

"Sich so überlebensgroß zu sehen, ist komisch und gewöhnungsbedürftig. Aber je länger ich gucke, umso besser geht es mir damit", meinte Mandy Döhler. Die Greizerin ist seit zehn Jahren als Friseurin im Lock-In an der Bahnhofstraße tätig. "Ich mag die Leute hier. Manchmal wünsche ich mir, dass sie das Gute an der Stadt mehr wahrnehmen", sagte sie.

"Für uns war klar, dass wir mitmachen. Wenn Reichenbach leben soll, müssen alle mittun. Deshalb beteiligen wir uns auch an den Happening-Veranstaltungen der Agentur Realitätsverlust", sagte Olaf Butz, der mit seiner Frau bei der Fotoaktion dabei war. Wo angepackt werden muss, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, weiß er auch: "An der Post. Das ist der zentrale Punkt der Innenstadt."

Sparkassen-Filialleiterin Annette Redmer ist auf ihrem Porträt lachend mit zugekniffenen Augen zu sehen. "So ist das halt. Ich musste in dem Moment einfach lachen", erklärte sie. Seit drei Jahren ist die Unterheinsdorferin in der Stadt tätig. "Ich lebe von und mit Reichenbach", sagte sie. Das Entscheidende, damit sich Reichenbach entwickelt, ist aus ihrer Sicht die Haltung der Bewohner zu ihrer Stadt. Dazu komme dann das Machen und Tun.

Immer wieder blieben Passanten stehen und schauten die Bilder an. Zwei junge Männer, die am BSW eine Ausbildung zum Physiotherapeuten absolvieren, meinten: "Eine schöne Idee. Sehr gut gemacht. Die Bäckerin da kennen wir selber." "Die Fotoschau bringt neues Leben in die Stadt. Vor allem die jungen Leute wird das ansprechen", fand Michaela Trommer aus Rotschau. Karl-Heinz Meyer sagte: "Ich finde das gut. Mein Vorschlag ist, die nächste Ausstellung mit Fotos von engagierten Ehrenamtlern zu machen. Davon gibt es viele bei uns."

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