DDR-Witze: Autor will, dass sie morgen noch verstanden werden

Günter Hofmann arbeitet an einem Buch über und mit Witzen aus 40 Jahren Arbeiter- und Bauernstaat. Dabei denkt der Ex-Mylauer an jene, die über deren speziellen Humor nicht mehr lachen können.

Reichenbach.

Was ist der Unterschied zwischen einem Trabi und einem Kondom? Es gibt keinen. Beide behindern den Verkehr. Wer von den Spätgeborenen weiß, was ein Trabi ist, der kann diesen Witz auch heute noch verstehen. Auch wenn er die durchaus zwiespältige Gefühle auslösende Wirkung des Witzes bei dem nicht nachvollziehen kann, der zwölf Jahre auf seine Rennpappe warten musste. Bei anderen Witzen sieht das schon anders aus. "Deshalb will ich die Witze in ihren jeweiligen Kontext einordnen und mitteilen, wie sie verstanden worden sind", spricht Günter Hofmann über ein nicht ganz unwesentliches Teil seines neuen Buchprojektes.

Der aus Mylau stammende Dresdner Autor, der zuletzt mit einer dem Stadtarchiv Reichenbach übergebenen Dokumentation zur Geschichte der von seinem Großvater gegründeten Mylauer Maschinenfabrik aufhorchen ließ, sitzt nun über einem Buch über und mit Witzen der DDR - und da haben sich über 40 Jahre Arbeiter- und Bauernstaat eine ganze Menge angesammelt; ob über die Polizei, die Stasi, die Wirtschaft oder führende Persönlichkeiten. "Da ich selbst ein ganz guter Erzähler von DDR-Witzen war, beschäftigt mich das Thema schon länger", erzählt Günter Hofmann über seine Motivation. Denn allerdings bestehe die Gefahr, dass der Sinn vieler das einzigartige Verhältnis von Regierten und Regierenden ausdrückenden Witze von nachrückenden Generationen nicht mehr verstanden werde. Schließlich garnierte der Volksmund auf diese Weise humorvoll seine Kritik an den Verhältnissen im Land, die oft von einem eklatanten Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit gekennzeichnet waren.

Ausdruck dafür dürfte auch der Umstand sein, dass der Bundesnachrichtendienst der Bundesrepublik in den 70-er Jahren eine geheime Akte über DDR-Witze angelegt hat - die erst vor ein paar Jahren freigegeben wurde und zum Gegenstand eines Buchprojektes geworden war. Die von BND-Agenten unter anderem ausgereisten DDR-Bürgern abgelauschten Witze wurden damals offenbar als Indikator für die Lage in der DDR angesehen, das Dossier soll auch auf dem Tisch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt gelegen haben. Dabei, das weiß natürlich auch Günter Hofmann, gab es auch in der DDR selbst Witze über das Sammeln von Witzen.

Kostprobe: Was er denn in seiner Freizeit so mache, soll SED-Chef Walter Ulbricht einmal den US-Präsidenten John F. Kennedy gefragt haben. Er sammle Witze, die die Leute über ihn machten, meinte Kennedy. Darauf antwortete Ulbricht: "Na so ähnlich ist das bei mir auch. Nur ich sammle die Leute, die Witze über mich machen." Wer weder in der Schule noch von seinen Eltern etwas über staatsfeindliche Hetze und Stasi-Knast erfahren hat, versteht diesen Witz heute nicht mehr.

Günter Hofmann möchte in seinem Buch eine Auswahl von Witzen aus jeder DDR-Ära veröffentlichen. Den ersten Witz zu finden, das dürfte schwierig sein. Einer der letzten wurde offenbar in der Wahlheimat des Ex-Mylauers geboren: Dresdner Neufassung des Erlkönigs: Was schleicht nachts durch Ungarns Wiesen? Es sind die Sachsen, die wolln' nach Gießen.

Wer DDR-Witze - vielleicht noch mit vogtländischem Bezug - auf Lager hat, kann sie im Hinblick auf eine mögliche Veröffentlichung in "Freie Presse" an die Redaktion schicken (gerd.moeckel@freiepresse.de). Die Witze gehen auch Günter Hofmanns Buchprojekt zu.

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