Das wilde Trio von der A 72

Drei freiheitsliebende Ziegen sorgen seit Tagen an der Anschlussstelle Reichenbach für Aufsehen - immer abends und ohne sich von den Autos stören zu lassen. Auch die Polizei hat die Tiere im Blick.

Reichenbach.

Mit ziemlicher Sicherheit dürfte sich derzeit kein Wolf im nördlichen Vogtland aufhalten. Andernfalls käme es wohl an der A 72-Anschlussstelle Reichenbach nicht Abend für Abend zu diesem Schauspiel: Drei freilaufende Ziegen knabbern dort in aller Seelenruhe die Büsche des Hangs direkt an der Autobahnbrücke ab und lassen sich dabei auch nicht von Hunderten vorbeifahrenden Autos und lautstarken Brummis stören. Das Verhalten der Tiere ändert sich erst, wenn ein Auto hält und sich jemand zu Fuß dem wilden Trio nähert.

Das Leittier der Gruppe, offenbar ein grau-schwarzer Bock, stellt sich dann in Habacht-Stellung demonstrativ vor die beiden anderen Tiere und achtet aufmerksam wie ein guter Autofahrer auf Sicherheitsabstand. Näher als 20 Meter lässt der Bock keinen Menschen ran. Dann setzen die offenbar freiheitsliebenden Tiere in großen Sprüngen übers nahe Feld hin zum Wald an der Autobahn. Vermutlich bieten ihnen die Bäume tagsüber Schutz, während es abends raus zum Fressen geht.


Das Treiben der Tiere am direkt an der B 94 liegenden Hang verfolgen Tausende Autofahrer. Ein paar der Augenzeugen haben ihre Beobachtung wohl auch aufgrund von Sicherheitsbedenken zu Protokoll gegeben. Schließlich könnten die Tiere ja für Unfallgefahr auf der Autobahn oder der ebenso viel befahrenen Bundesstraße sorgen. "Seit etwa drei Wochen gibt es Hinweise dazu", berichtet Polizeisprecherin Christina Friedrich. Bereits mehrfach waren deshalb Beamte an der Anschlussstelle. Doch einen Blick auf eventuell vorhandene Ohrmarken konnten sie nicht erhaschen. Zu schnell macht sich das Trio aus dem Staub. "Wir sehen keinen Handlungsbedarf, würden uns aber über Hinweise zur Herkunft und zum Besitzer der Tiere freuen. Wir haben ein Auge drauf", sagt die Sprecherin. Das gilt auch für die Mitarbeiter der nahegelegenen, auch für die B 94 zuständige Straßenmeisterei Reichenbach. "Wir haben sie schon tagsüber auf dem Feld gesehen, am Hang an der Straße allerdings noch nicht. Wenn es Gefahrensituationen an der Straße gäbe, würden wir natürlich die Polizei informieren. Denn fürs Einfangen von Tieren sind wir nun mal nicht zuständig", sagt Straßenmeister Bodo Grunwald.

Wo die Tiere ausgebüchst sein könnten, das weiß auch Doreen Eibisch nicht. Die Neumarker Ziegen-Sennerin hält Thüringer Waldziegen und kennt dank ihrer Käserei viele Halter. "Ich habe mich schon umgehört, aber niemand weiß etwas von entlaufenen Ziegen. Ich sehe auch keine Gefahr für den Straßenverkehr. Sie würden sicher nur in Panik auf die Straße laufen."

Anhand von eher unscharfen Fotos von dem Trio ist sich Doreen Eibisch zudem nicht ganz sicher, ob es sich wirklich um drei Ziegen handelt. "Zwei Tiere könnten auch Schafe sein", mutmaßt die Tierhalterin. Möglicherweise könnten sich also aus zwei oder drei Ställen entlaufene Tiere an der A 72 gefunden und eine Überlebensgemeinschaft gegründet haben. Apropos überleben. Doreen Eibisch: "Es kommt drauf an, wie der Winter wird. Bekommen wir viel und lange Schnee, dann wird's für sie eng. Die paar Äste an den Bäumen reichen dann nicht. Wird der Winter mild, dann haben sie gute Aussichten."

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